Hands on Rock

Von „Hands on Rock“ zum Munghorn Gap


In Kenntnis des Versteckspiels mit den Hinweisschildern war es nunmehr leicht, an einem weiteren unbefestigten Weg neben der Landstrasse die zurückgesetzten Schilder, die uns zum „Hands on Rock“ führten, zu finden. Über einen unbefestigten, sehr staubigen Weg erreichten wir den Parkplatz. Von dort wanderten wir noch 600 Meter bis zur zeremoniellen Stelle. Schon der Parkplatz bot wegen seinem natürlichen Schutzwall aus zum Teil auch bewachsenen Steinen ein abenteuerliches Bild. Der Weg zur heiligen Stätte führte durch ein Niederwuchsgebiet. 12 Tausend Ureinwohner, Angehörige des Wiradjuri Volkes, lebten hier am Rande des großen Gebirges. Und sie errichteten eine Kette von zeremoniellen Stätten. Jetzt besuchten wir eine davon. Keiner weiß, wie alt die Abdrücke der Hände auf dem Stein sind. Gesichert scheint, dass die Ureinwohner, die diese Zeichen auf dem Stein hinterließen, hierher kamen, um mit anderen Stämmen zu handeln, gemeinsame Lieder zu singen und den neuesten Klatsch auszutauschen. Wie sehr wir die Ruhe und Einsamkeit in Australiens Landschaften immer wieder genießen bemerkten wir erst, als eine Gruppe von 15 Personen mit acht Kindern am Parkplatz hielt. Aber da waren wir schon so gut wie weg.

Nach dem Mittagessen und einer Siesta sind wir noch einmal durch den historischen Ortskern gebummelt. Die Strassen waren nicht mehr so belebt. Und mit geschlossenen Augen stellte ich mir vor, wie hier wohl am 24. Dezember 1871 das Leben pulsierte. Hatten die Menschen in dieser Gegend zu dieser Zeit überhaupt Muse, an Weihnachten zu denken? Hier lebten doch viele, die mit dem Gedanken, Weihnacht ist das Fest der Liebe, groß geworden sind. Zu deren Erinnerung neben dem Tannenbaum auch Schnee, Schlitten, Glöckchen gehörten.


Im Australien von heute wird Weihnachten in europäischer Auffassung nur noch von wenigen empfunden. Das Fest ist amerikanisiert, aber auch Wetter bezogen. Die roten Zipfelmützen, die den Santa Claus Eindruck vermitteln sollen, sieht man am Strand, bei den zu einer Feier gehenden Bewohnern, sogar bei den Soldaten und Polizisten. Alles wird als lustig empfunden und dargestellt. Kein Platz für Besinnlichkeit. Zumal immer noch große Panik vor einer eventuellen neuen Tsunami Flutwelle bestand. Ein Frühwarnsystem aus Deutschland meldete nämlich ein Seebeben im Pazifischen Ozean. Und die über Weihnachten massiv auf die Australier „einstürzende Flut“ von Tsunami- Erinnerungsberichten drückte ziemlich auf die Tränendrüsen. Wir vermissten sehr diese heimatliche Stimmung, die wir beim „Walk trough Bethlehem“ 2003 in Melbourne beschrieben haben. Beim Stadtrundgang bin ich noch in einen Pub gegangen, weil wir für den Abend Chardonnay benötigten. Ein voll gequalmter Raum, der schon beim Eintritt Beschwerden beim Atmen machte. An der Bar unterhielt ich mich mit einem freundlichen Australier, der mir unbedingt von seinen Erlebnissen auf dem Münchner Oktoberfest erzählen wollte. Glücklich war ich, als der Barkeeper kam und meine Bestellung erledigte. Ich entschuldigte mich, da ich allergisch auf Tabakqualm sei, wünschte ein Merry Christmas und war froh, wieder an die frischen Luft gehen zu können.

Die Australier feiern Weihnachten (Christmas) am 1. Weihnachtsfeiertag. Bis zum Lunch war noch viel Zeit. Also entschlossen wir uns, doch noch zum Munghorn Gap zu fahren.

