Die Border Twin Towns Echuca Moama Barmah-Forest - Die Border Twin Towns Echuca Moama

Die Border Twin Towns Echuca Moama

Historisch nachweisbar lebte bereits 1838 ein erster Overlander in der Gegend. Und als zwischen 1842 und 1848 eine Farm mit Schafzucht beiderseits des Flusses entstand, nannte man diese Echuca. So hieß nämlich der Platz bei den Ureinwohnern, die darunter einen „Treffpunkt des Wassers“ verstanden. Und der Owner des ersten Hotels “Maiden’s Inn“ (1846) betrieb auch nebenbei ein Überfahrtunternehmen mit Stechkähnen. Die glanzvolle Entwicklung der scheinbaren Doppelstädte verdanken die heutigen Bewohner zwei ehemaligen Häftlingen. Auf der Seite von NSW erhielt das Gebiet um das von James Maiden gegründete Hotel 1851 den Namen Moama. Auf der anderen Seite (Victoria) des Flusses eröffnete Henry Hopwood 1853 ebenfalle einen Pub und ein Konkurrenzunternehmen für die Überfahrt. Und er war der Geschäftstüchtigere der beiden ehemaligen Sträflinge. Er hatte die Vision von einem großen Hafen, die er auch realisierte. So wurde Echuca zur wirtschaftlich dominierenden Stadt. 1864 erreicht die Eisenbahn den Ort, 1865 entstand, um die Wolle verladen zu können, der erste Teil des späteren Hafens. Die Entwicklung der Stadt war so rasant, dass 1891 Echuca sogar als eine der Kandidaten Städte für die neue Hauptstadt diskutiert wurde.

Doch es gab und es gibt in und um Echuca bedeutend mehr als nur den Hafenbereich.
Im Barmah Wetland, ein Gebiet von internationaler Bedeutung, wachsen die größten Red Gum Tree der Welt. Über 500 Jahre alt, bis zu 40 Meter hoch. Hier leben besonders in der Regenzeit Wasservögel, Pelikane, Ibisse, Kormorane, eine Vielzahl unterschiedlicher Reiher, Purpurhühner usw. Und die Kängurus, die Koalas, die Possum und die fliegenden Füchse vertragen sich gut mit den tausenden Wandervögeln. Der Barmah Forest ist 21,6 Tausend Hektar groß. Und er liegt weiter flussaufwärts zwischen Barmah, Deniliquin und Tocumwal. Hier besteht auch Campingmöglichkeit. Ein Umstand, der besonders von Vogelfreunden sehr begrüßt wird. 80 % der Fläche des Forest ist noch mit Bäumen bewachsen.

Im Barmah Forest befindet sich auch das Kultur Zentrum des Yorta Yorta Volkes, das hier früher lebte.

Die Vogelvielfalt war ein besonderer Grund, warum sich Wissenschaftler der Monash University eingehend mit den Auswirkungen des Dammbaus am Murray River auf Flora und Fauna beschäftigten. Und man konnte ermitteln, dass das gelegentliche jährlich Öffnen der Dämme eine sonst auf natürlich Weise im Jahr eingetretene Hochwassersituation simuliert. Dankbar reagierte folglich die Natur auf das Wasser.

„Die Reaktion der Wirbellosen-Fauna war dramatisch“, so Andrea Ballinger. „Als das Hochwasser wieder zurückging, strandeten die im Wasser lebenden Insekten und bildeten eine regelrechte ‚Beute-Suppe’. Dann haben sich Laufkäfer- und Wolfsspinnenarten eingestellt, die dort niemals zuvor gefunden worden waren. Sie haben entlang des Gewässerrandes gejagt und ernährten sich von den Wirbellosen in eben dieser Beute-Suppe.“

Die Leiterin der Forschungsgruppe meinte, dass einige der Laufkäfer bis zu 3,5 Zentimeter groß gewesen sind. „Diese Kerlchen können Frösche fressen!“

Laut Ballinger war die Gesamtmasse der Käfer in jenem Jahr rund 1000 Mal höher als etwa im Jahr 2001, in dem es nur schwache Hochwasser gegeben habe. „Die Schlussfolgerung ist, dass diese spezialisierte Fauna unter natürlichen Bedingungen, vor dem Dammbau, ihr Auskommen fand. Aber jetzt, wo es kaum noch Überflutungen gibt, sind diese Arten möglicherweise bedroht.“ Das sind wichtige Erkenntnisse, da gerade die kleinen „Wirbellosen“ das Futter für kleine Säuger und Vögel sind. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf und nur dadurch kann die Artenvielfalt erhalten bleiben.

