Geschichte Tasmaniens

Prolog
Wie sehr die vielen Deutschen, die wir auf unsren Australienreisen Kennen lernten Recht hatten mit ihrer Schwärmerei, das wissen wir erst, nachdem wir Tasmanien besuchten. Und wir waren klug beraten, uns dafür über drei Wochen zeit einzuplanen.. Man will es nicht glauben. Wir sind in dieser Zeit auf der „kleinen“, nur 350 mal 350 Kilometer großen Insel zehntausend Kilometer gefahren, und haben nicht mal alles besichtigen können.
Durch die Kenntnis der klimatischen Verhältnisse in Australien, wussten wir natürlich auch von der Besonderheit Tasmaniens. Das eigentlich mediterrane Klima wird immer wieder durch die mit den „Roaring forties“ eintreffenden Regenwolken aus dem Westen gestört. Und die sicherste Reisezeit haben alle Quellen und Besucher mit Februar oder noch besser Januar angegeben. Also sind wir am 6. Januar 2006, von Qantas zu Jetstar „verschoben“, von Sydney nach Hobart geflogen. Wir wollten einen weißen Fleck auf der Karte unserer Australien Entdeckungen tilgen.

Die Entstehung von Tasmanien

Erst seit 1798 ist es gesichert: Tasmanien ist eine Insel. Die Umseglung von Australien durch Flinders und Bass begann 1798 mit der „Norfolk“ von Port Jackson aus. Nun war der Beweis erbracht, dass Australien ein Inselkontinent ist. Und auch das von Tasman beschriebene Van Diemens Land ist die größte der vor dem Kontinent liegenden Inseln. Bis dahin glaubten alle, eine Halbinsel des Terra australis (südliches Land) vor sich zu haben. So eben auch der an-geblich erste Besucher an der Küste Tasmaniens, der Hol-länder Abel Janszoon Tasman, der am 24. November 1642 hier Land sichtete. Der damalige Gouverneur der holländi-schen Ostindienkolonie Antonio van Diemen wollte das von Janszoon 1606 entdeckte und von Hartog 1616 ebenfalls beschriebene „Neu Holland“ genauer erforschen lassen. Das war der Auftrag von Abel Tasman. Die Tragik seiner Reise. Er umrundete Australien, ohne jemals Land zu sichten. Weil Tasman zunächst Afrika und erst danach Hartogs Entdeckung ansteuert, verpasst er den riesigen Inselkontinent Australien. Der Nachwelt erhält sich Tasman trotzdem, weil er nach halber Umrundung auf neues Land stößt. Tasman hat keinen Schimmer, wo er ist, hält die Küste für den Süden Neu Hollands Er schickt ein Vorauskommando an die Ufer der heutigen Blackman Bay, nahe Kingston und Hobart, lässt eine Fahne hissen und nennt die Gestade nach seinem Auftraggeber „Van Diemens Land“. Das war es dann aber auch schon. Tasman segelt weiter. Wenig später unterbricht er die blinde Zirkelfahrt erneut, als er über weiteres Land stolpert. Tasman hofft, jetzt Terra Australis gefunden zu haben, und gibt der Küste nach Janszoons Idee den Namen „Nieu Zelant“, obgleich sich Tasman laut seiner Aufzeichnungen nicht sicher ist, ob es sich bei dem Fleck nicht doch um die Westküste Chiles handelt. Aber gleichzeitig vermutete er den südlichen Zipfel des Terra australis gefunden zu haben.

