Cunnamulla nach Bourke

Von Cunnamulla in Queensland nach Bourke in New South Wales


Der Bericht folgt nahtlos dem Ende der Geschichte „Durch das Outback von Queensland“ in www.australien-reporter.de .
Nämlich ab Cunnamulla, der letzten Station in Queensland. Von dort ging es wieder 260 Kilometer Outback nach Süden. Erneut sind uns auf der Strecke nur acht Fahrzeuge begegnet. Und auf der Strasse lagen ziemlich viele Kadaver von toten Kängurus. In NSW und in WA haben wir immer wieder Streckendienste gesehen, die die toten Tiere einsammelten. Das scheint im Outback von Queensland nicht üblich zu sein. Und wir resümierten, dass es richtig war, den Matilda Hwy zu verlassen. Welch tolle Eindrücke hätten wir ansonsten verpasst. Und dafür nur Einöde, Sand und Hitze eingetauscht. Nach 118 Kilometern überfahren wir bei Barrington die Grenze nach NSW. Es ist die erste Ortsdurchfahrt seit Cunnamulla. Die Entfernungsangaben aller 5 bis 10 Kilometer auf dem Hwy gibt es in NSW endlich wieder.

Outback bei Bourke - Blauer Himmel und Outback RoadNach der Fahrt durch das große und einheitliche NICHTS genießen wir die zunehmende Begrünung und die vereinzelten Bäume als erste Oasenvorzeichen. Die Hitze ist schon in den frühen Morgenstunden groß. Und auf der schnurgeraden Straße spielt uns die erhitze Luft über dem Asphalt manche Fata Morgana vor. Natürlich wissen wir, dass ganz da vorn keine Wasserfläche kommt. Lustig ist die Beobachtung eines entgegenkommenden Autos. Zunächst sieht man nur einen Strich auf der Straße. Der Strich wird mit der Zeit breiter und sieht aus wie ein sehr schmaler Kleinbus, der außerdem noch auf unserer Fahrbahn zu fahren scheint. Immer mächtiger, höher und breiter wird der „Kleinbus“, bis man einen riesigen Truck mit zwei Hängern erkennt, der mit höchstem Speed an uns vorbei jagt. Nochmals 133 Kilometer. Da kommt auch schon Bourke. In einer Gegend, wo der Begriff „Flach, Flacher, Bourke“ angebracht scheint. Über drei Tausend Menschen leben hier.

Aber Bourke ist Kult! Eine Ikone. Zumindest seit Henry Lawson nach seinem Besuch in Bourke 1893 postulierte „Wenn Du Bourke kennst, dann kennst Du Australia!“ Er meinte damit das in seinem Augen „wahre Australien“. Hinter den Stadtgrenzen der Küstenstädte liegend.
Vielfältig sind die Bezeichnungen gerade für diese Stadt, wo nach Meinung der Sydneysider das Niemandsland beginnt:
„Mitten im Nirgendwo, hinterm Mond, am Ende der Welt, tiefste Provinz, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen; Outback, Black Stump (schwer beschreibbarer, weit außerhalb liegender Platz, dort wo tiefste Provinz beginnt) oder auch „The middle of nowhere backblocks (Mitte von Nirgendwo, vom Busch, von einem abgelegenen Gebiet fern der Zivilisation)“.

Die Stadt bekam ziemlich schnell eine strategische Bedeutung für Reisen nach dem Westen. 1829 erforschten Sturt und Hume das Gebiet, schon 1859 siedelte hier Vincent Dowling und nannte sein Anwesen „Fort Bourke Station“.1862 wurde eine Stadt gegründet, die bald das Zentrum eines großen landwirtschaftlichen Anbaugebietes wurde und ab 1878 als Kommunalbehörde fungierte. Dazu kamen noch der Wolle- und Baumwolleexport über Wasser, Schiene oder Strasse. Gezogen von Kamelen, Pferden oder Bullen rollten die großen Wollballenwagen in die Stadt. Wolle aus Bourke wurde bis nach London exportiert. Am Hafen des Darling River legten Raddampfer an, die die Waren bis zur Küste Südaustraliens transportierten. Schon 1853 entstand die Brücke über den Fluss. Cobb & Co brachte die Post, beförderte Passagiere, 1885 wurde die Eisenbahnstrecke eröffnet. Aber mit dem Straßenbau, der die Anfahrt der Trucks ermöglichte, verlor der Hafen an Bedeutung.

Um 1890 bis 1910 lag die Blütezeit der Stadt. Und ich kann die überheblich abwertende Meinung der Sydneysider nicht verstehen. Durch die Vorurteile hatten wir ein trostloses Outback Nest erwartet. Und dann das. Eine wirklich schöne Stadt in der „Wüste“. Gepflegte koloniale Gebäude, ein farbiges Stadtzentrum in der Mitte einer weitflächig angelegten Stadt. Die 3,5 Tausend Einwohner leben nicht schlecht. Und sie genießen den Ruf „Back of Bourke“. Für die Outback Fans beginnt Australien sowieso erst 800 Kilometer (a very long way away) nordwestlich von Sydney. Hier, wo es keine asphaltierten Straßen mehr gibt, wo man über Sandpisten nach Wilcannia, nach Hungerford oder Tibooburra fährt. Strecken, die das Outback ebenso erleben lassen, wie auf dem Gunbarrel Highway von Wiluna durch die Gibson Wüste nach Uluru.

Bourke ist ein spezieller Platz in der Geschichte Australiens und seiner Folklore. Und die 1920 in großer Zahl hier lebenden Kameltreiber mit ihren Tieren gehören natürlich dazu. Der Ort liegt 110 Meter über den Meeresspiegel und erwartet jährlich 330 mm Regen. Durch den Fluss und die Lage im Territorium gelangt ein großer Teil der Niederschläge nach Bourke. So gehören die jährlichen Hochwasser schon mit zu den Normalitäten.

Bei der Ortzufahrt vom Norden weist sich Bourke als eine „50 Km Town“ aus. Das bedeutet jedoch keine Geschwindigkeitsbegrenzung sonder erzählt von der Größe der Stadt, weil ziemlich entfernt liegende kleine Ansiedlungen eingemeindet sind. Bald überqueren wir den Darling River über eine Hochstraße und die Brücke. Diese hohe und weitflächige Anlage lässt die Wassermassen bei Hochwasser ahnen. Die North Bourke Bridge von 1883 ist noch zu sehen. Und von dort besteht die Möglichkeit zu einem Picknick oder zur Nutzung der Bootsrampe. Bei Trockenheit kann man auf dem „Maritime Trail“ durch das Reserveland spazieren.

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