Bourke - Outbacknest?

Bourke - eines der typischen australischen Outbacknester?


In der Stadt, aber auch im Umfeld, hat man Schwierigkeiten sich zu orientieren, da sehr oft Hinweisschilder fehlen. Und die handgezeichneten Skizzen der Mid Map Tours sind wahrscheinlich noch die alten Aufzeichnungen von den Forschern Sturt und Mitchell.
Allerdings ist ein Bummel über die Oxley Street sehr zu empfehlen. Hier konzentriert sich das städtische Leben. Das Bourke TAFE College von 1876, Soldiers Memorial, das Courthouse (1900), Polizeistation, Post Office, Post Office Hotel, Banken und ein Supermarkt machen den Bummel ansehens- und lohnenswert. Natürlich gibt es schon in der Innenstadt Picknickplätze.

Einer davon ist oberhalb des alten Hafens, der an die Schifffahrt von 1898 erinnert. 70 Jahre wurde er genutzt. Heute steht dort eine ziemlich breite Aussichtsfläche zum Fluss. Über Holztreppen gelangt man zum Ufer. Allerdings sollte der Trampelpfad am Ufer nicht von Gleichgewichtsgestörten oder Behinderten genutzt werden. Weiterhin ist eine historische, noch funktionierende Dampfmaschine der Crossley Brothers aus England zu bestaunen. Diese mit Diesel arbeitende Maschine wird zum Betreiben der Pumpen und zur Stromgewinnung auch noch 2006 genutzt.

Burke, New South Wales - Stadt an der Grenze zum OutbackNatürlich besuchten wir während dieser 1 ½ Tage auch die Fort Bourke Stockade. Dort wo alles 1835 begann. Das vorübergehende Lager von Major Th. Mitchell wurde nach dem Gouverneur R. Bourke benannt. Ein Holzverhau, eine Stockade. Doch unsere Zufahrt klappte erst beim dritten Versuch. Zu orakelhaft war die Wegbeschreibung. Vorbei an der Baumwollfabrik, am Friedhof. Die Louth Road, eine dieser unbefestigten Sandpisten nach Westen, hätte ich eher für einen kurzen Feldweg gehalten. Aber nein! Es ist die Piste nach Wilcannia und weiter nach Broken Hill. Links von uns hohe Wälle. Das sind die Ränder der Bewässerungsgräben für die Baumwollfelder. Sie dienen gleichzeitig auch als Windschutz. Ab und zu ein Gatter mit Eisenstäben über den darunter liegenden Kanal. So wird verhindert, dass Rinder die Strasse zu weiten Ausflügen nutzen. Wir hätten nach der Karte lediglich nur eine, in der Realität jedoch aber drei Möglichkeiten zum Abbiegen in Richtung River. Schwierig war die Orientierung auch deshalb, weil eines der angegebenen Tore fehlte. Die anderen Tore mußte man zwecks Weiterfahrt öffnen und dann wieder schließen. Wir befinden uns auf einem flachen und ziemlich ausgetrockneten Land. Nur Niederbewuchs. Den auf der Karte westlich eingezeichneten Kanal fanden wir schließlich im Osten. Und eigentlich gab es die Huckelpiste, auf der wir fuhren, laut Karte gar nicht. In solchen Situationen bin ich stets sehr froh über unseren Wasservorrat im Auto, So würden wir auch eine Panne überstehen. Sicherer wurde ich, als links von uns etwas dichteres Gestrüpp und Wasserlöcher zu sehen waren. Das mußte das Wasserreservoir und Wildzufluchtort sein. Der „Weg“ nach dort entsprach allerdings einem Haldengelände beim Bergbau. Also weiter zum Fluss.