Zu genaueren Erkundungen traut sich Tasman aber nicht an Land, denn die Ureinwohner, die Maoris wie wir heute wissen, haben ihn und seine Leute mit Giftpfeilen empfangen. Tasman kehrt nach Indonesien zurück und komplettierte so die Umrundung. Bis zur Umseglung Tasmaniens durch Flinders und Bass mit der „Norfolk“ wurde das Gebiet für eine Halbinsel gehalten. Und ganz so abwegig ist diese Annahme nicht. Gehört doch auch Tasmanien zu Gondwana. Und bis vor 13.000 Jahren v. Ch. Bestand sogar zwischen Australien und der heutigen Insel eine Landbrücke. Auf der gelangten vor 30 bis 40 Tausend Jahren auch die Ureinwohner, von Victoria weiter ziehend, nach dort. Und es ist durch genetische Untersuchungen gesichert, diese Einwanderungsströme kamen während der letzten Eiszeit über das heutige Neuguinea zur Cape York-Halbinsel. Und dann weiter durch einen Flusskorridor bis ins Darling-Becken und sogar in die Great Sandy Desert. Von dort aus südwärts konnte Tasmanien, damals eine Halbinsel, erreicht und ebenso wie Great Victoria Desert besiedelt werden So standen die tasmanischen Aborigines in einem engen Verwandtschaftsgrad zu den Bewohnern von Neuguinea und den Melanesiern. Victoria soll von den ersten Aborigines schon mindestens vor 30.000 Jahren erreicht worden sein. Die Funde auf Tasmanien geben Hinweise, dass es wohl schon 5.000 Jahre früher war. Mit Ende der letzten Eiszeit stiegen die Wasserpegel der Ozeane gewaltig, man spricht von bis zu 200 Meter und mehr, an. Die Landbrücke verschwand unter einer Wasserstrasse, die wir heute als Bass Strait kennen. Die somit isolierten Ureinwohner entwickelten einige Besonderheiten, die sie von den Bewohnern Australiens unterschieden. So kannten sie keine Kleidung. Sie rieben ihren Körper mit Tierfett, rotem Ocker und Holzkohle ein, was einen gewissen Schutz vor der Kälte bot, manchmal warfen sie sich auch ein Kängurufell lose über die Schulter. Auch feste Unterkünfte gab es nicht. Bei besonders schlechtem Wetter errichteten sie allenfalls Windschirme. Sie waren leidenschaftliche Jäger und ernährten sich vor allem von Kängurus. Auch die Opossums, die meist von den Frauen gefangen wurden, schmeckten ihnen. Nur Fische lehnten die Insulaner strikt ab. Wohl aber tauchten sie nach Muscheln, Krebsen und anderen Schalentieren. Auch hier zeigten die Frauen ihre Geschicklichkeit, denn viele Männer konnten nicht schwimmen und mieden das Wasser.

Die 12.000 Jahre der Isolierung führten dazu, dass diese Tasmanier weder Bumerangs, Knochennadeln, Speerschleudern und Steinäxte kannten. Auch Hunde gab es nicht. So wussten sie zum Beispiel nicht, wie man Feuer entzündet. Das Hüten der Flamme war eine wichtige und lebensnotwendige Maßnahme im Verband, Die Ureinwohner gehörten dem Toogee Volk an. Die Isolation, die geringe Population, die weit auseinander lebenden Gruppen und eine geringe Lebenserwartung sind wohl die Hauptgründe für die kulturellen Defizite zu den Ureinwohnern Südaustraliens.
Erstaunt registrierten die Europäer, dass die Ureinwohner, als man ihnen Fisch zum Essen anbot, fluchtartig den Strand verließen. Die Theorie, dass der Fisch wegen des geringen Fettgehaltes vom Speisesplan verschwand, stimmt wohl nicht. Die Ureinwohner hatten wohl leidvoll In der Vergangenheit erfahren, wie tödlich Fischgenuss ist, wenn durch Dinoflagellaten bedingte Algenblüten (red tide) in den Organismus kommen. Um weitere solcher Katastrophen zu verhindern, kann sich eine konservative Lebensweise entwickelt haben, die das Überleben der Population auf Kosten einer wertvollen Nahrungsquelle sicherte. Der Verlust von Knochennadeln zur gleichen Zeit deutet auf einen Zusammenhang beider Ereignisse hin. Wahrscheinlich konnten die Produzenten der Knochennadeln ihre Fähigkeiten nicht mehr rechtzeitig weitergeben, da sie während einer Massenvergiftung umkamen.
Eine weitere, und gar nicht so abwegige Erklärung ist, dass der Anstieg des Meeresspiegels ein Überangebot von wohlschmeckenden Abalonen (Meeresschnecken) und Langusten zur Folge hatte, die auch noch einfach zu bekommen waren. Das würde aber nicht die Furcht, mit der die Ureinwohner auf das Fischangebot reagierten, erklären.

