Historie Westaustraliens

Die Briten annektieren die Westküste Australiens

Es war am 12. August 1829, am Geburtstag des Königs. Von Garden Island startete eine Gruppe Siedler, Beamte, Soldaten. Mit Booten befuhren sie den Mündungsarm des Swan River. Nach ungefähr 18 Kilometer Strom aufwärts legte man an, ging noch einige hundert Meter landeinwärts. Auf einer Tafel auf dem Fußweg in der Barrack Street/ Ecke Town Hall steht, wie die spätere Hauptstadt von WA gegründet wurde. Mrs Helen Dance, die Ehefrau des Captain der HMS Sulphur, führte in Vertretung der Ehefrau von Gouverneur Stirling einen symbolischen Schlag mit einer Axt gegen einen Gum Tree und markierte so die Stadtgründung. Unter Abfeuern mehrerer Muske-tensalven trank man Sekt, hielt Reden, brachte das obligatorische „Three cheers“ auf den König aus. Es ist unklar, wer folgende Worte sprach. Aber sie wurden historisch: „A Gum Tree is cut down and a city is born! (Ein Baum wurde gefällt und eine Stadt wurde geboren)“. Trotz dieser symbolischen Worte halte ich die obige Darstellung für historisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine britische Lady einen Baum fällen würde.

Immer noch hielt sich im Mutterland die Expertise von William Dampier (1688), dass diese Gegend „der unfruchtbarste Fleck auf diesem Globus“ sei, für Besiedlung ungeeignet. Dem wollte eine Gruppe privater Investoren mit der Stadtgründung widersprechen und ein Signal für weitere Zuwanderer geben. Es würde mich nicht wundern, wenn es Stirling selbst war, der sich solche Gelegenheiten nie entgehen ließ. Er war mit 300 Siedlern am 30. Mai 1829 hier angekommen. Stirling kannte diese Gegend und er-kannte bei einem Besuch 1827 bereits, dass hier beste Voraussetzungen zum Siedeln bestehen. Also kar-tographierte er diesen Teil der Westküste und die Meeresstrasse. Es bestand für die Krone eine latente Gefahr. Die Insel Garden Island wurde von den Franzosen beansprucht, die sie Isle Buache nannten. Im April 1829 erreichte Captain Fremantle die Region. Er stellte fest, dass vom Festland keinerlei französische Flagge auf Garden Island zu sehen war, machte dies aktenkundig und hisste auf der Insel, weithin sichtbar, den Union Jack. Gleichzeitig erklärte er „alle jene Teile von Neu Holland, die das Territorium von NSW noch nicht einschloss, zum Besitz von König George IV. Zu britischem Hoheitsgebiet.“ Folglich taufte er Neu Holland um auf King George IV. Land. Bei der St. Patricks Church in Fremantle steht der alte „Proclamation Tree“ noch heute. Und es gibt seit dieser Zeit den Slogan „Als die Franzosen begannen, Australien zu erforschen, kamen die Engländer, um es zu annektieren!“. 

Fremantle blieb keine Zeit. 25 seiner Männer errichteten auf Garden Island Zelte und erschlossen eine Quelle für Trinkwasser, der Boden wurde umgegraben, um mitgebrachte Weinreben zu pflanzen. In Erwartung der Siedler begann er schon mit der Besiedlung. Jedes Jahr am 1. Juni feiern die Perther den Foundation (Gründungs)- Tag. Das ist eigentlich nicht richtig. An diesem Tag 1829 wurden die Siedler, ihr Habe und das mitgebrachte Vieh von dem Schiff Parmelia, das stark Havarie gefährdet war, gerettet. Aus Eigensinn hatte Stirling die Warnungen von Fremantle über die Untiefen in der Cockburn Meeresstrasse nicht beachtet. Nach 18 Stunden waren alle gerettet und auch das Schiff nicht gesunken. Eigentlich korrekt hat die Besiedlung erst am 6. Juni begonnen, als die Siedler dann auf Garden Island, gegen den erneuten Rat von Fremantle, der aber trotzdem 30 seiner Leute zur Hilfe schickte, die ersten Häuser, eine Strasse, einen Brunnen errichteten. Am 17. Juni wählten die Beamten und Kolonisten den ehrgeizigen James Stirling zum ersten Gouverneur. Trotzdem gab es zwischen ihm und Fremantle keinen Streit. Die Gefahr für die Krone hatte Vorrang! Man musste etwas tun, Siedlungen gründen, um die Landübernahme durch die Franzosen zu verhindern. Dieses nunmehr gegründete Perth war anfangs klein. Und es ist nicht die erste Stadt in WA. Albany besteht zum Leidwesen vieler Perther schon seit 1826. Wer mehr wissen will über die Inbesitznahme des Landes durch die Engländer, kann dies im Kapitel über den Südwesten Australiens nachlesen. Doch zurück zu Perth. 1858 besaß die Stadt man gerade 3000 Einwohner. 

Der Bau der Telegrafenleitung von Adelaide nach Perth zündete ein nicht mehr aufzuhaltendes Wachstum. Schon um die Jahrhundertwende lebten über 30 Tausend Menschen in Perth. Noch heute betonen die Perther bei jeder Gelegenheit, dass ihre Stadt die einzige der australischen Millionenstädte ist, die von freien Siedlern gegründet wurde. Nicht vom Militär und auch nicht wegen der Sträflingsunterbringung. In Würdigung von Captain Fremantle nannten die Stadtväter den eigentlichen Überseehafen am Ozean nach ihm. Für Perth gibt es viele Bezeichnungen. Die „freundlichste oder die isoliertest oder die abgeschiedenste oder die einsamste Stadt“. Besser gefällt mir die Bezeichnung des amerikanischen Astronauten John Glenn, der 1962 bei seiner Erdballumrundung das zu diesem Zeitpunkt hell erleuchtete Perth zur „Stadt des Lichtes“ kürte. Auch „Gartenparadies“ oder „sonnigste Großstadt der Welt“ passen gut. Den offiziellen Namen Perth gibt es erst seit 1856. Vorher bezeichnete die Siedler die Stadt als „Swan River Settlement“.
Viele Asiaten sind in der Stadt zu sehen. Das ist nicht verwunderlich. Liegt doch Asien näher als irgendeine andere australische Großstadt. Nach Adelaide sind es „bloß“ 2800 Kilometer. Die Perther wären keine Australier, würden sie sich nicht an dem Wettbewerb der Rekorde beteiligen. Gern zeigen sie den Europäern ein Bild von West Australia, in das europäische und andere Staaten eingezeichnet sind.

Noch eine historische Ergänzung.
Rottnest Island, das die Perther nur „Rotto“, nennen, wurde 1696 vom Holländer de Vlamingh entdeckte, der die über zehntausend kleinen Beuteltiere, die Quokkas, für Ratten hielt. Er fing sich drei schwarze Schwäne und reiste weiter. Und so blieb Neu Holland eine Utopie. Heute ist die beliebte Ausflugs-Insel eine autofreie Enklave. Fahrräder, Barfüßler, Biergärten, Traumstrände, lauschige Plätze. Es ist alles da. Ein Glück, dass die zoologischen Kenntnisse des Holländers so simpel waren. Der von ihm gegebene Name blieb. Ungern erinnert man sich an die Grau-samkeiten auf der Insel zwischen 1838 und 1903. Hier stand das größte Aborigines Straflager in Australien
Dieter Tischendorf aus
„Und immer weiter zur Sonne“

@ 01.06.2010

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