Die älteste Kultur - 1


Die älteste Kultur der Welt, die überlebte!


Teil 1

Schon an anderer Stelle habe ich über die Wurzeln der Kultur der Ureinwohner erzählt.
Es scheint gesichert, dass die Wiege der Menschheit im Gebiet des heutigen Kenia liegt. Davon zeugen 1984 gefundene verstreute Menschenknochen in einem 1,6 Millionen Jahre alten Sediment. Nach Australien kamen die ersten Menschen (Australopithecus) vor etwa 100 Tausend Jahren. Robuste, gedrungene Typen, 170 cm groß. Sie kamen über Java und lebten auf dem roten Kontinent aber „nur“ 6 bis 7 Tausend Jahre. Dem folgte ein zweiter Einwanderungsschub vor 40 bis 50 Tausend Jahren mit Booten oder Flößen über den Ozean aus China, den Phillipinen und Indonesien. Das gelang auch deshalb, weil während der Eiszeit der Wasserspiegel der Weltmeere 100 bis 200 Meter niedriger gewesen ist. Es gab also damals auch eine Landbrücke nach Australien. 

Die neuen Entdecker, ein graziler Australopitecinus mit einer Größe von 120 bis 150 Zentimeter, waren die Homo sapiens, die direkten Vorfahren der Aborigines. Sie zählen zu den ältesten Völkern der Erde. Und weil sie bis 1788 kaum Kontakt zu anderen Völkern hatten, weil sie weit entfernt von einander auf dem riesigen Kontinent lebten, konnten sich Sitten und Gebräuche, sowie weltanschauliche Standpunkte unbeeinflusst entwickeln. Eine Ausnahme bildeten dabei die Stämme an der Nordküste, wo schon durch Kontakte zu Indonesien bestimmte Prägungen erfolgten. Im Gegensatz zu früheren Forschungen wird heute angenommen das zum Zeitpunkt des Besuches von James. Cook 1770 zwischen 750.000 bis 3 Millionen Ureinwohner, die in 300 verschiedene Sprachen redeten, in Australien lebten. Die Ureinwohner ernährten sich von Fisch, Austern, Muscheln, Früchte, Pflanzen und Tiere. Alles war reichlich vorhanden und reichte zum Leben. Als Nomaden zogen sie durchs Land, fühlten sich als ein Teil der Natur und pflegten ihre Traditionen, ihre Gesetze, die sie in Gesängen und Tänzen überlieferten. Und durch die Annahme der Traumzeit vertieften sie ihre Verbindung und Beziehung zur Umwelt. „Alles ist ein Teil vom Ganzen!“ lautete die oberste Lebensmaxime. Die Berge achteten sie als Götter, in den Höhlen wohnten Geister. Emus waren Himmelsvögel, die beschlossen hatten auf der Erde zu leben und in den fliegenden Füchsen sahen sie von den Göttern bestrafte ehemalige streitsüchtige Menschen.

Traumzeit


Dieser Begriff Traumzeit ist eigentlich falsch. Hier haben Ethnologen und Anthropologen , denen es bis heute noch nicht gelungen ist, die Sprache der Ureinwohner einwandfrei zu sprechen oder zu deuten, früher Worte missverstanden und falsch interpretiert.
Sie hörten einen Begriff des Aranda Volkes, nämlich „altjira rama“. Das bedeutet vereinfacht, die Fähigkeit des jeweiligen Ureinwohners, sich einen bestimmten Ort mit großem persönlichem Bezug, wie im Traum oder einer Vision, vorstellen zu können. „Altjira rama“ wurde aber von den Ureinwohnern auch als „altjiranga“ bezeichnet. Das wiederum erklärt etwas, das von Anfang an bis in alle Ewigkeit vorhanden war und ist. Aus diesen beiden  Begriffen machten die Briten „altjeringa“ und vermischten die Fähigkeit des Einzelnen zu träumen mit der Annahme von Sachen, die schon immer da waren. So erklärte die beiden Forscher diese Auffassung mit dem englischen Wort „dreamtime“. Zu Deutsch „Traumzeit“. Eigentlich ein missbrauchter Begriff, der für alles, was eben früher war, für die Gesänge und spirituellen Tänze, für die Legenden Anwendung fand. 

