Kidnapping

Kidnapping und weißes Australien

Als eine „Spritztour“ und eine „Prüfung“ bezeichnete Polizeikommandant Walker eine „kleine Jagdexpedition“ zwischen Weihnachten und dem 3. Januar 1852. Sie trieben angebliche „feindliche Schwarze“ ins Meer bis zur „Dunkelheit oder dem Tod.“
Ein besonders brutale Art der Assimilierung und rücksichtslose Trennung von Ureinwohnerfamilien. Ein dunkles Blatt in der Geschichte der Rassenpolitik. Bis ca. 1970 trennten Regierung und Kirche Tausende von Kindern von ihren Eltern. Diese «gestohlene Generation» wurde bei Pflegefamilien und in Missionsstationen untergebracht
1857 raubten Europäer zwei Mischlingsmädchen der Aborigines. Sie behaupteten, dass es Überlebende des gesunkenen Schiffes „Seabelle“ wären, die sie nun befreit hätten. Die Mädchen sprachen kein Wort Englisch, hatten keine Ahnung von der europäischen Kultur. Aber das interessierte nicht. Sie wurden nach Sydney gebracht und in eine Anstalt (?) gesperrt, wo sie nach kurzer Zeit starben. Die Erschütterung und Demoralisation der Sippe der Ureinwohner war maßlos. Es musste zu Konflikten kommen.

Aber jede Gegenwehr der Ureinwohner war der Anlass für weitere Invasionen. Im Fraser Island hatte man 35 Ureinwohner als Mörder und Verbrecher eingestuft und sie „beseitigt“. Als dann der Aborigines Stamm aus Rache elf Mitglieder der Fraser Familie tötete, war die Antwort des weißen Mannes ein Massaker mit der Ermordung von 150 (vielleicht sogar über 300) Ureinwohnern am 1. November 1857. Selbst diese ungesetzliche Tat wurde strafrechtlich nicht verfolgt. Solche Beispiele waren für 40 Jahre der Freibrief für weitere Strafexpeditionen von Polizei, paramilitärischen Einheiten und von Siedlern in Queensland.

Doch nicht nur gegen die Aborigines richtete sich der Hass der Weißen. Unter der Parole der Schaffung eines “weißen Australiens“ bot besonders die größte ethnische Gruppe, nämlich auch die Chinesen sind ein beliebtes Aggressionsziel. Die geplante gesetzliche Gleichstellung der Chinesen fand die ungeteilte Ablehnung der Siedler, Miner und des Militärs. Wie passend gelangte da 1861 ins Goldfeld von Lambing Flat die Nachricht, dass 1500 Chinesen zur Goldsuche in Sydney gelandet seien. Spontane Protestaktionen und Rufe, wie „Roll up! Roll up! (Hereinspaziert!) No Chinese! Down with the Chinese!“ ertönten. Tausende Männer überfielen das chinesische Lager, schlugen oder vertrieben die Chinesen, plünderten die Zelte und verbrannten sie dann. Die herbeigerufenen Truppen kamen zu spät. Es wurden zwar einige Männer verhaftet, doch die aufgebrachte Menge droht das Gefängnis zu stürmen. Also wurden alle, bis auf drei Rädelsführer, wieder frei gelassen. Angeklagt hat man schließlich nur einen. Die Reaktion der Regierung auf diese Revolte? Man erließ den „Chinese Immigration Restriction Act“ zur Beschränkung der Einwanderung von Chinesen. Außerdem war der Aufruhr die Begründung für die Schaffung einer „weißen australischen“ Polizei.

Die Rassentrennung wurde zementiert und fand auch 1901 bei der Gründung des australischen Staates in der Verfassung ihren Niederschlag. In den 128 Paragraphen erscheint der Name der Ureinwohner nur zwei Mal. In § 51,26 steht, dass für die Aborigines besondere Gesetze gemacht werden müssen. Und in § 127 wird festgelegt, die Aborigines bei Volkszählungen nicht mitzuzählen. Durch die Verfassung erhielten die Länder Gesetzeshoheit über die Ureinwohner, die seit 1902 auch vom Wahlrecht ausgeschlossen waren. Es dauerte bis 1967 um das Wahlrecht im eigentlich eigenen Land zu erhalten. So waren bis 1911 dann auch die Unterbringung und Beaufsichtigung der Ureinwohner in Reservaten oder Missionen in den einzelnen Ländern geregelt. Trotzdem unterblieben die Jagden auf diese Menschen nicht. Als 1926 in den Kimberleys mehr als 30 Aborigines bei einer Polizeiaktion getötet werden, erhebt ein Missionar öffentlich Anklage. Doch die Polizisten werden frei gesprochen. 1928 ermorden Weiße in der Gegend von Alice Springs über 100 Aborigines. Der Anführer Murray wird von der Anklage der vorsätzlichen Tötung frei gesprochen und von der Presse in Sydney sogar als Held gefeiert.

Das muss man wissen, wenn angetrunkene oder scheinbar ratlose Ureinwohner in den Städten herumlungern.
Wie sagten die australischen Parlamentarier am 26. Mai 1998? „We had no rights!” Wir hatten dazu nicht das Recht! Schöne Feststellung nach 210 Jahren. Aber leider 210 Jahre zu spät! Aber das australische Parlament hatte ja immerhin 1991 die RECONCILATION, die Wiedergutmachung beschlossen.
Und dazwischen?

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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