Das war zunächst eine schöne Fahrt auf der Mudgee Gulgong Road hinunter ins Tal nach Mudgee. Mit diesem Namen meinen die Ureinwohner „Brutstätte in den Bergen“. Ob allerdings die Geburtenrate in Mudgee überdurchschnittlich ist? Ich glaube nicht? Eine schöne und saubere Stadt. Viele freundliche Menschen. Und der gegenseitige Wunsch „Merry Christmas“ war überall zu hören. Die zweitälteste Stadt westlich der Great Dividing Range wurde 12 Jahre eher gegründet als Melbourne. Wer sich solche Sachen nur immer ausdenkt? 45 Weingüter bestehen im Umfeld. Natürlich wuchs diese ebenfalls um 1820 erstmals besiedelte Gegend mit dem Goldboom gewaltig. Besonders stolz ist man auf den trefflichen Mix von ländlichen und städtischen Leben in der freundlichen Kommune. So fanden wir es nicht ungewöhnlich, dass hinter einem Straßencafe ein Farmergrundstück angrenzt, das vom Standbild eines Wassergeistes bewacht wird. Nach schottischer Auffassung ist ein Nix besser als ein Hund!

Ziemlich leicht fanden wir die Zufahrt zum Munghorn Gap National Park. Natürlich sind wir an der Abfahrt zu den Castle Rocks wegen des fehlenden Schildes zunächst vorbeigefahren. Auf der engen und kurvenreichen Strasse mußte ich noch einen Kilometer fahren, bis ich wenden konnte. Vom Parkplatz, der 685 Meter über dem Meeresspiegel liegt, war es ein gutes Wandern in den Busch.


Regent Honeyeater, Warzenhonigfresser, AustralienAuf einem Informationsblatt werden 174 gezählte verschiedene Vogelarten angegeben. Und hinter jedem Namen eine Kästchen, wo man die Beobachtung einträgt. Ob es wirklich solche Fanatiker gibt, die das tun? Und wie lange braucht man dazu? Immerhin wurde eingeräumt das 31 Vögelarten (18%) relativ selten anzutreffen sind.

Dieser National Park soll einer der besten Plätze sein, um den Regent Honeyeater (Warzenhonigfresser) zu beobachten. Ein wirklich schöner Vogel, wie das Bild von Geoffrey Dabb aus dem Internet zeigt.

Felsenformation im Munghorn Gap National ParkDer Weg war auch deswegen gut, weil über lange Strecken die Bäume Schatten spendeten. Viele Pinien, deren Höhe zwischen klein bis 7 Meter variierte, haben wir gesehen. Nur die Vögel fehlten! Kein vernünftiger Vogel würde bei dieser Hitze singen oder herumfliegen, das tun nur die verrückten Touristen. Dafür begleitet uns aber wieder ein eindringliches Grillenkonzert. Überrascht war ich, hier Grass Tree Bäume zu sehen. Bemerkenswert fanden wir, dass der Weg zwischen steinig, voller Blätter oder tief sandig, wie an der Küste, wechselte.

Aussicht über den Munghorn Gap National ParkDie Temperatur kletterte unaufhörlich nach oben. Wie ein Burgwall stehen die Sandsteinpagoden oder Zitadellen am Rand der Great Dividing Range. Leicht sind sie zu ersteigen und wirklich atemberaubend ist der Blick hinunter in die Tiefe, wo ein dichter immer weiter abfallender Grüngürtel am Horizont in die gelben Ebenen übergeht. Eine ganze Anzahl von faszinierenden Bildern habe ich gemacht, da jede Gesteinsformation anders aussieht.
Sehr zufrieden mit dem Gesehenen fuhren wir zurück.

Diesmal entlang des Henry Lawson Drive, dem Scenic Drive 2.
Wein! Wein! Wein! Die Welt hier schien nur aus Weingütern zu bestehen. Gegen 14.00 Uhr waren wir wieder am Bungalow. Das Außenthermometer zeigte mittlerweile 40°C. Wir ruhten uns etwas aus.

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