Für die Ureinwohner beinhaltet der Raumbegriff etwas anderes als in den westlichen Kulturen. Durch das Erfühlen der Energie bestimmter Areale sind die Ureinwohner noch heute in der Lage die Geschichte der Plätze zu „erträumen“, sich vorzustellen. Und sie empfinden dabei auch die Handlungen der schöpferischen Ahnen. Wenn es den scheinbar teilnahmslos herumsitzenden Ureinwohner an einem bestimmten Ort gelingt, sich in die spirituelle Aura der dortigen Pflanzen oder Tiere zu versetzten, erfühlt er deren geistigen Gehalt, empfindet er deren Geschichte, auch in Beziehung zum jeweiligen Platz. Nicht Zeit und Raum verbinden nach Meinung der Ureinwohner die Dinge miteinander. Sondern es ist die „traumzeitliche Bedeutung im energetischen Netzwerk der schöpferischen Natur“.
Da war es für die westliche Welt doch bedeutend einfacher, den Mythos über die Traumzeit eines letzten Steinzeitvolkes, das noch in der Natur mit der Natur in Harmonie lebt, zu entwickeln.

Parallelzeit


Hier haben die Europäer, die sich mit der traditionellen chinesischen Akupunktur und mit den Erkenntnissen des hinduistischen Tantrismus mit der Lehre der sieben Chakras ernsthaft beschäftigen, viel gelernt, um zumindest die Ansätze der Denkweisen, der inspirierten Handlungen der Ureinwohner Australiens zu verstehen.
Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass der Begriff Parallelzeit (und nicht Vorzeit) besser gewählt wäre. Trotzdem verbinden die Ureinwohner mit ihren Vorstellungen von der Entstehung der Welt völlig andere Inhalte, als viele Europäer da hinein deuten.
Im Philognosie Team hat W.H. Müller unter Bezug auf das Buch von Robert Landlov „Am Anfang war der Traum“ sehr übersichtlich diese Problematik dargestellt.
"Der Same träumt den Baum", lautet ein wichtiger Leitsatz der Aborigines. Wie sich aus einem Samen ein Stamm, die Äste und das Laubwerk entwickeln, so geht ein Mensch aus der Natur hervor. Das Leben des Aborigines ist von Geburt bis zum Tod eine einzige Initiation (hier: Einführung in die Gemeinschaft! D.T.). Diese erfolgt stufenweise, wobei es immer das Ziel ist, den inneren Horizont zu erweitern. Je weiter das Innere des Menschen expandiert, je mehr seine Schau der Dinge zunimmt, desto intensiver erfährt er die Traumzeit. 

Diese Traumzeit nennen die Aborigines auch die Welt der Schöpferischen Ahnen. Es ist die Realität der unsichtbaren Kräfte der Natur, die mit dem Sichtbaren verwoben sind. Diese unsichtbaren Kräfte der Natur sind es, die sich im Rhythmus von Leben, Wachsen und Vergehen manifestieren. Während beispielsweise der buddhistische Mönch versucht, der Welt des Leidens durch Abgeschiedenheit und Meditation zu entkommen, steht der Aborigine fest im Leben und akzeptiert Schmerz und Leiden, Ekstase und Sexualität als den einzig begehbaren Weg in die Welt der Traumzeit. Insofern weist das Weltbild der Aborigines Parallelen zum Tantrismus und Hinduismus auf. 

Drei Welten



In der westlichen Zivilisation sind sowohl Ekstase als auch Sexualität in der Regel mit Tabus versehen. In der christlichen Religion hat dies zur Unterdrückung der passiven schöpferischen Kraft des Weiblichen geführt, die nach Auffassung der Aborigines allem zugrunde liegt. Aufgrund der Haltung zur Sexualität ist diese Gesellschaft eine "statische", während die der Aborigines eine "ekstatische" ist.
Die Aborigines benennen drei Welten: die Welt des Ungeborenen, die des Lebendigen und die Welt des Toten.
Die Realität setzt sich aus diesen miteinander verwobenen Welten, bzw. ihrer beständigen Interaktion, zusammen. Die weiblichen und männlichen Energien werden im Hinblick auf diese weltgestaltende Interaktion "sozial", "persönlich" und "rituell" genutzt, um mit der Realität der Traumzeit im Einklang zu leben. Das Leben in der Aboriginal- Gesellschaft, die keine Hierarchien kennt, ist mit einer Initiation vergleichbar, wobei die Rollen der Geschlechter überaus wichtig sind.

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

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