Wie schon beim Hauptland vermuten nicht wenige Historiker, dass die Portugiesen um de Mendonca 1522 nicht nur die Südküste Australiens, sondern auch die Gestade von Tasmanien besucht haben.
Das ist überhaupt ein interessanter Kreislauf der Schicksale vieler handelnder Personen bei der Entdeckung von Australien. Der Freibeuter William Dampier landete 1688 an der Nordküste Australiens. Er hatte mit seinem Segelmacher Alexander Selkirk erhebliche Probleme und versetzte ihn auf ein anders Schiff. Auch mit dessen Kapitän vertrug sich Selkirk nicht. So dass dieser den rebellischen Segelmacher als Meuterer einfach auf einer einsamen Insel aussetzt. Nachdem Dampier von der englischen Marine finanzielle Mittel für eine weitere Expedition bekommt findet er den vier Jahre allein auf der Insel lebenden Selkirk und nimmt ihn mit nach London. Dieser lernt dort den Schriftsteller Daniel Defoe kennen, der das Leben des Selkirks in „Robinson Crusoe“ beschreibt. Dieser Roman wiederum war die Lieblingslektüre des jungen Matthew Flinders, der sich so entschloss, zur Marine zu gehen.
Bevor aber Flinders und Bass 1789 die Umseglung der Insel vornahmen, gab es nach Abel Tasman doch noch einige Seefahrer, die hier landeten.
James Cook betrat am 26. Januar 1777 auf seiner dritten und letzten Reise tasmanischen Boden. Vorher war schon ein Kapitän seiner Flotte, Tobias Furneaux, mit dem Schiff „Adventure“ in der Nähe von Bruny Island (Adventure Bay) gelandet. Durch schlechtes Wetter waren die Schiffe vorübergehend getrennt. Furneaux beschrieb die Ureineinwohner als primitive zurück gebliebene Wilde. Cook jedoch war da, wie schon 1770 in der Botany Bay, anderer Meinung. Tragisch, dass er am 14. Februar 1779 beim Streit um ein gestohlenes Beiboot in Hawaii von Eingeborenen erschlagen wurde.

Der nächste Besucher war William Bligh. Berühmt und in die Geschichte eingegangen als Kapitän der Bounty. Was viele nicht wissen, Blight war bei der dritten Reise von Cook als Navigator mit auf dem Schiff. So steuerte er 1788 auch wieder die Adventure Bay zur Proviantauffüllung an. Seinen Auftrag, Brotbäume zu den Westindischen Inseln zu bringen, konnte er wegen der Meuterei vom 28., April 1789 nicht erfüllen. Aber immerhin waren die von ihm gepflanzten Apfelbäume die Urväter der noch heute  herrlich schmeckenden Äpfel Tasmaniens. Noch einmal, nämlich 1788 betrat William Bligh Bruny Island. Auch diesmal misslang die Mission. Nur ein Brotbaum erreichte die westindischen Inseln. Eine der Mitglieder seiner Besatzung auf dieser Reise hieß Matthew Flinders.
Am 28. Februar 1789 landete John Henry Ford an der Ostküste und benannte die Oyster Bay. Der nächste Europäer war der Franzose Joseph Bruni D’Entrecasteaux, der auf der Suche nach den Schiffen von Jean François de Galaup de La Perouse war. 1792/93 erforscht er die Südküste Tasmaniens, den Derwent River und den Kanal zwischen Bruny Island und der Hauptinsel. An der Anlegestelle, dem Watering Place an der Recherche Bay, steht eine Tafel, die an die 21 Tage der Franzosen in Tasmanien erinnert. Die Besatzung fand hier alles, was man zum Leben brauchte. Die befürchteten Übergriffe der Ureinwohner blieben aus. Im Gegenteil. Am 7. Februar 1793 kam es sogar zu einem freundschaftlichen Treffen mit den Ureinwohnern. 