Nach dem Einzug in unseren Bungalow sind wir noch zum Einkaufen in die Stadt gefahren. Hier scheint uns Echuca eindeutig durch die Anwesenheit der großen Verkaufsketten favorisiert. Doch nirgendwo in DU haben wir so viele hektische Menschen beim Freitageinkauf in Australia getroffen wie bei Woolworth in Echuca. Die hätten uns mit ihrer Hektik fast angesteckt.

Visitor Center EchucaDer nächste Tag war eigentlich nur für die Stadtbesichtigung vorgesehen. Außer dem historischen Hafenbereich, dem Park zwischen Visitor Centre und dem Murray River, mit den mächtigen Brücken, sind lediglich vielleicht noch das Customs House und Old Gaol erwähnenswert. Nicht sehr viel!

Die Damen im Visitor Centre, einem ehemaligen Pumpenhaus, waren wieder sehr nett und hilfsbereit, ebenso die Mitarbeiterin in der Library, wo wir unsere kostenlosen Internetnutzungszeiten bestellen konnten.

Der alte Hafen in EchucaEingang zum Hafen in EchucaDann fuhren wir zum Alten Hafen. Nicht zu Unrecht bezeichnet sich Echuca als einen der führenden früheren Inlandhafen. Seit 1860 gibt es den Hafenbetrieb. Und 1877/78 wurden zum Beispiel 57.180 Ballen Wolle mit dem Raddampfer zum Hafen und von dort mit dem Zug nach Melbourne zum Markt verfrachtet. Bis zu 1,2 Kilometer betrug damals die Kailänge. Früher der größte Inlandhafen besitzt Echuca heute die größte Kollektion an Raddampfern in der Welt. Aus mir unerklärlichen Gründen bezeichnen die das aber nicht als Weltrekord. Sind sich wahrscheinlich nicht so sicher.

Großer Baumstamm auf einem Cart in EchucaAber in einem haben die Touristikunternehmen recht. Der alte Hafen hat Charme. Man fühlt sich beim Schlendern durch die gut renovierten Anlagen wieder in die Hochzeit der Dampfschifffahrt versetzt. Die Vergangenheit lebt weiter auf dem Bummel durch diese eine Strasse mit Stores und Häusern im alten Stil. Wie in damaligen Zeiten sind die Wege aus Sand und die Bordsteinrinnen aus Holz. Ein lebendes Museum! Da liegen wie vor 150 Jahren die zu transportierenden Waren, Wollballen, Holzstämme und auch Weizensäcke herum. In den alten Werkstätten wird gearbeitet. Aber auch historische Teestuben, Lokale oder Hotels, 80 gab es zu den besten Zeiten in der Stadt, bieten ihre Dienste an. Und besonders alle möglichen Produkte der Holzverarbeitung kann man hier kaufen. Sehr beeindruckt hat uns der Anblick von Log Buggy. Was für ein mächtiger Stamm. Und was für ein Wagen, auf dem er zur Sägemühle gebracht wurde. Bullen haben das Gefährt durch das Outback oder die Wildnis gezogen.

Abwassersystem in Echuca, ein GullyDieser mächtige Baumstamm war etwas über sechs Meter lang, hatte eine Umfang von 5,5 Metern und ein beträchtliches Volumen. Es ist ein Red Gum, der 1870 im Moira Forest (NSW) gefällt wurde und auf Ochsenkarren durch die unwirtliche Natur nach Echuca gebracht wurde.

