Goose Bluff

Goose Bluff ist heiliger Platz für die Ureinwohner. Trotzdem sind die Zufahrt und die Besichtigung mit Permit gestattet.
Schon von der Straße fallen die urplötzlich auf der flachen Ebene stehenden ziemlich großen Felsenmassive auf. Die Zufahrt wird noch holpriger als der bisherige Weg.

Sie nennen den großen Krater, der im Unterjura vor exakt 142,5 Millionen Jahren (+/- 0,8) durch einen Kometeneinschlag entstanden ist, Tnorala. Mit „gefallene Sterne der Milchstraße“ wird dieses Wort übersetzt. Die Wissenschaftler haben errechnet, dass der Einschlagskrater 22 Kilometer beträgt. Daraus schlussfolgerten sie, der Komet müsse einen Durchmesser von einem Kilometer gehabt haben. Neue Berechnung sprechen von einem Durchmesser von 600 Metern und einem Gewicht von 15 Tausend Megatonnen. Er vernichtete im Umkreis von 20 km² alles, was zu vernichten war. Seine Durchschlagskraft entsprach der von 1 Million Hiroshimabomben. Der Aufprall und die Energiefreisetzung pulverisierten alle Steine bis in sechs (!) Kilometer Tiefe und natürlich auch die der Umgebung. Regelrechte Schockwellen wurden ausgelöst, die die Fragmente des zerstörten Gebirges hoch in die Atmosphäre schleuderten.

Mit den Jahren reduzierte sich die Kraterbreite durch Erosion seiner zunächst ungeschützten Oberfläche auf einen heutigen Sandsteinring von fünf Kilometer Breite und 150 Meter Tiefe.

Ich kann mir sehr anschaulich die Überraschung von Ernest Giles 1872 vorstellen, als er den Krater entdeckte. Ob er ihn auch nach Harry Gosse, einem Wissenschaftler, ebenfalls aus der Royal Society, genannt hätte, in der Kenntnis, dass dessen Bruder William ihm ein Jahr später bei der Besteigung und Namensnennung des Uluru zuvorkam?

Unbestritten ist, dass Gosse Bluff der am besten wissenschaftlich untersuchte Krater in DU ist. Doch der größte ist er nicht. Das ist der Wolf Creek, der rund 130 Kilometer südlich von Halls Creek liegt und vor 300 Tausend Jahren entstand. Natürlich ist auch der eine heilige Stätte für die Djaru, wie der Stamm der einheimischen Ureinwohner heißt. Dieser Krater hat nach den Legenden der Ureinwohner eine der zwei Regenbogenschlangen, die die Wüste durchquerten, geschaffen.

Goose BluffDa haben die West Arrernte (auch Arrerente Aranda oder Arunta genannt) eine andere Deutung für ihren Krater. In der Traumzeit tanzte eine Gruppe von Frauen am Himmel. So wurden die Sterne geformt. Beim Tanz verlor eine der Frauen, die schwanger war, ihr Baby, dass auf die Erde fiel und den Krater verursachte. Seine Fruchtblase aber rettet ihm das Leben. Jeden Morgen schaut der Vater als Morgenstern, und jeden Abend die Mutter als Abendstern nach dem Kind.

Eine andre Version beschreibt, dass die Mutter ihr Baby am Rand der Tanzfläche ablegte. Und zwar in einer Tnorala, einer Holzschale. Aus Versehen stieß jemand beim ausgelassenen Tanz gegen die Schale. Und das Kind stürzte auf die Erde. Und die Schale fiel auf das Kind. So sehen die Ureinwohner im Kraterrand auch den Rand der Holzschale.

Es wird von den Wissenschaftlern vermutet, dass damals ein Meteoritenschauer über die Gegend um Alice Springs herunter gekommen ist. Dafür sprechen weitere Krater nordöstlich und südlich von The Alice und viele gefundene Meteoritenfragmente.
Ich hatte im ersten Australienbuch in der Geschichte „Die älteste Kultur, die überlebte“ auch über Tjukurpa geschrieben. So nennt das Volk der Luritja die gegebenen Lebensregeln seit der Traumzeit. In der Aranda Sprache, die hier zuständig ist, bezeichnet man diesen Kodex als Tnengkerre.

Wir fahren über eine ziemlich schlechte Strasse mit vielen Schlaglöchern bis in die Mitte des Kraters. Tnorala Conservation Reserve heißt die geschützte, vom Kraterrand umgebene Landschaft, die es um ein Haar nicht mehr gegeben hätte. Die Probebohrungen nach Gas bzw. Öl 1988 waren nicht Erfolg versprechend. So ließ man die Landschaft in Ruhe, und zog weiter. Doch die Reste der Probenbohrungen sind heute noch zu sehen. Die Heimat der Tiere und der seltenen Pflanzen blieb erhalten. Besonders wird der Besucher auf den Desert Grass Tree, der um den Krater wächst, hingewiesen.

Im Krater, also im Naturschutzgebiet, befinden sich Parkplätze, Picknickplätze, Toiletten. Und mehrere Informationstafeln, die die Geschichte von Tnorala erzählen. Man kann dort die Erklärung finden, warum hier niemand siedelt, warum hier keine Campingerlaubnis gegeben wird.

Früher gab es in Tnorala eine Wohnstätte der Ureinwohner. Als ein Jäger des Stammen eines Tages von der Känguru Jagd zurückkam, fand er alle Mitglieder seines Stammes erschlagen.

Er wusste sofort, dass dies nur ein Kateischa Mann gewesen sein konnte. Mit Hilfe seiner Verwandten, die in den Bergen um Tnorala lebten, gelang es den Mörder zu fangen und zu töten. Seitdem darf niemand mehr in Tnorala siedeln, geschweige denn zu übernachten. Sonst könnte der Geist des Kateischa Mannes wieder zum Leben erweckt, sein blutiges Tun fortsetzten. Der Ort wurde zum Sorry Place.
Eigentlich haben wir im Reserve nicht viel unternommen. Sind etwas herumgelaufen, haben den Lookout besucht und ein paar Fotos geschossen. Das war’s dann auch schon.

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