Traumpfade

Im Laufe der Jahrtausende haben die Ureinwohner oft von Stamm zu Stamm verschiedene Deutungen über Naturphänomene, wie Sonne, Mond, Feuer usw. gefunden.
Aber in einem waren sich alle Stämme oder Sippen einig. Nämlich in der Notwendigkeit, die Vergangenheit zu erträumen, um aus der Geschichte der Umstände in frühester Zeit zu lernen. Und für die Ureinwohner hatte jedes „Ding“ am erträumten Platz eine solche Geschichte. Auch, wenn die Aboriginal People gegenüber uns Weißen oft schweigsam oder sogar verschlossen wirken, besitzen sie doch die menschliche Fähigkeit des Mitteilungsbedürfnisses. Nur bei Ihnen äußert sich dies anders. Sie geben Erträumtes oder von den Vorfahren Überliefertes in Tänzen, spirituellen Gesängen oder rituellen Handlungen weiter.
Und immer wieder steht diese gemeinsame Verwandtschaft aller Dinge am Beginn der Welt im Mittelpunkt. Menschen, Tiere, Pflanzen, Bäume Blumen, ja sogar die scheinbar leblosen Steine, alles geht auf eine gemeinsame Zeit zurück. Und aus dieser Gemeinschaft entwickelte sich die Kultur der Ureinwohner. Eine Kultur, die nie die Wurzeln vergaß. Deren Folgen, wie Stammesbildung, Gesetze, unterschiedliche Sprachen, Steinzeichnungen, Tänze und Gesänge stets auf der erträumten Verwandtschaft aller Dinge zurückgehen. Es war eine durchgehende Kultur bis 1788.

Im Weltverständnis der australischen Ureinwohner, der Aborigines, beginnt alles in unserer sichtbaren Welt in der Traumzeit (Altjeringa). In dieser Traumzeit formten die archetypischen Geistwesen unsere Welt und die Menschen.

Diese Geistwesen erschufen alle Formen von Tieren die Pflanzen den Menschen und die Naturphänomene sowie alle unbelebten Objekte. Ihre Existenz wird sichtbar durch ihre formgebenden Reisen bei denen sie Markierungen in die Landschaft setzten. Diese Traumpfade und Reisewege entsprechen den Songlines oder “Yiri” wie sie bei den Walpiri Aborigines heißen. Diese Markierungen können rein spiritueller Natur sein aber auch Abdrücke von Körperteilen im Felsen, Fußspuren oder Handabdrücke. Der im Victoria-Flusstal ansässige Stamm der Yarralin Aborigines verehrt zum Beispiel, den Geist Walujapi als Traumwesen der schwarzköpfigen Python. Walujapi prägte eine schlangenförmige Spur entlang einer Klippe und hinterließ einen Abdruck wo er sich zur Rast legte. Diese beiden Traumzeichen sind heute noch sichtbar.

Dieser Begriff Traumzeit ist eigentlich falsch. Hier haben Ethnologen und Anthropologen , denen es bis heute noch nicht gelungen ist, die Sprache der Ureinwohner einwandfrei zu sprechen oder zu deuten, früher Worte missverstanden und falsch interpretiert.

Sie hörten einen Begriff des Aranda Volkes, nämlich „altjira rama“. Das bedeutet vereinfacht, die Fähigkeit des jeweiligen Ureinwohners, sich einen bestimmten Ort mit großem persönlichem Bezug, wie im Traum oder einer Vision, vorstellen zu können. „Altjira rama“ wurde aber von den Ureinwohnern auch als „altjiranga“ bezeichnet. Das wiederum erklärt etwas, das von Anfang an bis in alle Ewigkeit vorhanden war und ist. Aus diesen beiden Begriffen machten die Briten „altjeringa“ und vermischten die Fähigkeit des Einzelnen zu träumen mit der Annahme von Sachen, die schon immer da waren. So erklärte die beiden Forscher diese Auffassung mit dem englischen Wort „dreamtime“. Zu Deutsch „Traumzeit“. Eigentlich ein missbrauchter Begriff, der für alles, was eben früher war, für die Gesänge und spirituellen Tänze, für die Legenden Anwendung fand

