Hausbootstart

Murray River, grünes Ufer Das grüne Ufer des Murray River

Hausbootstart mit Verzögerung


Auf dem ersten Blatt der Company Karte sieht man gegenüber dem Hausboothafen eine dicke rote Fläche hinter einer schwarzen längliche Struktur, die die Insel Long Island darstellen soll. Pech für die Insel, dass sie exact gegenüber dem Anlegeplatz lag. Das rückwärts Ausparken vom Liegeplatz gelang problemlos, da ich auch hier wieder schneller fahren durfte und niemand den Murray befuhr. Meine Frau und ich hatten am Abend vorher abgesprochen, dass wir auf den „Abstecher“ flussabwärts nach Tailem Bend verzichten wollten. Erst mal raus aus dem Bereich Murray Bridge. Dann sehen wir weiter. Also drehte ich nach dem „Ausparken“ das Boot mit dem Bug in die Strömung. Wollte ich jedenfalls. Aber Bella Casa war da anderer Meinung und hatte wohl keine Lust auf eine Zweiwochenfahrt. Trotz heftiger Lenkbewegungen nach rechts trudelte der Kahn mit 2.500 Umdrehungen zurück in Richtung Anlegeplatz. Das reichte mir. Also drehte ich das Steuer bis zum Anschlag nach recht. Bella Casa muß das als persönliche Kriegserklärung verstanden haben. Das Boot drehte zwar nach rechts in Richtung flussaufwärts. Hörte aber trotz Gegensteuern mit der Drehbewegung nach rechts nicht auf und näherte sich nunmehr Long Island. Damals war mir noch nicht bekannt, dass so ein Hausboot bei so langsamen Fahrt als Antwort auf jede Lenkbewegung 10 bis 13 Sekunden braucht. Long Island kam bedrohlich näher. In großer Not lenkte ich nunmehr maximal nach links. Bella Casa schien auch nicht scharf auf eine Kollision mit der Long Island zu sein. Das Boot drehte endlich ein wenig nach Backbord. Damit fuhren wir parallel zur Insel und wir rasierten alle überstehenden Äste und Zweige in sauberer Gerade ab. Ich glaube, vom Ufer aus muß meine Fahrt wie die eines Betrunkenen ausgesehen haben, eigentlich muss die Stadt mir dankbar sein, für die teilweise exakte „Uferbegradigung“ des Mittelstückes von Long Island. Ich brauchte mehrmals die Breite des Murray zwischen Ufer und Long Island, bis ich das Boot auf einen einigermaßen geraden Kurs hatte. Die erste Hürde, nämlich den Fahrspurwechsel nach dem Passieren Long Islands bekam ich (oder besser das Boot) ganz gut hin. Zumal ich inzwischen gelernt hatte mit der Zeitverzögerung auf Richtungsänderung und durch die notwendigen Zurückhaltung bei Steuerbewegungen, auch Dank der Ratschläge meiner Frau, einigermaßen zurecht kam.

Aber da näherten wir uns schon zwei weiteren üblen Gefahrenmomenten. Es kamen nämlich zwei Brückendurchfahrten mit der Möglichkeit, mit vier verschiedenen Pfeilern zu kollidieren. Die Eisenbahnbrücke und gleich dahinter die mächtige Autobrücke.

„Der Mensch denkt und Gott lenkt“ ist ein Spruch, den ich noch aus dem Konfirmationsunterricht kannte. So bat ich den lieben Gott, meine Hände so zu lenken, dass wir heil beide Brückendurchfahrten überstehen würden. Auch Bella Casa schien gläubig zu sein. Denn nachdem das Boot merkte, dass wir nunmehr unter göttlichen Schutz standen, machte es auf der weiteren Fahrt viel weniger Sperenzchen.

