Australische Migration

In der Kintore Avenue wurde 1986 eines der interessantesten Museen Australiens eröffnet, das über das Schicksal der Armen und Heimatlosen erzählt, die einst ein neues Leben in Australien suchten. Das Museum steht auf historischem Boden. Hier bauten sich Einwanderer 1840 ihre ersten Hütten, aus denen später Häuser wurden. Heute ist diese North Terrace eine verkehrsmäßig stark frequentiert Großstadtstrasse.

Allein zwischen 1815 bis 1930 verließen 52 Millionen Menschen ihre Heimatländer in Europa. 36,2 Millionen suchten ihr Glück in Amerika. Nur 3,5 Millionen kamen nach Australien. Und davon wenige auch nach Südaustralien. Das war die Zeit, wo Australien weltweit, besonders ab 1851, richtig „Reklame“ machte, um Menschen für eine Übersiedlung zu begeistern. Sogar freie Überfahrt wurde in den Anzeigen der Londoner Zeitungen geboten. Zunehmend sprach sich in Großbritannien die günstige Möglichkeit der Sesshaftigkeit in Süd Australien herum. Und es waren überwiegend Engländer, die hierher kamen. Nicht zuletzt deshalb, weil South Australia seit 1834 zur Krone gehörte. Die damalige Besorgnis vieler Aussies, nunmehr drohe der Verlust der Unabhängigkeit, vertiefte sich, als die South Australia Company, ein englisches Unternehmen, ab 1835 begann, verstärkt Land aufzukaufen. Die Company tat das, um mit freien Siedlern hier „Modellkolonien“ aufzubauen. Anders als die Sträflingskolonie Sydney. Schnell gab es in SA eine gewählte Selbstverwaltung. Die freie Wahl der Kirche, Schutz vor Gewalt, freier Handel und sogar die Möglichkeit wieder auszuwandern wurden festgeschrieben. Trotzdem blieb SA eine Kolonie, kein souveränes Land. Und die Kolonie hatte 1851 mit nur 63.700 Bewohnern eine zu geringe Einwohnerschaft. Die Enttäuschung vieler Zuwanderer im neuen Land und der ausbleibende Gewinn führten zu einer zunehmenden Beschäftigung von maßlos unterbezahlten Ureinwohnern auf den Ländereien. Und zum Missbrauch des Glaubens, der wieder mal die Argumente für die Schwächung der Rechte der Aborigines und ihre Abhängigkeit von den Weißen liefern musste. Wer auf Plantagen und Stationen arbeitete, fleißig zur Kirche ging, bekam deutlich mehr zu essen als die anderen. So schufen die „Unterdrücker“ ihre Zielgruppe, auf die man sich beschränkte.

„Lost much and gained little! “ So lautete der gängige Slogan der Aborigines. Es stimmte schon. Man verlor viel, für wenig Gewinn. Aber keiner konnte sich dagegen wehren.

Unter den Zugewanderten waren natürlich auch Deutsche. 40 deutsche Experten hatte die Company noch 1836/37 angestellt. Unter ihnen Johann Menge, einen Geologen, der 1852 eine Gruppe von Australiern in die Goldfelder Victorias führen sollte.
Und schon 1838 kamen 486 Lutheranern unter der Leitung des Pastors Ludwig Kavel, die ins Barrosa Tal zogen. Eine zweite Gruppe folgte 1841. Christen aus Preußen, die sich gegen die immense Einflussnahme des Staates auf die Glaubensausübung wehrten, gegen die preußische Kirchenpolitik protestierten und allerlei Repressalien ausgesetzt waren. In Süd Australien versprach die Kolonie den Siedlern Religionsfreiheit. Eine Zusage, an die sich die Verwaltung immer gehalten hat.

Die Jesuiten Niederlassung in Sevenhill, eine katholische Mission, die Priester ausbildete, ging auf Initiative des Schlesiers Weikert und des Österreichers Kranewitter zurück. 1841 lebten unter den 14 Tausend Einwohnern in Süd Australien 1800 Deutsche, die Weinanbau, Landwirtschaft, aber auch Traditionen, wie Schützenvereine mitbrachten. Der Verein in Hahndorf schießt noch heute nach den alten deutschen Regeln.

Das Leben in SA plätscherte gemächlich, wie bei den Südstaatlern in Amerika, vor sich hin. Rosenzucht, Clubleben und gegründete Vereine bestimmten das gesellschaftliche Miteinander. Mischehen zwischen Christen und Moslem waren nicht ungewöhnlich, wurden akzeptiert und gingen gut. Die Rolle der Frau in SA war wichtig. Trotz sechs oder mehr Kinder arbeiteten sie schwer und erfolgreich mit bei der Sicherung des Lebensunterhaltes. Die Frauen hatten Wahlrecht. Und ein Slogan von 1852 drückte die scheinbaren Regeln des Lebens untereinander aus:

Das ist ein freies Land! Du bist zu nichts mehr verpflichtet, als deinen Hut vor deinem Master zu ziehen und dich an den Tisch zu setzen.

Aber Adelaide war eine echte Bastion der Puritaner. Es gab fast ebenso viele Kirchen wie Pubs. Und die Kneipen mussten 18.00 Uhr schließen. Die Beschäftigung von Kellnerinnen war verboten. Sünde! Buchmacher und Lotterien waren Teufelswerk. Der Name „Stadt der Kirchen“ ging ja noch. Aber „Stadt der Moralapostel“ geißelte doch die überaus konservative Haltung sehr.
Alles wäre wohl noch Jahre so weiter gegangen, hätte nicht der 1. Weltkrieg auch Australien einbezogen und so einen landesinternen Konflikt ausgelöst, da die meisten der Adelaider überwiegend Britisch dachten und fühlten.

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