Dawn Fraser

Dawn Fraser- The Girl from Balmain


Die Olympiade 1956 in Melbourne wurde für eine weitere Sydneysiderin zur Sternstunde. Dawn Fraser, „The Girl from Balmain“, gewann zwei Gold- und eine Silbermedaille. Heute ist sie mittlerweile eine echte Ikone!

Der Vorort Balmain, den man mit der Fähre oder aber mit dem Auto, wobei letzteres manchmal ziemlich nervend sein kann, erreicht, verweist auf mehrere berühmte Bewohner. Da war zum einem Sir Henry Parkes, der Vater der Föderation, der ein schönes, heute noch stehendes Haus bewohnte. Auch die Premiers Hughes und Wran lebten hier.

Doch am 04. September 1937 wurde die berühmteste Einwohnerin des ehemaligen Arbeitervororts Balmain geboren. Dawn Fraser war das jüngste von acht Kindern. Wegen eines Asthmaleidens hoffte sie, ermuntert durch ihren Vater, dass Schwimmen ihre Atmung verbessern würde. Ihr Lieblingsbruder Don ermutigte sie immer wieder zum Schwimmbad zu gehen. So lernte das unruhige Kind vom „Tiger Country“ unter Anleitung des Bruders schwimmen. Sie hatte zweifelsohne großes Talent. 1948 kam ihr Cousin auf die Idee, Dawn für einen clubinternen Wettbewerb anzumelden. Das war der Beginn einer eindrucksvollen Karriere, die den Namen Dawn Fraser zum Begriff machte und der mit dazu führte, dass man sie heute als unbestrittene Ikone des australischen Sports bezeichnet. Ihr Bruder Don hat das nicht mehr erlebt. Als er 1951 an Leukämie starb war Dawn 13 Jahre alt. Und niemals wird sie seine letzten Worte zu ihr vergessen. „Du hast ein Geschenk, eine Gabe….trainiere auch für mich!“ Ein Jahr später, mit 14 Jahren, arbeitete sie an drei verschiedenen Arbeitsstellen und trainierte dabei noch täglich fünf Stunden. Trainer Harry Gallagher entdeckte den Schneiderlehrling im noch heute bestehenden Schwimmbad von Balmain, dem ältesten in Australien, erkannte ihr Talent und bot ihr an, sie umsonst zu trainieren.

Durch die knabenhafte Figur hatte sie zwar körperlich günstige Voraussetzungen, aber es fehlte die Kampfkraft. Unter seine Anleitung trainierte sie überwiegend mit männlichen Schwimmkollegen, die nicht immer gut dabei aussahen. Diese besondere Herausforderung stärkte aber ihren Willen zum Sieg. Sie trainierte jede freie Minute. Dawn wurde immer besser. Gallagher beeinflusste sie auch in ihrer Lebenshaltung. Die Meisterschwimmerin Dawn Fraser identifizierte sich mit neuen Ideen, wurde eine Art Revolutionärin, eine Schlüsselfigur in den unruhigen 50ern. Ob die Nichtberücksichtigung zu den Empire Games 1954 in Vancouver die Antwort des Verbandes war? Sie nahm 1953 an den Meisterschaften teil und wurde nicht für die Mannschaft berücksichtigt. Dawn war damit nicht einverstanden. Diese in Dawns Augen ungerechte Zurücksetzung hatte zwei gravierende Folgen. Erstens gingen sie und ihr Trainer Gallagher nach Adelaide und zweitens war dies der Beginn einer ständigen Auseinandersetzung mit dem Schwimmverband. Erstmals wurde sie 1955 australische Meisterin. Der damals beginnende schwelende Konflikt mit dem Schwimmverband fand 1964 einen Höhepunkt, über den noch erzählt werden muß. In Adelaide trainierte sie ungebrochen und verbissen. „The Water Babes“ war der Nickname, den man ihr gab. Weiterhin schwamm Dawn überwiegend mit den Männern. Neben den Südaustralischen Meistertiteln brach sie bei der Olympia Qualifikation den 100 Meter Freistil Rekord Australiens, der 21 Jahre Bestand hatte.

Bei Olympia in Melbourne siegte sie über 100 Meter Freistil und in der 4x 100 Meter Freistil Staffel. Über 400 Meter Freistil wurde sie knapp geschlagen Zweite.

Plötzlich hatte Australia einen neuen Schwimmstar. Dawn wurde als ständiges Mitglied in die Schwimmnationalmannschaft aufgenommen. Und Australia hatte eine weiteres Golden Girl.

Die Commonwealth Games in Wales 1958 (zwei Goldmedaillen) waren eine Zwischenstation zur Olympiade 1960 in Rom. Neben zwei Staffelsilbermedaillen (4 x 100 Meter Freistil, 4 x 100 Meter Lagen) holte sie sich in ihrer Paradedisziplin über 100 Meter Kraul wieder die Goldmedaille.

