Mildura und sein Chaffey Trail Mallee Roller - Mildura und sein Chaffey Trail

Mildura und sein Chaffey Trail

Das ist eine gute Idee des Touristikamtes in Mildura. Die Inauguration des Chaffey Trails. Erstens kommt man an den Chaffey Brüdern sowieso nicht vorbei, wenn man sich mit dem Murray River ernsthaft beschäftigt. Und zweitens bleiben die Gründung und der Ausbau von Mildura und seine Umgebung irgendwie immer auch mit dem Namen Chaffey verbunden.

Wie die Brüder nach Mildura kamen hatte ich schon erzählt. Und mit dem Trail, bzw. seinen 8 Stationen, wird versucht, dem Besucher die Realisierung der Visionen des Aufbaus von Australiens ersten Bewässerungssystems zu vermitteln. Welchen Mut, was für eine Tatkraft beinhaltete der Pioniergeist der ersten Siedler.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die genannten Punkte anzufahren und zu besichtigen
Punkt 9 (Wentworth Wharf) hatten wir schon bei der Anfahrt besichtigt. Aus unserer Logik begannen wir den Trail in Wentworth. Noch bevor die Chaffey Brüder aus Kanada kamen herrschte schon eine rege Binnenschifffahrt auf dem Murray River. Der damalige Ankerplatz am Hafen von Wentworth spielte dabei eine wichtige Rolle. Befuhren 1853 nur zwei Dampfboote den Fluss, waren es 1869 schon 19. Viel mehr, nämlich 425 Dampfboote, wurden nach den Unterlagen zum Beispiel 1880 beim Handelskontor von Wentworth registriert. Das war zu einer Zeit, wo die Bewässerung des Landes noch wie eine Utopie erschien.

Nun in Mildura wohnend starteten wir den Trail am Punkt 4, dem Visitor Centre in der Twelfth Street. Hier hatten wir alle Pläne für unsere Besichtigungstouren bekommen. Hier gibt es auch Hintergrundinformationen, die man aber erfragen muß.

Mächtige Mallee WurzelDer eigentlich richtige Trail beginnt eigentlich am Punkt 6, der Old Mildura Homestead. Diese heute zu besichtigende Homestead ist lediglich eine getreue Nachbildung der ersten Mildura Station von 1850. Eine schöne Liegenschaft am Murray River, die sich der Schafzucht verschrieben hatte. Natürlich wucherte damals überall, so auch hier, dichter Mallee Busch.

Mit dem Mallee Roller, von Ochsen gezogen, planierte man die Erdoberfläche, um dann zum Schluss auch noch die zum Teil fast übermächtigen Wurzeln aus dem Boden zu ziehen.

An den nebenstehenden Bildern soll demonstriert werden, mit welchen Probleme die Siedler zu kämpfen hatte.

Chaffey HomesteadUnd es scheint unvorstellbar, dass derartige Wurzelstümpfe einst aus dem Boden, den heute ein gepflegter Rasen bedeckt, herausgezogen wurden. Diese mächtigen Knollen sind das Geheimnis, warum Mallegewächse auch schlimmste Brände überstanden und immer wieder aus der Tiefe neue Triebe an die Oberfläche schicken konnten. Die Rodung gelang eigentlich nur mit Hilfe großer Traktoren, den „Stumpfextraktoren“. 1888 arbeiteten zunächst nur drei dieser „ Monkey Cappers“. Doch erweiterte man den „Fuhrpark“, auf neun Extraktoren. Was sollte man auch anderes tun? Man brauchte Weideland für die Schafe und die Rinder. Darüber geben auch die Fotos und die Dokumente in der Homestead Auskunft. Eine Ausstellung, die versucht, den Werdegang des Irrigation Schemes von den ersten Siedlern bis zum Bau der Pumpstationen darzustellen. Dem folgen dann die Bilder von stolzen Farmern aus dem Jahr 1894, mit der wieder ersten guten Aprikosenernte nach einer langen, langen Zeit der Trockenheit.
Chanel Ein Bild mit einer nennenswerten Vorgeschichte. Im Kapitel Old Murray River hatte ich schon erwähnt, warum das Salz des Bodens das Wasser salzhaltig und somit ungeeignet für die Bewässerung machte. Ehemalige Minenarbeiter hatten damals die Idee, das Wasser vor dem Bewässerungseinsatz über Sandsickerschächte laufen zu lassen. Mit einem enormen Erfolg, den man an der reichlichen Ernte sah.