La Perouse war 1788 sechs Tage nach der First Fleet in Port Jackson gelandet. Er wollte weiter nach Neu Guinea, wo er nie ankam. Und auch die Mission von D’Entrecasteaux scheiterte. Offizieren und Mannschaften spalteten sich in zwei Lager. Königstreue und Republikaner. Das konnte nicht gut gehen.
Irgendwie hatten die Franzosen kein Glück im Umgang mit den Ureinwohnern Tasmanien. Da war 1792 der Franzose Captain Marc-Joseph Marion du Fresne, der als erster Europäer in kriegerische Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern Tasmanien verwickelt war. Sehr interessant liest sich der Bericht, wie am 7. Mai 1792 die Franzosen ebenfalls wie die Ureinwohner unbekleidet zur Küste ruderten. Auf du Fresne und seine Mannschaft wartete eine Gruppe „glücklicher Wilder“, die in einem Garten Eden lebten. Nach anfänglich freundlicher Begrüßung sahen die Aborigines in der Landung eines dritten Bootes eine Bedrohung. Ein Hagel von Speeren und Steinen trieb die Franzosen wieder auf die Schiffe. Nicht ohne noch vorher durch eine gezielte Salve einen Ureinwohner zu töten und mehrere andere zu verletzten.
Und auch viele Mitglieder der Schiffsbesatzung von Nicolas Baudin, dessen Namen wir bei der Erforschung der Küste Australiens immer wieder finden, wurden von den Aborigines am 14. Januar 1802 verletzt. Baudin segelte nach Sydney, um sich und seine Besatzung zu kurieren. In Weinlaune erzählte einer seiner Offiziere, dass man plane, Tasmanien für Frankreich zu annektieren. Das wollte der damalige britische Gouverneur King unter allen Umständen verhindern. Bei Vögler liest sich der weitere geschichtliche Ablauf so:

Die Tatsache, dass Tasmanien kein Teil Neuhollands war verlieh der Insel damals den Status eines Niemandslandes. King war entschlossen, den Franzosen zuvorzukommen. In einer überstürzten Aktion schickte er einen Abgesandten, Leutnant Robbins, der die Insel offiziell in den Besitz der englischen Krone bringen sollte. Sein Auftrag lautete, die Franzosen, die sich bereits auf der Heimreise befanden einzuholen und ihnen unmissverständlich klar zu machen, dass Tasmanien bereits annektiert sei. „Zum großen Vergnügen der Franzosen entledigte sich Robbins seiner Aufgabe auf eine etwas lächerliche Weise: Kaum war der kleine Schoner vor der King Insel vor Anker gegangen, landete er mit einer kleinen Gruppe seiner Leute, die sich eilenden Schrittes zu den Zelten der Franzosen begaben. Dort hissten sie die englische Flagge, feuerten einige Salven ab, schrieen dreimal Hurra und erklärten die Insel zum Besitz ihres Königs“
Belustigt waren die Franzosen über die Aktion von Robbins auch, weil sie auf einer kleinen Insel (King Island) campierten. Ob Robbins dann im Anschluss die Fahne auch noch auf dem gleich etwas südlicher gelegenen Robbins Island gehisst hat? Es ist unbekannt. Auf alle Fälle erfolgte die Annexion der großen Insel vom kleinen King Island aus.