Aber der Australische Schwimmverband mochte die unbequeme und „aufmüpfige“ Sportlerin nicht. Wegen angeblichen verschiedenartigen Indiskretionen wurde sie nach Rom für zwei Jahre für internationale Wettkämpfe gesperrt. Ihre Antwort war 1962 ein Jahrhundertweltrekord. Als erste Frau in der Welt schwamm sie die 100 Meter unter einer Minute. Dem folgte der den Gewinn von vier Goldmedaillen auf den Empire Spielen in Perth 1962. Die Frau schien unschlagbar.
Die Olympiade 1964 in Tokio bestätigte dies. Wieder Gold über 100 Meter Freistil und Silber mit der Freistilstaffel,. Und es lag nicht an Dawn Fraser, dass Australien mit der Lagen-Staffel „nur“ den vierten Platz erreichte. Immerhin startete Dawn mit erheblichen Schmerzen. Nacken- und Hautverletzungen zog sie sich bei einem Autounfall kurz vor der Olympiade zu, bei dem ihre Mutter leider ums Leben kam.

Damit hatte Dawn bei drei Olympiaden insgesamt acht Medaillen gewonnen. Dazu kamen noch 41 Weltrekorde (davon 29 bei Einzelwettkämpfen).
Nach Tokio beendetes Dawn Fraser die aktive Laufbahn und arbeitete als Trainerin. Hörte sie wirklich von sich aus auf? Nein! Sie wurde beendet!

Schon immer war Dawn für irgendwelche Späße zu haben. Und bei einer Siegesfeier in Tokio klaute sie übermütig aus der Parkanlage des kaiserlichen Palastes eine Fahne. Das war Wasser auf den Mühlen der Bürokraten. Man sah eine Chance, die ständig rebellische und widersprüchliche Weltklasseschwimmerin zu disziplinieren. Eine Sperre für 10 Jahre wurde ausgesprochen. Zwar wurde Dawn nach vier Jahren „begnadigt“. Sie ist jedoch niemals wieder aktiv in Wettkämpfen geschwommen. Sie hat nach Tokio geheiratet, bekam eine Tochter. Doch die Ehe hielt nicht lange.

1999 bekam der Schwimmverband wieder Probleme mit dem „Enfant terrible“. Dawn Fraser wurde auf dem World Sports Award in Wien zur „Weltsportlerin des Jahrhunderts“ gekürt. Und auch die Australier wählten sie als „Sportlerin des Jahrhunderts“ in die „Sport Hall of Fame“. Sie ist Mitglied der World Sports Academy. In dieser Funktion war sie 2007 in Deutschland, als man Franz Beckenbauer zum 39. Mitglied in die Akademie aufnahm.

Zur Olympiade in Atlanta (1996) war es Dawn Fraser, die Muhammad Ali die olympische Fackel übergab. Sie wurde im gleichen Jahr zu den sieben größten Athleten aller Zeiten gewählt.

Und in Sydney 2000 bat sie der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Juan Antonio Samaranch, für die Zeit der Olympiade als First Lady seine Partnerin zu sein. Mit dem Titel MBE ehrte die Queen sie bereits in den 60ziger Jahren. Nun stand die Benennung der Straßen im neuen Olympiapark in Sydney an. Man konnte nicht anders. Nach dem „Girl from Balmain“ wurde die „Dawn Fraser Avenue“ benannt.

“The officials that I had problems with, they’ve gone by the wayside. We have a new influx of officials that are doing something for sport, not for what they can get out of it” sagte Dawn recht diplomatisch, als sie über ihre Meinung zum Schwimmverband gefragt wurde.

1999 wurde die mittlerweile an Diabetes Typ 2 erkrankte ehemalige Meisterschwimmerin ein OA (Overeaters Anonymous).
In ihrem weiteren Leben nach der Sperre hat sie sich zunehmend für lokalpolitische Thematiken interessiert. Immer noch lebt sie in Balmain. Den schönen Rundgang durch den erblühten Vorort verdanken wir der Initiative von Dawn.

Dawn Fraser heuteSeit 1988 beteiligt sie sich politisch am öffentlichen Leben. Und auch 2007 kandidiert die nunmehr 69 jährige Dawn Fraser für einen Sitz im Parlament von NSW (NSW Legislative Council), dem sie von 1988 bis 1991 schon angehörte.
Durch die Namensgebung des ältesten Schwimmbades Australien im Elkinton Park (Balmain) in Dawn Fraser Bath bleibt sie, ebenso wie Boy Charlton, für die Sydneysieder und ihre Gäste unsterblich.

Ihr Leben wurde verfilmt (Swimming Upstream). Ihre Autobiographie gibt es als Hörbuch. Und sie sitzt im Vorstand zahlreicher Vereinigungen und Sportvereinen.
Dawn Fraser wurde durch ihr bisheriges Leben zu einem „Fair Dinkum Aussie“. Was soviel wie „ein Australier im wahrsten Sinne des Wortes“ bedeutet.

Auch dafür wird sie von dem Menschen verehrt und geliebt.
Das Schlusswort gebe ich sehr gern an Dawn Fraser weiter. „Ich lebe, wie es mir mein Vornamen vorgibt. Dawn! Die Morgenröte!“

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