Istanbul
Seit Budapest hetzen wir von einem Land ins nächste, kaum Zeit genug, Geld einzutauschen und wieder auszugeben. Bei der letzten Rast auf bulgarischem Boden geschieht das Übliche: Wir stürmen die Tankstelle, zählen unser Geld zusammen, rechnen hin und her und kaufen schließlich Chips und Süßigkeiten, bis keine Münze mehr übrig ist. Im Bus wird die Beute später herumgereicht und jeder nimmt sich, worauf er gerade Lust hat.
Nach den vielen Währungswechseln ist unser Depot bedenklich angeschwollen. Ausgerechnet heute habe ich aber noch 10 Leva übrig – eine Menge Geld auf einem staubigen Rastplatz mit Stehklos und Kuscheltieren mit Puppengesicht. Ich entscheide mich für eine Doppelpackung Toffifee. Sie findet reißenden Absatz, obwohl die Schokolade schon angeschmolzen ist.
Unser Fahrer kämpft sich derweil tapfer über die bulgarische Landstraße. Zweimal landen wir im Nirgendwo. Mir wird erst während der halbstündigen Irrfahrten klar, wie viel Platz ein Reisebus eigentlich zum Wenden braucht.
Endlich erreichen wir die türkische Grenze. Als Deutsche hab ich es leicht, aber fast alle anderen müssen erst ein Visum beantragen und bezahlen, bevor sie einreisen dürfen. Zwei Stunden brauchen wir für die 200 Meter. Die Grenzer sind freundlich gelangweilt, die Stimmung im OzBus gut. Alle wissen, dass unangenehmere Grenzüberschreitungen vor uns liegen.
Gegen Abend kommen die ersten Trabantenstädte in Sicht. Kilometerweit ziehen sich Wohnblöcke in kräftigen Farben die Hänge entlang. Ich habe jetzt genug von der Fahrerei und sehne mich nach der Unterkunft. Aber der Bus steckt in Istanbuls Stau. Immer wieder nimmt unser Busfahrer die falschen Ausfahrten, immer wieder müssen wir umkehren. Irgendwann stecken wir endgültig fest. Zwischen Holzhäusern, Reisebussen und Müllabfuhr geht nichts mehr vor oder zurück.
Über 11 Stunden hocken wir nun schon im Bus, und so kurz vorm Ziel stecken wir fest. Ein Istanbuler kommt uns zu Hilfe und erklärt den Weg. Andere halten die Autos davon ab, uns erneut den Rückweg zu versperren. Mit Rufen und Winken lenken sie den Bus rückwärts durch das Chaos auf geparkten Autos und 40 cm hohen Bürgersteigen. Endlich sind wir frei. Willkommen in Istanbul.
Foto: Isabelle Hiestand
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Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.
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