Ob sich Baudin und Flinders schon vor 1802 trafen? Ich kann es nicht sagen. Beide aber gerieten aber 1802 an der Encounter Bay in Südaustralien, 100 Kilometer südlich von Adelaide, mächtig aneinander.
Die Bezeichnungen Cape Grim, Rocky Head, Circular Head zeigen, dass Flinders und Bass zunächst die Insel in deren nordwestlichen Bereich erreichten. Besonders belustigte Flinders Circular Head, das ihm wie ein Christmas Cake, also als ein zerklüfteter runder Klumpen, vorkam. Auf Three Hummocks Island erneuerten sie die Wasser- und Nahrungsvorräte, begannen mit einer ersten Karte der Insel und benannten die Wasserstraße zwischen Australien und der Insel Bass Strait. Immer wieder ist die Genauigkeit der damals angefertigten Karten auch in der heutigen Zeit zu bewundern.
Mit dem „Kraftakt“ von Gouverneur King war die britische Kolonialisierung eingeleitet. Risdon Cove am Derwent River hieß die erste Siedlung, die 1803 errichtet wurde. Übrigens trafen schon 1802 neun Soldaten, 24 Sträflinge und drei freie Siedler in Tasmanien ein. Diese Siedler waren abkommandierte Militärangehörige und Beamte Die Engländer nutzten zunächst alle Ansiedlungen im Van Diemens Land als Strafkolonien. Schon 1804 wurde Risdon Cove wieder aufgegeben, zugunsten von Hobart Town und George Town am Tamar River
Seit dieser Zeit kamen besonders die schwereren und renitenten Sträflinge nach Tasmanien, da die Insel durch ihre geringere Größe leichter zu überwachen war als die Kolonien des Festlands. Wer schon mal das Buch „Lebenslänglich“ von Markus Clarke gelesen hat, weiß was ich meine.
Wichtig für die Kartographie waren in damaliger Zeit auch die Beobachtungen und Aufzeichnungen von Walfänger, wie Ch. B. Hardwicke und J. Hobbs, die 1823 Berichte über ihre Untersuchungen der Küste eingereicht haben.

1825 erkläret man Van- Diemens- Land zu einer eigenständigen Kolonie. Und 1856 wollten die Briten mit der Umbenennung in Tasmanien auch den „blutigen Makel“ von der Insel waschen. Nicht nur die unmenschlichen Bedingungen für die Sträflinge, von denen viele nicht überlebten, begründeten diesen „blutigen Ruf“. Nein, auch die vielen Vernichtungsfeldzüge der Siedler, der Schafzüchter und des Militärs gegen die Aborigines fanden einen negativen Bekanntheitsgrad. Man vermutet, dass bei Beginn der Kolonisation etwa 6000 Ureinwohner auf der Insel lebten. Durch die Insellage war ihr Leben abgeschieden und isoliert. Eigentlich sollen sie friedliche Menschen gewesen sein. Die Auseinandersetzungen mit einigen der frühen Besucher könnten durchaus auf Missverständnissen beruhen. Das änderte sich aber mit der Kolonisation und mit den Niederlassungen der Walfänger an den Küsten. Für diese „Straitsmen“, die eben im Gebiet der Bass Strait als Walfänger, Seehundjäger oder als Piraten ihrem Handwerk nachgingen, waren die Frauen der Ureinwohner willkommene Sklavinnen. Das sich das die Aborigines nicht gefallen ließen ist klar. Nur was konnten sie schon groß ausrichten? Und es dauerte ja nicht lange, bis die „Eroberer“ mit Beginn der konzertierten Vernichtungszüge ein ganzes Volk im Visier hatten. Bereits 1876 waren auf Tasmanien alle Aborigines ausgerottet. Nachdem 1804 bei Risdon Cove Soldaten des 102. Regimentes ohne Grund, wahrscheinlich aus Angst, friedliche Ureinwohner erschossen, die eine Herde Kängurus vor sich hertrieben, begann eine Welle gegenseitiger unversöhnlicher Gewalt, die ihren Höhepunkt in der Operation „Black Line“ fand. 5000 Soldaten bildeten im Abstand von drei Metern nebeneinander eine Linie, um die Ureinwohner zur Forestier Halbinsel abzudrängen. Aber das misslang gründlich. In zwei Monaten fing man einen Knaben und einen verwundeten Mann. Der Missionar George Robinson „überredete“ die letzten 150 überlebenden Ureinwohner schließlich zur Umsiedlung auf die Flinderinsel. Nach 10 Jahren lebten dort noch 47, die man zurückkehren ließ in das Reservat Oyster Cove bei Hobart. Dort starb 1876 Truganini als letzte reinblütige Tasmanierin  Auch der berühmte Nordpolarforscher Sir John Franklin, der von 1836 bis 1843 Gouverneur der Insel war, hat die Welle der Gewalt gegen die Ureinwohner zumindest geduldet. Er hat auch nichts dagegen unternommen, dass bis 1853 mit Port Arthur und Macquarie Harbour zwei der schlimmsten und berüchtigtsten Gefängnisse der Welt mit allen möglichen Straftätern, eingeschlossen Kinder ab dem siebenten Lebensjahr, weiter existierten. Erst 1877 hat man Port Arthur geschlossen.
Doch schon ab 1860 begann sich das soziale Gefüge Tasmaniens zu ändern. Nur noch 2% der Bevölkerung waren Strafgefangene. Das mächtige Wachstum von Landwirtschaft, Obstanbau, Viehzucht und Wollelieferungen begründete eine Ära des Wohlstandes. Goldfunde im Osten, Eisenerze im Westen sorgten für Menschenzulauf. 1841, in der Zeit der Erzfund zählte man 51.451 Bewohner.
Mit der neuen Namensgebung erhielt Tasmanien eine eigene Verfassung und Regierung. 1901 trat Tasmanien dem Australischen Bund bei. Schon 1903 gab es in Tasmanien das Frauenwahlrecht. Und seit 1917 führt der Staat ein Wappen, verliehen von George V.


