Warum die Krähe schwarz ist

Ein Tag, eine Krähe und ein Falke haben zusammen gejagt im Busch. Nachdem sie schon geraume Zeit zusammen gereist waren, entschieden sie, nun mal in den entgegen gesetzten Richtungen zu jagen. Am Ende des Tages sollte jeder dem anderen zeigen, was er bei der Jagd gefangen hatte. Die Krähe reiste gegen die Sonne, und kam gegen Mittag zu einer ausgedehnten Lagune, die der Lieblingsplatz der wilden Enten war. Die Krähe versteckte sich in den hohen grünen Schilf, welches die Lagune einsäumte und bereitete eine Falle zum Fangen der wilden Enten vor. Sie tarnte sich mit weißem Lehm und, nachdem sie diesen mit Wasser weich gemacht hatte, legte sie zwei Stücke in ihre Nasenlöcher. Sie nahm dann ein langes Stück des hohlen Schilfs, damit sie unter Wasser atmen könnte, und band schließlich einen Netzbeutel um die Taille, in welchen die Enten kommen sollten. 

Auf der ruhigen Oberfläche der Lagune, wurden die hohen Gummibäume wie ein Miniwald reflektiert. Die Enten, deren Bronzegefieder in der Sonne glitzerte, schwammen unter den Büscheln der Schilfe. Und hielten nur an, um nach tief in den Wasserunkräutern versteckten geschmackvolles Bissen zu tauchen.

Die Krähe legte das Schilf in seinen Mund und watete lautlos in das Wasser. Sie tauchte schnell unter. Als einziger Hinweis ihrer Anwesenheit ragte das Stück des trockenen Schilfs, durch welches die Krähe atmete, über die Oberfläche des Wassers. So erreicht sie unbemerkt die Mitte des Sees. Bald schwammen die Enten über sie hinweg. Lautlos, nur mit einer schnellen Bewegung, ergriff sie ein Bein einer Ente, zog sie unter Wasser, tötete sie und steckte sie in den Netzbeutel. Dies geschah so unauffällig, dass die anderen Enten es nicht bemerkten. So fing sie mit der Zeit eine große Zahl wilder Enten.

Dann verließ die Krähe die Lagune und marschierte weiter, bis sie zu einem Fluss kam.


Der Krähe hatte der Erfolg der Entenjagd sehr gefallen. So beschloss sie, noch einige Fische mit dem Speer zur erlegen, bevor sie zum Lager zurück wollte. Sie legte den Netzbeutel mit den toten Enten am Ufer des Flusses ab, nahm den Fischspeer und watete ins Wasser, bis ihr  an die Taille reichte. So stand sie lange Zeit, den Speer immer zum Wurf bereit. Sie wusste, dass jede falsche Geste das Wasser bewegen würde. Bald sah sie mit dem scharfen Auge des Jägers die ahnungslosen Fische. Mit einer schnellen Bewegung des Armes schleuderte sie die Stange und erlegte einen großen Fisch. Viele aufgeregte Fische wühlten nun das Wasser auf. Und es war leicht für die Krähe noch viele Fische mit dem Speer zu fangen. Mit dieser schweren Last der erfolgreichen Jagd ging die Krähe zurück ins gemeinsame Haus.


Der Falke hatte bei seiner Jagd viel Pech. Er pirschte sich über viele Meilen an ein Känguru heran und verlor es dann in den stark bewaldeten Hügeln aus den Augen. So entschloss er sich am Fluss einige Fische zu fangen. Aber die Krähe hatte das Wasser schlammig aufgewühlt und die Fische derart verschreckt, dass auch dieser Versuch erfolglos bliebe.

Schließlich entschied der Falke, zu seinem gunyah (Aboriginal Wort für Platz oder Unterstand) zurück zu gehen. Er hoffte auf den Jagderfolg der Krähe, die sicher mit ihm teilen würde.


Als der Falke ankam, bemerkte er, dass die Krähe bereits dort vor ihm gewesen war. Sie hatte ihre Abendmahlzeit vorbereitet und auch schon gegessen. Die Krähe hatte für den Falken keinen, auch so kleinen Anteil übrig gelassen. Sie hatte die Reste versteckt. Dieses störte den Falken, also näherte sich er der Krähe und sagte: „Ich sehe, Du hattest eine gute Jagd heute. Ich dagegen ging, viele Meilen, aber konnte nicht einmal eine Eidechse fangen. Ich bin müde und wäre froh, nun meinen Anteil der Nahrung zu bekommen. Wie wir es heute Morgen besprochen hatten.“ „Du bist zu faul“ antwortete die Krähe. „Du hast sicherlich in der Sonne geschlafen statt zu Jagen. Ich hab das meinige gegessen und es ist nichts übrig, was ich dir geben könnte.


Das verärgerte den Falken nicht nur. Nein! Er wurde wütend. Und die beiden kämpften lange Zeit an der langsam verlöschenden Glut des Feuers. Bis schließlich der Falke die Krähe ergriff und sie in der schwarzen Asche rollte. Als sich die Krähe vom Kampf erholte hatte bemerkte sie, dass die Asche nicht weg zu waschen war. Seit dieser Zeit sind Krähen immer schwarz geblieben. Und die Geister bestraften die Krähe auch für das Verstecken der Nahrung bestraft. Sie wurde verurteilt nur noch vom fauligem Fleisch zu leben.

 

 

 

 

 

 

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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