Die Artuni Story

Auch über das Leben der Ureinwohner fand ich viele interessante Hinweise. Nicht zuletzt die Geschichte, wie diese Gebirge aus Sicht des Aboriginal People entstanden sind. Seit Jahren sehen sie die Stammensgrenzen dort, wo der Busch sich beim Wachstum orange färbt. Das war nicht immer so. Die Legende berichtet, dass man einst ein anderes, weiter entfernt lebendes Volk besuchte. Diese aber wollten keinen Kontakt und schickten das Volk der Adnyamathanha wieder zurück. Seitdem ist der orange blühende Busch, der das Volk mit ausgebreiteten Armen repräsentiert, die Stammesgrenze.

Pound nannten die Briten diese Schüssel im Gebirge. Einen Ort, den die Ureinwohner seit Menschengedenken „Platz der gebeugten Finger oder hohle Hand“ nennen. Pound wiederum ist ein Altenglisches Wort für ein eingezäuntes Tierareal. Den Ureinwohnern war natürlich die Ähnlichkeit der Gebirgsformation mit einer gebeugten hohlen Hand aufgefallen. Aber es könnte auch die Interpretation für eine Faust sein, weil man bei der eisigen Kälte, die oft im Winter auftrat, die Hand ballt.


Felszeichnungen in den Flinders RangesIn der Flinders Ranges, erst 1802 von den Weißen entdeckt, befinden sich konzentriert in Höhlen oder an Canyon Felsen geheimnisvolle gemalte oder geritzte Zeichnungen (Vögel, Kängurus, Schlangen, Reptilien und Menschen) und Zeichen (konzentrische Kreise, lineare Parallelogramme und Bögen) aus der Urzeit. Experten schätzen, dass es sich um über 30.000 Jahre alte Heiligtümer der Aborigines handelt, die hier zeremonielle Stätten und Meeting Plätze haben. So sind auch die etwas südlich von Hawker liegenden Yourambulla Caves, heilige Plätze, deren Felszeichnungen zu dem wirklich gut erhaltenen Kulturgut der Ureinwohner gehört. Der Aufstieg zu den Höhlen geht in Windungen über einen Steingeröllhang. Man sieht oberhalb der Geröllstrecke die schon wieder begrünten Felsen. Dort befinden sich die Höhlen, die man nur über angebrachte Stufen erreichen kann. Tolle und rätselhafte Felsmalereien.
Etwa sechs Kilometer nördlich von Leigh Creek liegt der kleine Ort Copley. Hier fand sich vor Jahren eine Gruppe Interessierter, die sich der Traditionspflege verschrieben haben. Informationen über die einstige Railway Stadt, über The Old Ghan, aber auch über die ersten Siedler und den Bau der Overland Telegraph Line sind ebenso zu erfahren, wie Hinweise auf das Leben der Afghan Cameleers. Außerdem beschäftigen sich einige mit esoterischen Aspekten und mit Ufos. Alle Bewohner sind sich einig, dass Copley der beste Ausgangspunkt zur Erkundung der North Flinders Ranges ist. Also werden auch entsprechende Touren angeboten. In Copley erfuhr ich zum ersten Mal die Geschichte über die sieben Schwestern:

Nach den Legenden der Ureinwohner kamen vor langer, langer Zeit, in der Traumzeit, sieben Schwestern von den Plejaden - Artuni, einem Siebengestirn im Sternbild Stier, auf die Erde, um der Menschheit die Gesetze des Universums zu lehren. Sie erreichten die Erde zuerst in die Gegend des heutigen Whyalla. Dort hinterließen sie in einer Höhle die Abdrücke ihrer Hände und Füße. Ihr Weg führte sie nach Norden, entlang der Flinders Ranges auch in die Gegend des heutigen Copley. Und die Copleyites meinen, dass bei Ihnen der Oodnadatta Track, als einer der Traumzeitwege der sieben Schwestern beginnt.

Die Schwestern arbeiteten mit den Geistern und Schutzengeln des Landes zusammen. Nämlich in der Northern Flinders Ranges. Eine der Schwestern zog die Bewunderung und Anhänglichkeit der Regenbogenschlange Arkurra auf sich. Die Story erzählt, dass die Schlange eines Abends, versteckt hinter einem Busch, die sieben Schönen beim Bad in einem Pool bei Sonnenuntergang beobachtete. Begierde erfüllte ihr Herz. Der „Große Geist“ schaute hinunter und warnte die Schlange. „Tu nicht einmal daran denken!“ Diese Warnung erfüllte die Schlange mit Wut. Und sie aß die sieben Schwestern auf. So kamen im wahrsten Sinne des Wortes die Frauenrechte in die Münder der Männer. Frauenrechte, die bis heute von den Männern gesprochen und eingehalten werden.

