Oodnadatta Track 1

Oodnadatta Track Oodnadatta Track
Es war soweit. Der zweite ersehnte Höhepunkt unserer diesjährigen Tour startet. Wir befuhren den Oodnadatta Track. Viel Gutes und auch deprimierendes hatten wir gehört und gelesen. Aber schon beim Schreiben der Geschichte über „The Ghan“ war ich sicher, um glaubwürdig zu sein, muß ich diesen Track fahren, will ich selbst die Schwierigkeiten, Härten. Entbehrungen der OTL Erbauer, der Gleisarbeiter und er wenigen Siedler vor Ort nachvollziehen.

Ein sonniger Morgen., ungetrübter blauer Himmel. Gleich am Start machte ich ein Photo von der Sand- und Geröll Piste. Auch um vergleichen zu können, wie sich dann im tiefen Outback die Gegend verändern würde.

So jetzt fahren wir auf einer Strasse, die nur eine ist, weil viele Fahrzeuge ihre Spuren in den Sand geprägt haben in das eigentlich tiefste Outback. Ein eigenartiges und gleichzeitig beglückendes Gefühl. Bis zum Horizont eine Ebene, die sicherlich von dort dann weiter genauso aussehen wird. Die einzige Pflanze, die hier wächst, ist der Emubusch. Ein Gestrüpp, das mit Hitze und Dürre klar kommt und sich mit 300 mm Nieder-schlag im Jahr begnügt. Die Früchte des Busches werden von den Emus gern gegessen. Die Samen, enthalten in den Früchten, keimen nach Passieren des Magen Darmbereiches der Tiere Deshalb der Name. Auch die Ureinwohner nutzten die Früchte zur Nahrung und als Medizin. Im Botanischen Garten in Port Augusta. Ließ sich dieser herrlich blühende Busch gern ablichten.
Nach 15 Kilometern ähnelt die Landschaft immer mehr der am Uluru. Auch einige Gidgee sind immer wieder zu sehen. Diese Akazien, die auch „stinking wattle (scheußliches Flechtwerk)“ genannt werden, sind immer ein Hinweis, dass hier ab und zu ein Wasserlauf ist. Und da kommt auch schon in der Einöde der Trockenheit, umsäumt von stachligen Büschen nach 35 Kilometer ein kleiner See. Das sind die Überraschungen, die das Outback für seine Besucher hat. Unser Informationsheft empfahl eine kurze Rast am Murdarinna Waterhole. Es gibt mehrere solcher Wasserlöcher im Outback. Man kann sie sogar auf Satellitenaufnahmen sehen. Der Track liegt am südwestlichen Ende des Great Artesian Basin. Das erklärt die Wasserlöcher entlang der Piste.

Das Murdarinna Wasserloch zeigt die Rest des ehemaligen Damms „Turkey nest“, den Siedler hier errichtet hatten. Noch heute wachsen hier Weinreben, wilde Tomaten und einige Buschblüten. Salzbüsche gibt es, Mulgas, die wie Kiefern aussehen. Das Wasserloch liegt geographisch günstig, weil das Regenwasser der Umgebung hier landet. Als wir ankamen begrüßte uns lediglich ein trockener kleiner See mit ein wenig Restwasser. Wir wissen, dass wir uns einer großen Rinderfarm, der Todmordem Station nähern. Doch irgendwie bleibt die Frage, wovon sich das Viel in dieser tristen, kaum bewachsenen Gegend aus Sand und Geröll ernähren soll. Beim Hinweisschild der Station, das die Rinder frei herumlaufen und man vorsichtig fahren möge, imponieren besonders glänzende Steine das Umfeld.


Todmordem Station Ich hoffe, dass man das Glitzern auf der Aufnahme erkennen kann.
Wir fahren durch das trockene Flussbett des Kathleen Creek und erreichen bald den Sandweg, der zur Todmordem Station führt. Trotz der Bemühungen der Touristikindustrie, auf das Wachsen von Eukalyptus- und Aprikosenbäumen, auf verschiedene Buscharten und das für die Rinderzucht so wichtige Mitchel Gras hinzuweisen, es bleibt eine öde und einsame Gegend. Das eben ist ja der Grund, warum Outback Freunde, nachdem der Stuart Hwy eine Asphaltdecke erhielt, dankbar für diese erhaltene urwüchsige Strecke sind.
Zur Todmordem Station gibt es übrigens mehrere Abzweige vom Track. Sie liegt je nach Abfahrtsstelle 9 oder 14 Kilometer nördlich.

