Thunderbolt - Frederick Ward

Das ganze Leben des Frederick Ward bestand aus dem Vorsatz zu stehlen, zu rauben und, wenn nötig, zu morden. Hier stellt sich der Verbrecher vor und behauptet, nur von den Reichen zu rauben, um die Armen zu füttern, damit deren Kinder lächeln können. Klingt irgendwie gut, sein Lied.

My name is Fredrick Ward.
I’m a native of this isle.
I rob the rich to feed the poor
and make the children smile!

Er hat in nur sieben Jahren über 25 Postkutschen überfallen und ausgeraubt. Mehr als 32 Überfälle auf Häuser, Hotels Läden gehen auf sein Konto. Dazu sechs überfallenen Straßenhändler und 30 ausgeraubte Reisende. Zum Teil geschahen seine Überfälle vor den Augen der Polizei, die manchmal nur 80 Meter entfernt stand und ihn doch nicht dingfest machen konnte. Ward war ein hervorragender Reiter. Er verstand etwas von Pferden. So fielen ihm die über 80 Pferdediebstähle leicht.

Warum wird Thunderbolt in New England 1988 sogar mit einer Bronzestatue in Uralla gedacht? All diese Taten scheinen das Gegenteil zu behaupten. Für die Behörden war er ein unverbesserlicher Räuber und Dieb, der nur Ärger verursachte. Doch es gibt aber auch den anderen „Donnerschlag“, der seinen Opfern, wenn sie ihm bewiesen, dass sie nun nicht mehr überleben könnten, einen Teil zurückgab. Diese Milde des unberechenbaren Wegelagerers zeigte sich auch 1868 bei einer fahrende deutsche Musikantengruppe, der er in der Nähe von Tenterfield ihre erbärmliche Reisekasse raubte. Der Überfall geschah aus langer Weile. Ward wartete an dieser Stelle auf die Ankunft seines Rennpferdes Minstrel. Zunächst befahl er eine Straßenvorstellung für sich, dann gab er ihnen das Geld zurück und erfragte die nächsten Auftrittsorte. Nach kurzer Zeit erhielt die Truppe per Postanweisung von ihm die Gage für den Straßenauftritt. 1835 oder 1836 wurde Ward als Sohn eines Verurteilten in Sydney geboren. Von 1853 bis 1855 arbeitet er als Zureiter und Stallbursche und war als Pferdekenner und hervorragender Reiter allgemein bekannt. Seine erste Strafe (10 Jahre Strafarbeit auf der Insel Cockatoo) erhielt er mit 21 Jahren für den Diebstahl von 15 wertvollen Import Rennpferden. 

Die hatte Frederick Ward übrigens alle wohlbehalten wieder zurückgegeben. Nach vorzeitiger Entlassung und Verstoß gegen die Bewährungsauflagen kam die nächste Inhaftierung. Er floh spektakulär aus dem Insel- Gefängnis, indem er bei dichtem Nebel 1863 durch ein Haifischgebiet zum Festland schwamm. Zunächst flüchtete er in den Norden von NSW. Dort kannte sich Fred am bestens aus. Um zu Geld zu gelangen überfiel er mit einem Mitflüchtling eine Postkutsche nahe des gespaltenen Felsen bei Uralla, der dann bald der „Thunderbolt Rock“ wurde. Ein Polizei- Sergeant, der zufällig vorbei kam, zwang die beiden zur Flucht, nachdem er Fred ins Bein geschossen hatte. Die beiden Verbrecher trennten sich. Fred raubte anschließend eine Zollstation aus. Die Art des Überfalls, sein forderndes Auftreten brachte ihm den Namen Thunderbolt (Donnerschlag) ein. Damit begann die Buschräuberkarriere mit den oben beschriebenen Verbrechen. 

