Taj Mahal
Nachdem der Sonnenuntergang gestern in den Dunst gefallen ist, wollen wir heute wenigstens den Sonnenaufgang am Taj Mahal genießen. Unser Hotel ist eines der besonders indischen: Das Frühstück – auf´s Zimmer geliefert, weil es keinen Frühstücksraum gibt – sollte um 5.30 Uhr kommen. Es gibt zwei Pfannen, mit denen sie Rühreier braten. Bei 28 Gästen kann das schon mal eine Weile dauern.
Unsere Eier kommen um fünf vor sechs und damit fünf Minuten vor Abfahrt, wobei wir noch lange nicht die letzten sind. Ich schmieren Marmelade aus der Tüte auf einen Toast und belade den anderen mit dem Rührei. Dann stürze ich den Kaffee hinunter. Irgendetwas festes schwappt in meinen Mund. Ich überlege, ob ich es
einfach schlucken soll, vielleicht ist es Milchhaut oder Kaffeepulver. Nach kurzem Zögern entscheide ich, dass ich weder das eine noch das andere schlucken will und spucke es ins Waschbecken. Es ist ein Käfer.
Auf dem Weg zum Taj Mahal erleben wir noch eine unangenehme Seite Indiens: Die der Touts, der Straßenhändler, und der professionellen Bettler. Wenn der Bus anhält, rennen sie von allen Seiten her, damit sie uns gleich beim Ausstieg bombardieren können: cheapcheap, batterie, post card, money, water, keyring, table cloth, … Eine Frau die mir den nackten Po eines Säuglings entgegen hält. Ich bahne mir einen Weg durch eine Schar Kinder (rupies, rupies) und haste dem Fremdenführer hinterher, der fast in der Menge verschwunden ist.
Wir passieren den Sicherheitscheck und sind endlich unter uns – mit tausenden Touristen, die auch um fünf Uhr morgens aufgestanden sind, um den Sonnenaufgang hier zu erleben. Wir rennen um die Wette, um das perfekte Foto vom Taj Mahal zu schießen, aber als ich in der Masse durch das Eingangstor geschoben werde, ist klar: Ich bin zu spät.
Trotzdem ist das Taj Mahal ein Blickfang und nachdem die erste Aufregung vorbei ist, verteilen sich die Massen auf dem weiten Gelände. Nach dem morgendlichen Spießrutenlauf strahlen der weiße Marmor, der grüne Garten und die Springbrunnen eine Ruhe aus, wie ich sie seit Amritsar nicht mehr erlebt habe.
Foto: Isabelle Hiestand
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| Elke (14.11.2010) |
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