Inzwischen hatten der Schmied und auch der Holzdrechsler ihre Tätigkeit begonnen. Man kann einfach in die Werkstatt gehen und ihnen bei der Arbeit zusehen. „So weit wie es geht versuchen wir im Stil der damaligen Zeit zu arbeiten“ erklärte mir der Schmied und stellte den Strom für den Blasebalg an.

Touristenboote und Raddampfer in EchucaNatürlich ist auch der Hafen für die Touristikboote sehr interessant. Zumal man bei einer Anlegestelle über eine Brücke, die eine Eisenbahnlinie überquert, erst zum Dampfer kommt. An anderen Anlegestellen liegt das Holz zum Beheizen des Bootes schon einladbereit. Und die Markierungen an zwei Bäumen zeigen die einzelnen Hochwasserstände. Auch hier liegt die Marke von 1956 weit über den anderen Markierungen.

Sehr interessant und auch monumental fand ich die Brückenkonstruktionen über den Murray River zwischen Echuca und Moama. Das sind Hochwasser sichere Bauten. Aber so etwas sollte man in DU vielleicht nicht behaupten. Denn die Natur erlaubt, nach Meinung der Ureinwohner, den Weißen jährlich unwesentliche Veränderungen, die sie am Ende immer wieder korrigiert.

Nach dem Mittagessen erledigten wir in der Library unsere „Internetaufgaben“. Dann ging es zurück in den Caravan Park. Zunächst besichtigten wir noch, da es fast gegenüber von dem Caravan Park lag, den Startplatz einer der legendären Routen durch Australien.

The Long Paddock die legendäre Vietriebroute nach Victoria„The Long Paddock“ ist ein zum australischen Wortschatz gehörende Bezeichnung für die legendäre Rindertrieb Route vom Gulf Country nach Victoria. In Moama am Council Office bzw. an der alten Telegrafenstation endete der Track. Hier war eine Transportverbindung von Queensland bis zur Südküste entstanden, die besonders zur der Gold Boom Zeit der Goldfelder in Victoria zwischen 1852 bis 1861 ständig genutzt wurde. Nicht nur Rinder, auch Schafe wurde auf der Route getrieben, Wolle wurde transportiert, natürlich auch landwirtschaftliche Erzeugnisse. Und bald nutzte zumindest im Bereich von NSW zwischen Wilcannia und Echuca Cobb & Co diesen Track auch für seine Transporte. Der heutige Cobb Hwy folgt im Wesentlichen der historischen Route. Aber das echte Long Paddock Gefühl stellt sich erst ein, wenn man mal einen der angegebenen Hinweise am Hwy folgt und in den Busch fährt. Morgen werden wir auf der 75 nach Norden bis Deniliquin ein Stück neben „The Old Paddock“ fahren.

The Long Paddock in EchucaNun war es genug für den Tag. Auf in den Caravan Park, zur Siesta. Irgendwie bin ich mir allerdings nicht sicher, ob es in Australien eine ähnliche Regelung der Mittagsruhe zwischen 13.00 und 15.00 Uhr wie in Deutschland gibt. In fast allen Parks war das nämlich die Zeit der „Motorsäger“. Lautstark arbeiteten Angestellte des Parkes in unmittelbarer Nähe der Unterkünfte an Bäumen und überhängenden Zweigen. Aber da muß man einfach durch. Die schlaflose Nacht zum Samstag, durch die Wochenendfeier der Nachbarn in den Nebengebäuden, war da schlimmer.

Dafür herrschte am Samstag früh 06.00 Uhr lautlose Stille. Nur unser Auto störte vielleicht, als wir weiter fuhren. Auf dem Cobb Hwy nach Norden.

Und noch auf der Fahrt setzten wir unser Thema von gestern Abend, nämlich, wie viele Sträflinge in DU zu Reichtum und Ansehen kamen, fort. Hier in Echuca –Moama haben wir von zwei solchen Vertreter gehört und ihr Tun kennen gelernt.

Foto: Dieter Tischendorf

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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