Am Lake Carlet

Am Lake Carlet, Reisebericht einer Tour entlang des Murray in Australien Total ausgetrockneter Lake Carlet

Der Murray floss scheinbar träge und gemütlich an uns vorbei. Durch den Wind hatte man den Eindruck, als ob der Fluss in die falschen Richtung, also zur Quelle, fließen würde. Doch der Schein trog. Die sich ständig mal rechts oder links hart spannenden Taue zeigten mir, welche Kräfte auf das Boot einwirkten.

Nach der Karte mußte hinter uns der sagenhafte Lake Carlet, ein 349 Hektar großes Feuchtgebiet, liegen. Das Hauptgewässer hat über einen künstlichen Kanal eine direkte Verbindung zum Murray River. Natürlich ist es für einen Hausbootmieter strengstens verboten, diesen etwa 20 Meter breiten und 2 Meter tiefen Kanal zu befahren. Daneben gibt es noch einige natürliche Verbindungen zum Fluss. Und das Grundwasser wäre wohl auch nicht zu vernachlässigen.
So kämpfte ich mich durch den absolut ausgetrockneten Schilfgürtel hinter unserer Anlegestelle hindurch, um zum See zu gelangen.

Irgendwann müsste ich doch laut Karte zu diesem See kommen. Zunächst dachte ich nach Überwindung des dichten und stachligen Schilf- und Dickichtbereich, dass im Hinterland eine unbefestigte Strasse verlaufen würde. Nein! Es war der total ausgetrocknete Lake Carlet.
Soweit ich sehen konnte, nur vertrockneter und zerklüfteter Seeboden. Ein paar verlorene Muscheln waren alles, was vom See übrig geblieben war.

Was für ein eindeutiger Beweis für den extremen Wassermangel im Darling Murray Becken. Wenn ein See, 100 Meter hinter dem Fluss, nicht mal mehr zumindest eine feuchte Grundwasserbenetzung aufweist!
Den restlichen Nachmittag pflegte ich die vielen kleinen Verletzungen an den Unterschenkeln, die mir das Schilf zur Erinnerung mitgegeben hatte. Ansonsten klang ein schöner Tag, an einem sehr angenehmen und ungestörten Liegeplatz mit phantastischem Blick auf den majestätischen Fluss bei einer Flasche Chardonnay Queen Adelaide aus.

Sonnenuntergang auf dem Murray bei Lake CarlotDie Momente eines Sonnenuntergangs am Murray River von der langsam eintretenden Abenddämmerung bis zum totalen Sonnenuntergang sind jedes Mal ein Erlebnis und nur den ebenso unvergleichlichen Naturphänomen im Outback gleich zu setzen.
Der folgende Morgen begann mit einem gleichfalls unvergleichlichen Phänomen. Die Nacht verschwindet langsam. Die Sonne ist noch nicht über dem Fluss zu sehen. Doch die ersten Wasservögel tummeln sich schon eifrig auf Nahrungssuche.
Der Murray bei Lake CarletWir frühstückten, ausgeruht und zufrieden, und beschlossen diesmal die rund 20 Kilometer bis Bowhill durchzufahren. Dann wäre laut Karte rechnerisch die Hälfte der Fahrstrecke bis zum Swan Reach (10 Stunden) geschafft.

Seit Beginn der Fahrt hatten wir ein Problem mit dem Generator. Obwohl wir das Ding manchmal bis zu 4 Stunden laufen ließen, die Ladeanzeige erreichte niemals den grünen Bereich. So natürlich auch an diesem Morgen. Ich glaube aber gehört zu haben, als sich Peter und Paul in Murray Bridge unterhielten, dass man ab 14,2 Volt Ladezustand problemlos starten könne. Und das tat ich dann auch. Nach dem Starten des Motors löste ich die Taue und holte sie an Bord.

Dann versuchte ich rückwärts wieder auf den Fluss zu kommen. Nur Bella Casa schien dazu noch zu müde zu sein. Das Boot rührte sich nicht von der Stelle, Obwohl ich die Tricks mit Rechts- und Linkseinschlag des Steuers beim Rückwärtsgang versuchte, und dabei sogar bis zu 3.500 Umdrehungen Speed ging. Bela Casa blieb fest am Ort. So merkte ich, dass wir auf einer Felsennase aufgesetzt hatten. Der Wasserspiegel war über Nacht so sehr gesunken, dass eine Felsenplatte, die ich beim Anlegen nicht mal gesehen hatte, nun wie eine Parkkralle wirkte. Der Nachbar schien meine vergeblichen Startversuche bemerkt zu haben. Er kam zu uns, stellte sich vor das Boot, sagte ich sollte noch ein Mal mit Pendelversuchen rückwärts Gas geben. Dabei stemmte er sich mit aller Kraft gegen das festsitzende Boot. Und nach wenigen Minuten und Versuchen war es frei. Ich wollte mich bedanken. Er aber winkte ab und ging mit einem freundlichen Winken zurück. Später, bei der Fahrt nach Bowhill, er hatte uns inzwischen überholt, zeigte er mir so auf Höhe von Teal Flat Shackes, wo wir gerade die Häuser und den Kanal zum Lake Carlet von Bord aus besichtigen wollten, durch Handzeichen, dass die ideale Fahrstrecke mehr links wäre. Danke! Es waren solche Australier, die bei mir den Ärger über Europcar Victoria zumindest für Momente vergessen ließen.
Coolcha FlatCoolcha Flat ist eine zu mietenden Ansiedlung von Ferienwohnungen. Sieht ganz attraktiv aus. Besonders auch wegen der dann folgenden Klippen.

Als wir an der Markierung 182 vorbei kamen, konnte ich fast nicht glauben, dass das Maidment Swamp sein soll.
Da hatten wir, wohl wegen der Trockenheit, sicherlich die die Anlegestelle der Raddampfer für Kreuzfahrten auf dem Murray River nicht bemerkt, obwohl es nach dem Bild schwer vorstellbar ist.
Doch die vorher kommenden Klippen von Coolcha waren natürlich nicht zu übersehen.

Foto: Dieter Tischendorf

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