Die Entfernung zwischen Marla und Oodnadatta beträgt 210 Kilometer. Ungefähr in der Mitte zwischen den Orten nimmt der Sand, der rote Sand, massiv auf dem Track und in der Umgebung zu. Es sind sogar Sanddünen entstanden. Die Flachheit des Geländes, die in Jahrmillionen entstandene weit verbreitete Sedimentablagerungen, die Hitze und das extreme, weitflächig bestehende Klima haben schon vor 200 Tausend Jahren zur Bildung der Sanddünen geführt. Interessant ist, dass die nicht eine durchweg eine rote Farbe haben. Bräunliches Rosa oder Ziegelstein Rot, aber auch gelbbraun oder graubraun hellen die Sanddünen im Gebiete um den Lake Eyre deutlich auf. Experten können aus der Farbe des Sandes, der Eyre’s Creek und am Goyder’s Lagoon deutlich anders gefärbt ist, bestimmen, von welcher Gegend Tracks der Sand stammt. Die Dauer der Sonnenaussetzung, die Freisetzung des Eisenoxids, die Menge der kleinen Lehmbestandteile, das alles beeinflusst die Farbe.


Angle Pole WaterholeKurz vor Oodnadatta sehen wir ein Holzgerüst. Eine Gedenkstätte die „The Angle Pole“ genannt wird. Als John Forest 1874 auf seiner Tour von Geraldton hier durchkam, gedachte er der geographisch so wichtigen Stelle für die Telegraphenverbindung von Süd nach Nord, die 7 Km nördlich von Oodnadatta lag. Er campierte am dort am Large Box Tree und verbrannte einen Baum. 

Den verkohlten Stamm nannte er „Monument of the Angle Pole Waterhole“. Ein Gedenkstein zeigt, wie zwei Arbeiter den wichtigen Eckleitungsmast für die Kabelverbindung einsetzten. Das weiß rosa Schild ist ein bemerkenswerter Service von Lynnie und Adam Plate, den Besitzern des Pink Roadhouse Oodnadatta. Bis fast vor Marree werden uns die rosa Tafeln immer wieder Erläuterungen zur Geschichte des Tracks geben. Und wir werden immer daran denken, dass an diesem Memorial die mit Abstand fliegenreichste Gegend am Oodnadatta Track war.

Hier sind wir jetzt in dem Gebiete, das auf der Route von Stuart
liegt, der 1859 hier war. Seine Landerkundungen waren die Vorraussetzungen für den Bau der OTL und von dem Gleisbett für „The Ghan“. Diese legendäre Trasse werden wir nun bis Port Augusta begleiten. Und schon hier sind die ersten Reste der einstigen Eisenbahnlinie zu sehen.


Mit dem Erreichen von Oodnadatta hatten wir die ersten 212 Kilometer auf der „Wellblech Piste“ absolviert. Unterwegs war uns aufgefallen, dass ein ständiger Staubgeruch im Auto war. Das besserte sich, als ich Klimaanlage und dann auch die Lüftung abstellte. Aber man hatte auch den Eindruck, dass überall ein feiner Staubüberzug sich ausbreitete.
Oodnadatta ist ein typisches und für mich eher deprimierendes als romantisches Outbacknest am Neales River. Der Name Pisteleitet sich vom Aboriginal Wort “udnadata” her und bedeutet "Blüte der Mulga". Wir waren enttäuscht vom Ort, der die Verlorenheit der bisherigen Strecke widerspiegelte und eigentlich keine Ähnlichkeit zur einer Mulga Blüte erkennen ließ.. Einziger Lichtblick im Ort das Pink Roadhouse.

Aber Oodnadatta erlebte auch große Zeiten. Der Ort wurde am 30. Oktober 1890 zur Government Township ernannt. Vielleicht auch deshalb, weil hier die Telegrafenlinie lang ging. Oder weil schon am 7. Januar 1891 die Eisenbahnlinie von Warrina kommend den Ort erreichte? Nicht zuletzt verfügte der Ort wegen des artesischen Beckens über ausreichendes und gutes Wasser. Das verbesserte sich noch, als man 1993 in rund 430 Meter Tiefe einen Brunnen fand, der täglich 260 Tausend Gallonen Wasser lieferte.  So wurde die Stadt zu einem bedeutenden Eisenbahnzentrum für den Norden. 1891 lebten immerhin in den 50 Wohnhäusern 162 Personen im Ort. Ziegen waren die beliebtesten Haustiere. Auch Chinesen fanden den Weg nach hier. Viel wird noch heute von den blühenden Gärten des Mr. Ned Chong erzählt. Eine grüne Oase im wirklichen Never Never Land!
Unglaublich!