Diese Homestead wurde der erste Wohnraum der Chaffey Brüder. Und es gab sogar eine Telefonverbindung zwischen der Homestead, der Chaffey Work Station und der Pumpenstation. Diesem Herzstück ist ein weiteres Kapitel der Ausstellung gewidmet. Ziemlich genau wird der Aufbau der ersten Pumpenstation mitverfolgt. Die erste Pumpenstation arbeitete 1889 hier bei der Homestead. Und die Kanäle, in die man das Wasser aus dem Murray River pumpte, sahen zwar primitiv aus. Aber sie waren effektiv. In der 1888 erschienen Zeitung „The Cultivator“ sind interessante Details nachzulesen. George ChaffeyIn einem der Räume steht ein ziemlich großer „Kühlschrank“ aus dieser Zeit, wie wir ihn schon im Goldland von WA kennen lernten. Apparate, die mit der Verdunstungskälte von Salzwasser kühlten. In einem Zeitungsartikel ist zu lesen, dass 1894 bereits 8000 Acres Land (also über 32 Tausend Km²) kultiviert waren. Hätten die Australier nicht Grund gehabt, diesen Kanadiern zu danken? Das Gegenteil schien der Fall. Eine ungehemmte Pressekampagne gegen die Chaffey Brüder führt schließlich dazu, dass einer der Brüder (George) resignierte und nach Amerika zurück ging. Über die Angriffe auf die Leitung des Irrigation Schemes ist schon gesprochen worden. Doch die am Anfang unsachlichen Attacken, wie eine Karikatur aus Melbourne, wo zwei Yankees einen Fisch fangen, auf dem „Victoria“ steht. Oder Zeitungskommentare wie „das Gebiet Victorias hängt am Haken der Yankees“, waren der Auftakt zu einer staatlichen Neureglung der Zuständigkeit für die Bewässerung. Sofort ist mir beim Lesen dieser Umstände Shakespeares „Othello“ (Der Mohr hat sein Schuldigkeit getan) eingefallen. William Shakespeare schien seine Landsleute sehr gut zu kennen.

Küfer WerkstattIn der interessanten Küfer Werkstatt waren neben der Darstellung der Herstellung von Fässern für den Wein auch die Originalgerätschaften zu sehen. Und ein Bilderquerschnitt über das Leben der ersten Siedler.

Eine völlige Neuheit stellte für uns an diesem Haus die einzigartige Dachbalkenbefestigung dar. Diese wurden bei der Herstellung verdrahtet und nicht genagelt. Hatte sicher seinen Grund.

Auf dem großen Areal steht auch ein ehemaliger Schafstall, kann man eine Schmiede der ersten Jahre besichtigen, gibt es verschieden Tiertränken. Und zu guter Letzt liegt da noch ein aufgedecktes Boot von 1877 am Ufer. Mit dem Ding auf dem Murray schippern? Was waren das doch früher für wirklich mutige und kühne Männer! Und die hätten sicherlich nur verächtlich über diese „Camp Survival Spiele“ oder die „Container Unterhaltung“ in der heutigen Zeit gelächelt.

Für mich eine Art Höhepunkt der Ausstellung ist die Nachbildung einer Kanone, die Sturt zwischen 1825 und 1845 stets auf seinem Boot mit sich führte. Je mehr ich die Umstände im Detail kennen lerne, umso größer wird meine Hochachtung vor diesen Entdeckern, Pionieren, Forschern. Männern, denen Australien so viel zu verdanken hat. Es sind eben Helden! Und die ersten wirklich echten „Fair Dinkum“ Australians!

Weir Lock 11Willam ChaffeyDie nächste Etappe des Trails, Rio Vista, Punkt 8, wird zwar besichtigungswürdig empfohlen. Man kommt aber nicht ran. Alles verschlossen. In dem vornehmen Gebäude lebte W.B. Chaffey, der 1903 zum Präsidenten des Shire Mildura gewählt wurde. Als 1920 Mildura Stadtrecht bekam, war er der erste Bürgermeister. Also hat der Yankee doch zum Schluss noch gesiegt!

Käme als nächste Besichtigungspunkt Lock 11 und der Staussee von Mildura. Das ist der Punkt 3 auf der Karte. Schleuse, Staumauer und Weir sind am Lock 11 getrennt. Eine erwähnenswerte Besonderheit. Der dicke Strich auf der Karte bei Punkt 3 soll die Schleuse und der dünne Strich die Staumauer symbolisieren. Im herrlichen Rio Vista Park vor der Schleuse ist eine alte Lock valve (Schleusenklappe) ausgestellt. Die vier täglichen Öffnungszeiten sind angeschlagen. Und viel Menschen lassen sich so ein Spektakel, nämlich die Beobachtung einer Schleusendurchfahrt, nicht entgehen. Vom Lock 11 ist es nicht weit zur nächsten Station des Trail. Punkt 5 bezeichnet die historische Anlegestelle (Mildura Wharf). Das ist ein Liegeplatz für eine Vielzahl historischer Schaufelraddampfer. Und natürlich starten von hier auch die Kreuzfahrtsschiffe. Ob es eine nostalgische Atmosphäre am Liegeplatz gibt?

Foto: Dieter Tischendorf

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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