Nach dem Passieren von Thiels Landing und der zwei Kilometer weiter kommenden mächtigen Pumpenstation (Kilometer 116) fuhr ich aus Sicherheitsgründen ein wenig zu sehr in der Flussmitte. Wir passierten Edwards Crossing, das Wetland Jury Swamp und den Avoca Dell Reserve Caravan Park. Gerade hatte ich mich auf eine gemütliche Weiterfahrt eingerichtet, als ich durch ein markdurchdringendes, lautes und gefährliches Hupsignal hinter mir aus der Ruhe gerissen wurde. Der Stolz der Murray Schifffahrt, der prächtige Raddampfer „Murray Princess“, der regelmäßig zwischen Murray Bridge und Swan Reach verkehrt, war mit ziemlichen Tempo knapp 50 Meter hinter uns und auf dem besten Weg uns rechts zu überholen.

„Was tun?“ dachte ich. “Mit der langsamen Kiste komme ich doch auf keinem Fall ohne Zusammenstoss an die rechte Flussseite!“ So hupte ich zurück und blieb bangen Herzens in der Flussmitte. Dabei versuchte ich das Hausboot vorsichtig noch etwas mehr nach links zu orientieren. Bella Casa schien gemerkt zu haben, dass es um ihr Leben ging. Das Hausboot gehorchte ohne Mucken und der Riese zog, uns nicht mehr beachtend, an uns vorbei. Dafür hatten wir geraume Zeit Schwierigkeiten, bei den nicht unerheblichen Heckwellen im Fahrwasser des Dampfers auf Kurs zu bleiben.

Irgendwo zwischen dem Ponde und der Pompoota Irrigation Area versuchte ich die erste Landung, um den Stress des ersten Tages ausklingen zu lassen. Wir hatten ja 14 Tage Zeit. Und weiter bis Swan Reach am Kilometer 246, der Hausboothafen in Murray Bridge liegt am Kilometer 110, durften wir sowieso nicht fahren. Bis Swan Reach rechneten die Betreiber mit einer Fahrzeit von 20 Stunden. Das Boot würde pro Fahrtstunde 15 Liter Benzin verbrauchen und im Tank befanden sich 450 Liter, ohne Tankanzeige. Nachtanken war also auf alle Fälle an einer der uns benannten vier Tankmöglichkeiten erforderlich.
Der Entschluss zur Landung war auch deswegen, um meinen Schock über die Murray Princess abzubauen.

Sandsteinklippen behindern das Anlegen am Ufer des Murray RiversWir entschlossen uns also irgendwo anzulegen. Und zwar kurz vor Wood Lane Reserve. Allerdings am steinigen rechtem Ufer.
Beim ersten Versuch trieben mich Wind und Wellen so schräg an das Ufer, dass mir ein Nachjustieren des Bootes nicht gelang. Beim zweiten Versuch bemerkte ich kurz vor dem Anlegen im Wasser des Uferbereiches allerlei Bäume und Steine, sodass ich den Versuch mit vollem Rückwärtsgas abbrach. Doch der dritte Anlauf gelang. Das Boot stand fast wie im rechten Winkel zum Ufer. Dagmar übernahm Steuer und Ausrichtung gegen Wind und Wellen. Und ich stürzte mit dem ersten Tau erst mal kräftig auf die Nase, als ich auf der Suche nach einem passenden Baum in ein von Gestrüpp verdecktes Loch fiel. Bald waren auch die drei anderen Taue an den Bäumen befestigt. Die erste Etappe war überstanden. Wir stellten den Motor ab. Kontrollierten noch einmal, ob die Seile auch richtig vertäut waren. Nur vom sogenannten Hochgefühl einer Murray Reise hatte ich nicht sehr viel mitbekommen. Aber das hatte uns Peter schon bei der Abfahrt prophezeit. „Die erste Etappe ist die Lernetappe“ sagte er. „Dann habt ihrs drauf!“. Es konnte also nur besser werden.

Wildhund am Ufer des Murray Rivers„Wir bekommen Besuch“ meint Dagmar. Und wirklich. Zwei Wildhunde näherten sich vorsichtig, vom Berg herunter kletternd, unserem Boot.
Als Dank für die kleinen zugeworfenen Happen haben uns die zwei dann in der Nacht das Oberdeck verwüstet.
Wir hatten aber endlich Zeit, vom Liegeplatz aus Umgebung und Fluss bewundernd zu genießen.

Foto: Dieter Tischendorf

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