Die Geister der sieben Schwestern flogen zurück zu den Plejaden. Und sie waren beunruhigt, weil eine der Schwestern, von den Sternen den Schmerz der Schlange Arkurra beobachtete und Mitleid ihr Herz erfüllte. Sie beschloss zurück zur Erde zu fliegen. Genau so wie nach der griechischen Sage einst Persephon (besser als Proserpina oder Core bekannt) sich entschloss wieder zu Pluto in die Unterwelt zurück zu kehren. Diese Schwester verkörperte auf der Erde einen Quandong Baum (ein australisches Sandelgewächs, Santalum acuminatum). Und so wurde die pfirsichähnliche rote und süß schmeckende Quandong Frucht für die Ureinwohner zur Frucht der Liebe. Tatsächlich scheint die Frucht als Aphrodisiakum zu wirken. Davon kann sich jeder im "Quandong Café and Bush Bakery" an Fionas Käsekuchen mit Quandong-Füllung überzeugen. Auf alle Fälle sind die Früchte äußerst vitaminreich.

Die Adnyamathanha (Volk der Hügel oder Bergvolk) sind der Oberbegriff der früher in der Flinders Ranges lebenden Ureinwohnergruppen (Jadiaura, Kuyani, Piladappa Pangkala und Wailpi). Ihre Legenden erzählen, dass, wenn sie zu der Plejadengruppe schauten, immer ein Stern ein wenig verschwommener zu sehen war. Und sie meinten, dass das die verliebte Schwester sein muß, die aus Liebe zur Erde zurück kehrte und sich nun ausruht.

Nach der Auffassung der Copleysider ist einer der Wege der sieben Schwestern der Oodnadatta Track. Aber es gibt eben viele „Seven Sisters Dreaming Tracks“ und Songlines, so wie es eine Unzahl von Geschichten über die sieben Schwestern gibt, die in allen einheimischen Kulturen vertreten sind. (Songlines ist ein Name, der aus der Aboriginals Geschichte stammt. Die Ureinwohner orientierten sich auf den riesigen Kontinent ohne Kompass und Karten an mit in Liedern gefassten Pfaden. Für einen Europäer unvorstellbar).

Und schon sind die Esoteriker da mit ihrer Vorstellung, dass die benannten Wege ein Netzwerk darstellen über das man die außerirdische Energie der sieben Schwestern von den Plejaden empfangen kann. Regelrechte Pilgerfahrten mit „Energiezeremonien“ werden organisiert. Das ist übrigens eine Tendenz, die in irgendeiner Form in allen Kulturkreisen zu finden ist. So wie es auch in allen Kulturkreisen Geschichten über die sieben Schwestern geben soll.

„Uncle Ken McKenzie“, der Adnyamathanha Senior Man, sieht das ein bisschen anders, wenn er über die Traumzeit berichtet. „Wenn ihr die großen Traumzeit Tracks in unserem ursprünglichen Land wandert, erfreut euch am guten Essen und der Kameradschaft, setzt euch zusammen ans Feuer und genießt den unendlichen Raum, die Sterne und die Stille. Du wirst die Songlines durch die Freude und durch deine Gegenwart bereichern. Die Menschen sind die Songlines“.

Und wieder stellt sich für mich die Frage, die mich in jeder Geschichte über die Ureinwohner beschäftigt. Ist das das Gedankengut eines zurückgebliebenen Steinzeitvolkes? Das Aboriginal People hat seinen Glauben, seine Lebens- und Denkweise zueinander nicht verändert.

Das tun wir „zivilisierten Gesellschaften“ aber täglich und unaufhörlich zum eigenen Nachteil im Leben miteinander.
Natürlich gehört hierher auch die Geschichte über die Regenbogenschlange Arkurra. Wer mein Australienbuch gelesen hat, findet auf Seite 696 darüber einen Hinweis. Im Buch schrieb ich über die Rainbow serpent Wanambi. Und erwähnte dass das Volk der Adnyamathanha sie Arkaroo nennt. Was es mit den Namen auf sich hat, und wie die Ureinwohner die Rolle der Regenbogenschlange in der Urzeit im Gebiet der Gammon Ranges erklären, das wird meine nächste Geschichte sein.

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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