In der endlosen erdachten Traumzeit, der Welt der schöpferischen Ahnen, die von den Ureinwohnern Lalai genannt wird, schlief alles unter der dicken Erdkruste. Die Erde und die darunter Schlafenden existierten eben schon. Aber schlafend. Und ohne Unterschied zwischen Menschen, Tieren, Vögel, Kriechtiere und spirituellen Wesen. Menschen sind ein Teil von Tieren, so wie Tiere ein Teil von Menschen sind. Sicher haben die „Geister“, auch Ahnen genannt, irgendwann die Erde geschaffen und wurden danach ein Teil von ihr. Daraus erklärt sich auch die Auffassung, dass es eine Verwandtschaft zwischen allen Dingen auf dieser Erde untereinander gibt, da sie am Beginn doch noch alle gleich waren. Mensch und Erde sind eine energetischen Einheit. Die „Schlange des Nordens“ und die „Schlange des Südens“ sind allegorische Begriffe für den Nordpol und den Südpol. Zwei für den Erdmagnetismus wichtige Bereiche. Die Schlange des Nordens empfängt die universelle Energie, und leitet diese in das Erdinnere, wo sie sich mit dem innerirdischen Magnetismus vermischt. Am Südpol, also der Schlange des Südens, treten die Energien wieder aus und verteilen sich von dort netzförmig über die gesamte Erde. Diese wachstumsbringende erdmagnetische Verteilung von Süd nach Nord sind für die Ureinwohner die Bewegungen der Regenbogenschlange. 

Die Regenbogenschlange (Regenbogendrachen) zog ihre Spur Australien und erschuf dabei die Flüsse und Berge. Rastplätze, wie Ubirr, wurden folglich zu besonders heiligen Plätzen. Ein Lied, geschaffen vom Regenbogendrachen, wird immer noch von den Ureinwohnern des Nordens gesungen. Dieses Lied beschreibt den Reiseweg des Drachens und die Orientierungspunkte die durch ihn geschaffen wurden. Diese Lieder lassen sich auch als Navigationsanleitung interpretieren, da sie zum Beispiel auch die Positionen von Wasserlöchern beschreiben.

Traumpfade sind ein uraltes kulturelles Konzept, die Weitergabe innerhalb des Stammes erfolgt über Gesänge, Tänze und Geschichten die von Generation zu Generation weiter gegeben werden. Traumpfade (Songlines) sind eine Abfolge von Liedern die Orientierungspunkte und nützliche Hinweise für die Navigation im Busch erhalten und verbreiten sollen. Diese Lieder beschreiben meist die Erschaffung und die Namensgebung der markanten Landschaftspunkte während der Traumzeit. Die träumenden Geistwesen erschufen und benannten auf ihrer Traumreise durch die Welt Bäume, Felsen, Wasserlöcher, Tiere und Naturphänomenen. Sie erschaffen auch die Seele der Ungeborenen und bestimmen das gesellschaftliche Zusammenleben in den Stammesgesetzen und für den Totenkult der Ureinwohner.
Durch das Singen der Traumlieder in der richtigen Abfolge konnten die Ureinwohner sich auch auf großen Reisen durch die eintönigen Landschaften Zentral Australiens zurechtfinden. Der ganze Kontinent ist durchzogen von einem System von Traumpfaden. Einige sind nur ein paar Kilometer lang, andere spannen sich durch den Kontinent und über das Stammesgebiet vieler verschiedener Stämme. Diese Stämme sprechen oft einen ganz anderen Dialekt und haben auch verschiedene kulturelle Traditionen. Für diese scheinbar schlafwandlerische Sicherheit, den Weg zu finden, besitzen die Ureinwohner mit großer Wahrscheinlichkeit noch die genetische Prägung, erdmagnetische oder auch universelle Strahlungen aufzunehmen. Wie es auch den Vögeln auf ihren doch oft so langen Flügen zur Orientierung möglich ist, wie wir es bei den Magnet Termiten sehen. 

Das scheint auch die Ursache eine der Merkwürdigkeiten an den Traumpfaden zu sein Sie überspannen oft Gebiete mit mehreren verschiedenen Sprachen, und werden auch in der jeweiligen Stammessprache gesungen. So kann zwar nur jemand, der alle Sprachen der auf dem Weg liegenden Stämme spricht. den ganzen Traumpfad verstehen. Aber Laufen kann er ihn ob seiner intuitiven Fähigkeit trotzdem!

In gewissen Umfang besitzen auch viele Menschen der westlichen Welt noch das Vermögen, sich wie die Ureinwohner an bestimmten Plätzen mit den Seelen der Ehemaligen auszutauschen. Ich denke dabei an die zahllosen stillen Zwiegespräche und Erinnerungen, die viele von uns an den Gräbern der Eltern oder anderer lieber Mitmenschen haben.

Das Bemühen des Aboriginal People die Vielfalt der Jetztzeit mit erträumten Ereignissen der Vergangenheit zu erklären, hat zu erstaunlichen Geschichten und Legenden geführt. Nicht alle haben die Ureinwohner preisgegeben. Aber die uns bekannten Geschichten sind so interessant, dass eine Auswahl hier zum Lesen angeboten wird.
Erstaunlich die Offenheit, mit der menschliche Schwächen wie Lüge, Betrug, Diebstahl und Mord in Fabeln, den Tieren übertragen, dargestellt sind.

Dieter Tischendorf

 
Bild:  Abie Jangala

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