Für sechs Jahre und sechs Monate sollte Ward von nun an die Polizei, in einer scheinbar vergeblichen Jagd auf ihn, beschäftigen. Er war klug und überlistete seine Verfolger ständig. Mit anderen „Gesetzlosen“ verbündete er sich nur kurzzeitig. Das war schon ein komisches Ding. Da lebte der Buschräuber im Versteck, trainierte aber für Interessenten deren Rennpferde. Die kleinen Farmer sahen in ihm einen Helden. Endlich mal einer, der sich durch Polizeiwillkür nicht unterkriegen ließ. Für die Farmer war die Regierung mit ihren zweifelhaften Gesetzen, mit der willkürlichen Rechtsauslegung der eigentliche Buschräuber. Leute wie Thunderbolt blieben in ihren Augen nur Opfer staatlicher Willkür, wie sie auch. Und seine liebevolle Fürsorge für seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Mary Ann Bugg brachte ihm weitere große Sympathien in der breiten Bevölkerung ein. Er liebte das Risiko. So wettete er zum Beispiel mit anderen Pferdebesitzern am 18. März 1868 bei einem Rennen in Tenterfield und gewann 40 Sovereigns. Das, obwohl er sich stets verstecken mußte. Seine Geliebte versorgte ihn mit Nahrungsmitteln. Sie war es auch, die ihm die Pferde zum Abrichten zuführte.

Gefährlich sah der Straßenräuber mit seinem Seemannsbart und dem Schnauzer schon aus, wenn er den Reisenden gegenüber stand. Dazu der immer vorhandenen Palmenhut auf dem Kopf, das dicke rote Hemd und die gestreiften Baumwollhosen mit langen Stiefeln. Man hatte Angst vor ihm. Und das nicht nur wegen der zwei Colts im Gürtel, einem Gewehr mit kurzem Lauf auf dem Rücken und der reichlichen Patronengurte.

Fred Wards Ende kam nicht unspektakulär. Der Verrat von einem Straßenhändler, den er beraubt hatte, führte zu einer wilden Verfolgungsjagd mit der Polizei. Und an einem Wasserloch wurde er eingeholt und erschossen. Keiner versteht, warum er nicht, wie so oft, mit seinem schnelleren Pferd einfach davon geritten ist. Warum er kämpfen wollte. Das war am 25. Mai 1870. Er ist auf dem Friedhof von Uralla begraben. Fred Ward, genannt Thunderbolt, wurde 35 Jahre alt.
Noch heute, 134 Jahre nach seinem Tod, erzählen sich die Leute Stories von Thunderbolt. Wie der Urgroßvater eines Tages auf einer Viehaktion Fred Ward traf, mit ihm Tee trank und beide eine „Garn gesponnen haben“, wie die Urgroßmutter eine Decke als Signal auf die Leine hing, wenn Soldaten in der Nähe waren. Oder wie Familien Nahrungsmittel in ein Nebengebäude stellten, mit der Hoffnung, dass der Buschräuber sie benötigen könnte. Und so weiter! Und so weiter! Und, wie die Errichtung des Reiterdenkmals beweist, die Legende lebt heute noch. Ein Haufen von Granitsteinen am Hwy südlich von Uralla soll eine der Höhlen des Captain Thunderbolt gewesen sein.

Lustig ist eine Internetsuchanzeige. Da fragt ein Aussi nach, wer Informationen hat über einen Mann, der 1870 von Australien nach Kanada emigriert ist. Sein Name war Frederick Wordsworth Ward. Das sei der Buschräuber Thunderbolt gewesen. Heute muß sich jeder selbst einen Standpunkt zu dieser Form der australischen Heldenverehrung bilden. In der Historie von New England ist er ein Buschräuber, der Ned Kelly und Robin Hood in sich vereinte.

Aus „Und immer weiter zur Sonne“
Dieter Tischendorf


Hier haben wir noch einige Informationen zu dem Bushranger Frederick Ward gefunden.

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

Begleitet die OzBus Reporterin auf ihrer Tour

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