Massaker von Myall Creek

Ein unrühmlicher Meilenstein in der Geschichte der britischen Rassenpolitik bleibt das Massaker von Myall Creek im Norden von NSW im Jahre 1838. In der Nähe einer Schäferhütte, deren Aufseher abwesend war, lagerte eine Gruppe Aborigines. Alte Männer, Frauen und Kinder. Sie wurden von einem Kommando Bewaffneter „festgenommen“. Ehemalige Verurteilte, zur Landarbeit abgestellte Strafgefangene, sogar der Spross einer Landbesitzerfamilie überredeten den verbliebenen Schäfer zu verschwinden. 

Die „Gefangenen“ wurden mit einem Seil gefesselt. Vier oder fünf sofort erschossen oder mit einem Säbel enthauptet. Die restlichen 28 Ureinwohner führte das „Rollkommando“ zum Flussufer. Dort verbrannten diese Unmenschen ihre „Gefangenen“ lebendig. Am nächsten Tag suchte man die 10 oder 12 Geflohenen im Busch. Reiter schwärmten aus. Niemals ist das Schicksal dieser Verfolgten geklärt worden. Keiner tauchte wieder auf. Als der Aufseher zurück kam und die verbrannten menschlichen Überreste sah, rief er sofort nach der Polizei. Zunächst versuchte der Polizeichef Major Nunn, der für seine blutigen Jagden auf die Aborigines berüchtigt war, den Vorfall zu vertuschen. Aber sogar London war entsetzt über diese Untat und bedrängte den damaligen Gouverneur Gipps zur Strafverfolgung. Die abgestellten Sträflinge wurden arretiert. Andere Weiße versteckten sich auf den Besitzungen ihrer Familien. Trotzdem wurde allen der Prozess gemacht. Die Weißen versuchten erst gar nicht, ihre Handlung zu bestreiten. 

Aber das Argument der angeblichen Bedrohung durch die Aborigines glaubte im Gerichtsgebäude von Sydney niemand. Die Jury befand alle Angeklagten schuldig des Mordes in wenigstens neun Fällen. Noch vor dem Urteilsspruch durch den Richter verzettelten die Anwälte den Prozess mit der Argumentation des Selbstschutzes, der fraglichen Opferidentität, des fehlen von Zeugen über die wahren Abläufe. Mit der Folge, dass alle dann doch noch frei gesprochen wurden. War das ein Jubel bei der Sydneyer Presse und den Grundbesitzern in NSW. Dieses Urteil hätte die Ureinwohner endgültig zum schutzlosen Freiwild erklärt. Aber der Staat ordnete ein erneutes Gerichtsverfahren an. Diesmal nur gegen sieben der beteiligten Täter. Mit dem Vorwurf des Mordes an Frauen und Kindern. Hier passte die Rechtfertigung des Selbstschutzes wirklich nicht. Alle sieben Angeklagten wurde zum Tode verurteilt und, nach abgelehntem Gnadengesuch an das Oberste Gericht, gehängt. 

Von diesem Tag an war Selbstjustiz in Australien nicht mehr eine vor Gericht anerkannte Rechtfertigung für Tötung. Die Polizei, deren fragwürdige Haltung bei der Rechtsverfolgung allgemein bekannt war, wurde aber nicht angeklagt. Die Schaffung einer „Eingeborenen- Polizei“ mit dem Auftrag, jede Zusammenrottung der Aborigines zu verhindern, war damals quasi eine solche Lizenz zum Töten. So erklären sich die nicht bestraften Übergriffe 1840 in Victoria, wo sesshafte Aborigines aus ihren Hütten, die man anschließend abfackelte, vertrieben, gejagt und getötet wurden. Etwa 30 Hütten zerstörte das Feuer. Auch nicht geahndet wurden die Übergriffe 1857 in Maryborough, Queensland. Seit 1840 schwelte in dieser Region ein offener Konflikt zwischen Siedlern und Ureinwohnern. 

In dem Goldgräbergebiet wurden viele Aborigines alkohol- oder opiumsüchtig. Es mehrten sich bei ihnen Infektions- und Geschlechtskrankheiten. Unter Missachtung bestehender Gesetze vertrieben die Weißen die sesshaften Aborigines von ihrem Land. Wie ein Hohn klingen da die Gedichte von Theodor Müller, dem deutschen Dichter Victorias, der von 1857 bis 1861 in der Goldfeldstadt Maryborough lebte. „Und Frieden, Frieden allerwärts!“

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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