Die Chinesen waren die Initiatoren für den Handel, der damals noch über Kamelkarawanen erfolgte. 1893 hatten über 50 Kameltreiber (Afghan) in Oodnadatta ihre Basis. Es gab zu dieser Zeit immerhin 400 Kamele im Ort, die sogar die 900 Meilen bis Newcastle Water absolvierten. Und natürlich gab es auch eine regelmäßige Karawanenverbindung nach Alice Springs. Der Zug war 1891 in Oodnadatta angekommen. Die Euphorie in SA, den Norden zu erreichen, hatte sich gelegt. Oodnadatta war für 35 Jahre „The end of the line!“
Pink Road HouseDazu kommt, dass früher der Ort eine Durchgangsstation der Rinder Routen von Charlotte Waters nach Norden und von Musgrave oder Everant Ranges nach Nord West.1911 wurde unter Schirmherrschaft von John Flynn ein Hospital eröffnet. In den Räumen befindet sich heute das „ Australian Inland Mission Hospital“. Mit der Erweiterung des Schienennetzes 1928 nach Norden verlor das Örtchen seine Sonderstellung als Eisenbahnknotenpunkt. 1980 fuhr von hier der letzte Zug.
Der Ort wurde zur Aboriginal Community erklärt und ist es heute noch. Als 1987 die australische Post eine Postverbindung zwischen Oodnadatta, Coober Pedy, Hamilton und William Creek schaffen wollte wurde eine neue Legende im Outback geschaffen. Der Postmann aus Coober Pedy  hieß Tom Cruise. Allein auf dem Weg nach Oodnadatta, eine der staubigsten Strassen Australiens, hatte er auch bei schlechtem Wetter oder Regen 30 bis 40 Flussbetten zu überwinden. Das ganze gipfelt 1950 in dem erfolgreichen Film „Back of Beyond“.
Heute ist das etwas besser. Die Post nach Birdsville wird von Marree erledigt. Und er Postbote schafft jetzt die Fahrt von Coober Pedy nach Oodnadatta und zurück an einem Tag.
Als wir so gegen 11.00 Uhr in den Ort fahren, eine Hauptstrasse, ein paar kurze Nebenstrassen, herrschte absolute Tristesse. Wir hatten im Vorfeld eine Übernachtung im Ort überleget, das es neben dem Roadhouse auch noch ein Transkontinental Hotel geben soll. Aber was wollten wir hier? Was sollten wir bis zum Abend tun, außer nach der Besichtigung des Railway Museums ins Outback zu laufen, zu fahren oder zu starren.
Also parkte ich am Pink Roadhouse, weil man dort tanken kann. Die Tanksäule funktionierte aber nicht. Aufgefallen ist mir, dass alle Leute, die zwischendurch vorbei kamen ausgesprochen freundlich waren, viel gelacht haben und grüßten. Ein Mann gab mir den Tipp, doch im General Store nachzufragen. Als ich diesen betrat hatte Lynnie Plate gerade eine Grundsatzdiskussion mit drei Eingeborenen Mädchen, die wohl nicht genügend Geld zum Erwerb der gewünschten Süßigkeiten mit hatten. Sie riet mir schnell, genervt und nebenbei, aber trotzdem freundlich, es mit Säule Nr. 3 zu versuchen, da die Säule Nr.2 manchmal Mucken hätte. Das tat ich dann auch und es klappte. Wieder im Laden, um zu bezahlen, hatte die Diskussion über die Nascherei einen Punkt erreicht, wo die Mädchen  zunächst das Lokal verließen. Lynnie schien ziemlich verärgert, und obwohl ich nur zahlen wollte, gab sie mir ungefragt den Straßenbericht bis William Creek, eine handgezeichnete Karte von der Umgebung mit Sehenswürdigkeiten und einen Zettel mit Empfehlungen für den besten Reifendruck auf sandiger Piste je Fahrzeug.
Nach dieser Tankrast fuhren wir weiter nach William Creek. Wie die gesamte Strecke bis Marree wurde auch dieser abschnitt als Wellblech Piste bezeichnet.
Aber darüber werde ich im Teil 2 der Fahrt auf dem legendären Oodnadatta Track erzählen.
Dieter Tischendorf

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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