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Traumpfade Australiens: Songlines und Country

Traumpfade, häufig Songlines genannt, verbinden Lieder und Erzählungen mit Orten, Vorfahren und kulturellem Wissen. In Aboriginal-Gemeinschaften können solche Überlieferungen Wege durch das Land beschreiben und zugleich Geschichte, Identität und Beziehungen zwischen Gruppen weitergeben. Eine Songline gehört dabei zu einem konkreten kulturellen Zusammenhang; sie ist keine allgemeine Darstellung indigener Kulturen Australiens.

Country und kulturelle Verantwortung

Country bezeichnet mehr als eine Landschaft: Es schließt Beziehungen zu Land, Wasser und Gemeinschaft ein. Ein Beispiel aus dem Nordosten von Arnhem Land macht die lokale Vielfalt greifbar. Bei den Yolngu leben mehr als 50 Clans; jeder hat eigenes traditionelles Country, einen eigenen Dialekt sowie eigene Songlines und Zeremonien. Das Djungguwan verbindet Yolngu-Überlieferungen mit ihrem Land. Lied, Tanz, Malerei und Zeremonie stehen in dieser Praxis miteinander in Beziehung und sind mit Verantwortung für Country verbunden. Die Clan-Unterschiede sind dabei wesentlich: Eine gemeinsame regionale Zugehörigkeit macht Country, Dialekte und Zeremonien nicht austauschbar. Dieses Beispiel beschreibt Yolngu-Zusammenhänge, nicht alle Aboriginal Nations.

Ein Filmbeitrag zur Djungguwan-Zeremonie entstand gemeinsam mit der Yirrkala Dhanbul Community Association und der Rirratjingu Association. Diese Zusammenarbeit zeigt, dass eine öffentliche Aufzeichnung nicht losgelöst von den Menschen betrachtet werden sollte, deren Wissen und kulturelle Praxis sie dokumentiert. Der Beitrag vermittelt einen konkreten Yolngu-Zusammenhang, ohne daraus eine einheitliche Erzählung für ganz Australien zu machen.

Wissen wird durch Gesang und Erzählung über Generationen weitergegeben. Manche Inhalte sind für bestimmte Menschen oder Anlässe bestimmt und werden nicht öffentlich geteilt. Die jeweilige Community hat Verantwortung und Autorität über ihre Überlieferungen. Songlines tragen gemeinschaftlich geteiltes Wissen; zugleich gelten für manche Kenntnisse besondere Zugangsregeln. Kolonisierung und staatliche Eingriffe, die Bewegungsfreiheit beschränkten und Gemeinschaften trennten, bedrohten diese Weitergabe. Die Geschichte umfasst daher lebendige Beziehungen zu Country ebenso wie die Folgen kolonialer Politik.

Die Yolngu-Gebiete im Nordosten des Northern Territory verbinden konkrete Orte mit benannten Clans und ihren Überlieferungen. Diese Verbindungen gehören zur kulturellen Vielfalt Australiens. Bei Begegnungen mit heutiger Aboriginal-Kultur liegt die Entscheidung über öffentlich geteiltes Wissen bei den jeweiligen kulturellen Verantwortlichen. Auch beim Erleben der Landschaften Australiens haben diese örtlichen Beziehungen Bedeutung: Country umfasst kulturelle Verantwortung für Land und Wasser ebenso wie die Weitergabe von Erzählungen.

Ursprünglicher Beitrag: Dieter Tischendorf
Bild: Abie Jangala