Einziges Fort in Australien - das historische Bourke in NSWUnd dann erreichten wir das einzige Fort, das Australiens Entdecker je gebaut haben. Am 29. Mai 1835 wurden diese Holzstammhütten errichtet. Eine davon steht noch. Und die Tafel. Das ist es, was viele Kenner von Bourke beschreiben. Diese unmittelbare Begegnung mit der Vergangenheit. Von hier aus erforschte der Landvermesser und Forscher Mitchell mit seinem Team, der Verlauf des Darling River. Und ihm kamen die ersten Zweifel an dem Postulat von Sturt im Jahre 1829. Der schrieb nämlich am 3. Februar 1829 „Diese Gegend wird von zivilisierten Menschen wohl nicht wieder besucht werden.“ Zugute halten muß man Sturt, dass er maßlos enttäuscht war, weil man das salzige Wasser nicht trinken konnte. Sein Enttäuschungsschrei hätte man sicher weithin gehört.

So fiel sein Bericht in Sydney auch nicht gerade schmeichelhaft aus. Und er ermutigte niemanden, dort zu siedeln.
Mitchell wiederum hatte zunächst Ärger mit den Ureinwohnern. Und das Fort diente zum Schutz vor deren Überfällen. Das Fort bestand nur kurze Zeit, aber es zeigte, dass eine Besiedlung möglich ist. Was dann 1859 auch geschah. Und als im gleichen Jahr Captain Randall von Süd Australia mit seinem Schiff hier anlegte, war der Grundstein für weitere Siedlungsgründungen, wie Bourke oder Brewarrina, gelegt.
Die Stadt entwickelte sich zum Außenposten der Zivilisation. Wer das Never Never Land Back of Bourke erforschen wollte, machte hier Station. Wagenführer, Viehtreiber, Schafscherer, Landerforscher formten mit an der Entwicklung der „harten und staubigen Grenzstadt“. Die Menschen in Bourke beschrieb der Historiker Charles Bean so. „Das ist ein Gebiet, wo alle bösen Männer sehr böse sind. Und wo die guten Männer großartig sind. Aber alle sind interessant!“

Wer Bourke besucht sollte nicht versäumen beim Back o’ Bourke Exhibition Centre am Kidman Way vorbei zu schauen. Fünf Millionen Dollar hat die Stadt in die Ausstellung gesteckt. Ein echtes Juwel in der Bewahrung der Wahrheit über Australiens Geschichte. Von dort ist es nicht weit zum Gundabooka NP. Die Felsenzeichnungen der Ureinwohner dort, sollen die klassische Kunst der Aboriginals der westlichen Ebenen wiedergeben. Mit einer Stunde Autofahrt kann man im Canyon des Mt. Gundabooka vom Ngemba Stamm das Leben in der Zeit vor 50.000 Jahren kennen lernen. Zumal viele Kenner die Meinung vertreten, dass Bourke alle nur möglichen Outback Formen, von der roten Wüste bis zur buschigen und verbrannte Einöde, bietet.

Was geschah während unseres Aufenthaltes in Bourke im sonstigen Australien noch?
Die Unruhen in Cronulla hören nicht auf. Erstmalig bemerken wir bei jungen Australiern nationalistische Züge. Doch die teils radikalen Islamiten provozieren so was natürlich. Dazu kamen noch verschärfend die anonymen Bombendrohungen. Bali steht plötzlich vor der Tür von Cronulla. Höchste Alarmbereitschaft für die Polizei. Am Strand einsame Badende mit Polizeischutz. Cronulla fürchtet um das Sommergeschäft.

Ach noch eins. Im Fernsehen monierten viele Kommentatoren die „Verunglimpfung“ der australischen Bäume. Das war auch uns seit Brisbane schon aufgefallen. Diese teils kitschigen „Tinsel Trees (Lametta Bäume)“, die in der Vorweihnachtszeit wohl besonders der Seele der Schmücker gut tun.

Wir genießen einen herrlichen Outback Abend bei 28° Celsius. Und der Wirt hat die über Mittag so laut bellenden Hunde am Abend ins Haus genommen. Alles ist in Ordnung. Drei deutsche Bücher brachten wir nach Down under mit. Uris „Exodus“. Werfels „Die 40 Tage des Musa Dagh“ und von dem Pease- Ehepaar „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Wir schätzten ein, dass die Bücher bis Sydney ausgelesen sind. Was machen wir dann in Tasmanien? Die australische Yellow Press ist genauso oberflächlich wie in Deutschland. Morgen früh geht es weiter. Wohin? Lesen sie selbst.

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