Jerilderie Letter Dieser Brief ist als Jerilderie Letter ein historisches Dokument

Die Stationen Jerilderie und Cobram

Wer mein Buch „Und immer weiter zur Sonne“ liest, kann auf Seite 530 alles über den spektakulären Banküberfall und den mittlerweile historischen „Jerilderie Letter“ des Buschräubers Ned Kelly erfahren:

Im Gegensatz zu anderen Buschräubern gaben diese Gesetzlosen nach ihren Überfällen auf Banken, auf Postkutschen auf reiche Farmen wirklich einen großen Teil des erbeuteten Geldes an arme verschuldete Siedler und an Arbeiter in Not weiter.

Innerhalb kurzer Zeit wird die Bande zum Inbegriff des Widerstandes gegen die Ungerechtigkeit der englischen Krone und für die Regierenden zum Staatsfeind Nummer 1. Natürlich konnte die Regierung auf Dauer nicht hinnehmen, dass da „Strauchdiebe“ zum Beispiel 1879 eine ganze Stadt eroberten. Die vier Bandenmitglieder überfielen in der Nacht zum Sonntag die kleine Polizeistation von Jerilderie. Die beiden Polizisten waren Gefangene mit denen die Kelly Bande, nunmehr auch in Polizeiuniformen gekleidet, am Sonntag eine Stadtführung machten. Niemand ahnte etwas. Und am Montag spazierte die Bande in die Bank von NSW und erbeutete 2141 Pfund. Damit erhöhte sich die Raubsumme nach dem Banküberfall in Euroa auf ungefähr 4.400 Pfund. Noch ein gemeinsamer Drink mit den Gefangenen, dann zog die Kelly Bande wieder ab zu ihrem Versteck in Victoria. Die Kopfprämie auf jedes Bandenmitglied wurde nach diesem Coup auf 2000 Pfund erhöht.

Der Brief von Ned Kelly an die Regierung blieb unbeachtet und unbeantwortet. Dieser Brief ist als Jerilderie Letter ein historisches Dokument. 58 Seiten umfasste die anklagende Rechtfertigung. Und wird heute in der Staatsbibliothek von Victoria wie ein Kleinod gehütet. Er beschrieb die örtliche Polizei als „eine Gruppe großer hässlicher, dicknackiger Wompats, mit einer fetten zweibeinigen Elster an der Spitze. Hüftlahme Söhne irischer Gutsverwalter und englischer Gutsbesitzer, die sich Offiziere der Justiz oder der Polizei nennen.“ Das war die Art von Kelly die „Arroganz der Macht“ zu geißeln. Im weiteren Brief stellt er diese Polizei auf die Stufe von Schurken, die wohl nur durch andere Schurken zu fangen sind. Mit diesem Brief, in dem er beschreibt, welcher Willkür seine Familie ausgesetzt war, nimmt er auch Stellung zum dreifachen Polizisten Mord. Er beschreibt, wie die Polizei das Haus seiner Mutter gestürmt hat, die Kinder bedrohte und glaubhafte Drohungen, man würde ihn in Stücke so klein wie Papierfetzen schießen, wenn man auf ihn träfe, äußerten. Die Verteidigung gegen die Polizeistreife war Notwehr, um nicht heimtückisch abgeknallt zu werden.

Hier hatte die Regierung eine einmalige Chance, im Gespräch mit dem Buschräuber und in einem Arrangement deren Räubereien zu beenden. Nachgeben war aber ein Wesenszug, der schon früher einer Regierung nicht zugemutet werden konnte. Das schien Kelly gewusst zu haben. Denn er schließt den Brief mit der Forderung, die reichen Grundbesitzer sollen ihr Land verkaufen und 10 % der Erlöse in einen Fond für Witwen und Waisen einzahlen. Sonst werde er über sie kommen. Er sei der Sohn einer Witwe, er sei gesetzlos und man tue gut daran, seine Worte ernst zu nehmen. „Ich war bislang kein Dieb gewesen und stellte nun überrascht fest, welch ein immenses Vergnügen es ist, den Reichen etwas zu stehlen. Die ganze Zeit lebte ich in ihrem Hinterhof, oft genug saß ich auf meinem Pferd und sah McBean beim Teetrinken zu. Und wenn seine Hunde zu kläffen anfingen blieb ihm nichts anderes übrig als in die wilde koloniale Dunkelheit zu starren. Ihm gehörte dieses Land nicht, es würde ihm nie gehören.“ So ließ Peter Carey in seinem Roman „Die wahre Geschichte von Ned Kelly und seiner Gang“ seinen Helden in einem fiktiven Brief an seine, in Amerika geborenen, Tochter schreiben. Und er löste damit eine landesweite Diskussion aus. Wem gehört Australien? Seine Antwort damals lautete: Niemanden!

Royal Mail Hotel in JelderieDas damalige Royal Mail Hotel in der Jerilderie Street 16 war zwar inzwischen abgebrannt, wurde wieder neu aufgebaut und bekam nach einer Namensänderung nun wieder den alten bekannten Namen. Es heißt wieder Royal Mail Hotel und erinnert so an die Tragödie, die das Ende von Ned Kelly einleitete.
Ganz gleich, welch Strecke man fährt, irgendwann landet man auf der Reise nach Albury in Cobram und somit wieder am Murray River. Dabei lernen wir schon wieder so einen Doppelort kennen, wie wir sie zwischen Echuca- Moama und Albury, wegen der Staatengrenze zwischen Victoria und NSW, nun öfters finden werden Cobram- Barooga ist ein Ort zum Tanken, vielleicht auch zum Übernachten. Stolz sind die Bewohner auf den angeblich ganz guten Golfplatz. Das war es dann auch schon. Immerhin gibt es eine Brücke, die Cobram in Victoria mit Barooga in NSW verbindet.

YarrawongaNach weiteren 37 Kilometern auf dem Murray Valley Hwy kommt Yarrawonga. Erneut eine Twin Town, die Yarrawonga- Mulwala heißt, und in der fast 6 Tausend Einwohner leben. Das 45er Loch Golffeld preist man als den größten öffentlichen Golfkomplex der südlichen Hemisphäre an. Wenigstens mal wieder ein Rekord!

Man könnte hier schon mehr unternehmen. Aber außer dem Kanu- Baum, den es so oft in DU gibt, dem Pionier Museum bliebe eigentlich nur eine Besichtigung der Savernake Pastoral Farm Company, wo die Slogan Family, die seit den frühen 1800ern diese Farm besitzt, stolz auf einer zwei Stunden Rundfahrt, die landwirtschaftlich Flächen die 6000 Schafe und die erhaltenen schon fast antiken Gebäude präsentiert. Sicher ist die Begeisterung für den Rennradsport erwähnenswert. So gab es 1980 schon mal einen Klassiker Melbourne Yarrawonga. Und die 7.Etappe der Herald Sun Tour nach Echuca startete in Yarrawonga.

Foto: Original Brief von Ned Kelly

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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