Tasmanien WappenZwei Beutelwölfe mit der typischen Streifenzeichnung halten den Schild. Sie tun das für die Leute, die sie seit 1876, ebenfalls wie die Ureinwohner, für „nicht mehr exi-stent“ betrachten. Wenigstens der Tasmanische Teufel hat überlebt. 2005 bedingte eine Viruserkrankung bei vielen Tieren den intensiven Einsatz von Tierschützern und Veterinären.
Tasmanien, oder „Tassy“ wie die Einwohner liebevoll ihre Insel nennen, ist nur 68 Tausend Km² groß. Das entspräche der Größe von Irland oder aber Bayern. Aber auf der „Grünen Insel“ leben 4,3 Millionen Menschen (61/Km²) und in Bayern 12 Millionen Einwohner (171/Km²). Da in Under Down under nur auf 478 Tausend Menschen (unter Einbeziehung der Besucher) leben, ergibt sich eine durchschnittliche „Bevölkerungsdichte“ von. 6,3 Einwohner pro Km². Das sind eben australische Dimensionen.
Der Name Under Down under entstand als Gegenpol zu dem Down under der Bewohner des Inselkontinents. Denn, so meinen die Tassies, wir leben ja viel tiefer, also schon unter dem Boden der Welt, als die da oben.

Das heutige Problem der Tassies ist die Abwanderung. Trotzdem gibt es im Vergleich zu den anderen australischen Staaten noch einen konstanten Prozentsatz von Bewohner (30%), die in kleinen Städten mit weniger als 2000 Bewohnern leben. Über die Jahre entwickelt sich eine nicht zu übersehende gewisse Bevölkerungskonzentration. In der Hobart Region wohnen über 220 Tausend Menschen, in Launceston und Umgebung rund 100 Tausend und im Devonport-Ulverstone-Burnie Gebiet 78 Tausend Tasmanier. So leben statistisch 83% der Bevölkerung in diesen drei Ballungsgebieten.
Die Insel ist mit der Fähre von Sydney oder Melbourne zu erreichen. Eine attraktive Überfahrt, die viele dem zwar schnelleren, aber auch teueren Flug vorziehen.
Jeder, der in Tasmanien war, schwärmt von der Insel. Und wenn die Reise im Januar/Februar, in der Regen ärmsten Zeit, unternommen wurde noch mehr. Tasmanien zwischen dem 40. und 44. Breitengrad liegend, hat mediterranes, also gemäßigtes Klima. Die Durchschnittstemperatur liegt im Sommer (Dezember bis Februar) bei 21 ºC, im Winter (Juni bis August) bei 12 ºC. Die jährlichen Regenfälle variieren von 2400 mm an der Westküste bis 600 mm in Hobart, das lediglich 120 km weiter östlich liegt und die zweittrockenste australische Hauptstadt ist. Die von Seeleuten gefürchteten Westwinde, die Roaring Forties, sorgen dafür, dass Tasmanien zum reinen Wasser absolut saubere Luft hat. Ein Grossteil der Insel, nämlich ein Drittel, ist Nationalpark. Insbesondere der Südwesten ist in weiten Gebieten unter Schutz gestellt. Die höchsten Berge ragen rund 1.600 m in die Höhe.
Ein erhebliches Problem, das Ranger und Naturschützer haben, entsteht, weil die Regierung jährlich 25 Km² Wald zur Abholzung frei gibt. Der Kahlschlag wird anschließend abgebrannt, um Platz für Neuanpflanzungen zu schaffen. Diese „kontrollierten Brände“ sind nicht ganz unproblematisch und bringen zusammen mit den jährlichen Waldbränden durch Hitze oder Brandstiftung ziemlich große Gebiete in Not. Den uralten Huon Kiefern schadet das Feuer übrigens nicht. Aber darüber später mehr.

In der Energiegewinnung ist Tasmanien vorbildlich. Die Wasserkraftwerke produzieren genügend Strom für Industrie und Bevölkerung. Ein weiteres. Die seit 1989 im Parlament vertretenen Grünen stoppten die weitere Industrialisierung und forcierten den Ausbau der Nationalparkprojekte. Seitdem wird die Tourismusindustrie intensiviert und erweitert.
Einen Vorgeschmack auf den Aufenthalt in Tassy gab „TV today“ im November 2005 bei der Beschreibung einer Gegend an der Ostküste nördlich von St. Helens, der „Bay of Fires“:
Bay of Fires"Stellen Sie sich einfach eine Hand voll aneinander gereihter Seychellen-Strände vor, die während der Schöpfung aus Versehen aus dem großen Kasten mit den Einzelteilen gefallen und südlich Australiens gepurzelt sind. Dann nehmen Sie den irischen Küstenwind und das Licht des amerikanischen Südwestens. Packen ein bisschen norwegische Farbpalette dazu, ein paar Sonnenuntergänge aus der Karibik, Hawaiis Wetterwechsel und vielleicht noch eine Portion isländischen Wattebauschnebel. Fertig ist die Bay of Fires in Tasmanien. Gut oder? Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie sind im Urlaub und laufen hier über den Strand, der tasmanische Wind streicht Ihnen durchs Haar, die Möwen kreischen, doch außer Ihnen ist da keine Menschenseele, niemand. N-I-E-M-A-N-D." 

So wie auf dem Bild haben wir die Bay erlebt und genossen. Wir können also obige Milieuschilderung nur bestätigen. Besser kann man es nicht beschreiben.
Zehn „Weltnatur Erbe Gebiete“ gibt es auf Tasmanien, von denen sieben mit den besten Plätzen der Welt konkurrieren können. Der Regenwald des gemäßigten Klimas spiegelt die Situation zu Zeiten Gondwanas, als vor 65 Millionen Jahren der Bruch der Antarktis erfolgte, wieder. Doch nicht nur die fossilen Funde, die unberührte Natur sind Besonderheiten. Nein! Es ist nicht ungewöhnlich in Tasmanien an einem Tag Wetter der vier Jahreszeiten, von glühender Hitze bis zum vernichtenden Regen, zu erleben.

Mehr Tasmanische Reiseberichte finden Sie in meinem neuen Projekt "The Apple Island"

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

Begleitet die OzBus Reporterin auf ihrer Tour

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