Ron Clarke

The Puncher - Ron Clarke


“Ich glaube, ich kann laufen, wie ich will. Ich werde hier in Melbourne wohl immer nur „Jack Clarkes brother“ bleiben.“
Das sagte Ron Clarke, der wohl berühmteste Läufer Australiens, dessen Bruder ein sehr guter Australian-Rules Footballer war. Ron ist unbestritten der Berühmteste, obwohl The Puncher, wie man ihn nannte, in seiner Karriere „nur“ eine Olympische Medaille (Bronze 1964 in Tokio über 10000 Meter) errang. Und auch bei den Commonwealth Games 1962, 1966 und 1970 reichte es ebenfalls „nur“ für vier Silbermedaillen. Dem gegenüber stehen aber 19 aufgestellte Weltrekorde. Unvergesslich sein 10.000 Meter Weltrekord am 14.Juli 1965 in Oslo. Mit unglaublichen 27:39,4 pulverisierte er seinen eigenen Weltrekord (28:15,6 von 1963) um unfassbare 34,6 Sekunden. Ein Meilenstein in der Geschichte der Leichtathletik. Sieben Jahre hielt die Marke allen Angriffen stand.

Schon als Melbourner Schuljunge fiel der am 21. Februar 1937 geborene Ron durch sein läuferisches Talent auf. Er war der schnellste Juniorenläufer der Welt. Aber er spielte auch Football. 1954 erhielt der 17 jährige Ron, der nicht so recht wusste, für welche Sportart er sich entscheiden sollte, einen Brief vom großen John Landy, mit vielen Trainingstipps. „Dieser Brief gehört noch heute zu meinen größten Kostbarkeiten“ sagte Ron bei einem Interview.

Die Geschichte mit dem Sturz und dem olympische Fackellauf habe ich bei der John Landy Story schon erzählt. Und als alle dachten, nun entwickelt sich ein neuer Wunderläufer, hörte der Student der Finanzwisssenschaften mit der Leichtathletik auf. Er lernte seine noch heutige Frau Helen kennen, fand den Aufbau einer harmonischen Beziehung wichtiger, als sich im harten Intervalltraining zu verschleißen. „Die große Hoffnung Australiens, Ron Clarke, ist in das Dunkel der Bedeutungslosigkeit zurück gefallen“ schrieb eine englische Leichtathletikzeitung 1962. Und derselbe Journalist berichtete an gleicher Stelle ein Jahr später. „Ich habe in Sydney einen 10.000 Meter Lauf gesehen, der mich wie kein anderer beeindruckt hat. Verlierer waren der 10.000 Meter Bronzemedaillengewinner von Rom Power, der Commonwealth Hindernissieger von 1963 (Perth) Vincent und die starken Japaner Watanabe, Kimihara, Sato. Im Ziel waren sie alle nicht mehr zu sehen. Der Sieger Ron Clarke hatte sie fast „auseinander genommen“. Schon einen Monat später ließ der Puncher die Weltrekorde über 6 Meilen und 10.000 Meter folgen. A star was born!

Ron ClarkeÜber den olympischen 10.000 Meter Lauf in Tokio, wo Clarke die Bronzemedaille gewann ist viel geredet und geschrieben worden. Der große Emil Zatopek bezeichnete diesen Lauf als das größte olympische 10.000 Meter Rennen aller Zeiten. Viele Experten sind auch heute noch der Meinung, dass Clarke nur sein Tempo bis zum Schluss hätte weiter bestimmen müssen, um zu gewinnen. Dieser Lauf, so seine Kritiker, sei der beste Beweis, dass sein Problem schon immer die vielleicht ihm mangelnde taktische Flexibilität war. Stets bestritt er seine Rennen mit einem hohen Anfangstempo. Mit dieser Flucht nach vorne ging er zwar allen Komplikationen zu Beginn eines Rennens aus dem Weg, zum Ende reichte es dann aber vielfach nicht mehr. Das Publikum liebte ihn zwar dafür, doch bei großen Meisterschaften blieben für ihn meist nur „Ehrenplätze“. Clarke sah das anders. „Ich bin kein großer Spurtläufer. Ich muß auch meine Gegner führen lassen, damit sie ihre Kräfte verbrauchen. Die anderen Läufer werden fast immer siegen, wenn sie die letzte Runde genauso frisch wie ich angehen.“

Alle drei Medaillengewinner blieben unter 28:30 min. Für Clarke war die Olympiade eher Ansporn. In den ersten 10 Wochen des Jahres 1965 startet er 23 Mal (zwischen 880 Yards bis zu den 10 Meilen). 23 Rennen in 73 Tagen, das heißt jeden dritten Tag einen Wettkampf, von denen drei mit einem Weltrekord endeten. Und als seine Gesamtantwort auf die olympische Niederlage lief er zwischen Dezember 1964 und Juni 1965 sechs Weltrekorde. Der Puncher schlug zurück, besiegte sogar den 5000 Meter Olympiasieger Schul (USA) im Spurt!

Und dann kam dieser 14. Juli 1965 in Oslo. Ein Weltrekordlauf über 10.000 Meter, der alle Vorstellungen sprengte. Schon die 5.000 Meter Zwischenzeit (13:45 min) hätte zum Platz 24 in der ewigen Weltbestenliste gereicht.
Unter dem Strich bleibt für 1965 eine einzigartige niemals wiederholte Erfolgsserie. Ron stellte in einem Zeitraum von 6 Wochen in 16 Rennen in acht verschiedenen Ländern 11 Weltrekorde auf!

Ron Clarke im RennenNiemals überwunden hat Ron die vernichtenden Niederlagen bei der Olympiade 1968 in Mexiko. „Ich stand förmlich neben mit“ sagte der Champion über die damalige Situation. Zermürbt durch Hitze, die Luftfeuchtigkeit, die unglaubliche Umweltverschmutzung der Luft in Mexico City, verbunden mit dem ungewohnten Sauerstoffmangel in der Höhe war Clarke nicht in der Lage, zumindest sein durchschnittliches Leistungsvermögen zu erbringen. Die Schilderung der örtlichen Witterungsbedingungen auf den Gesundheitszustand von Ron Clarke liest sich dramatisch und bedrohlich. „Ich denke, es war ein Fehler, die Spiele nach Mexiko zu vergeben“ sagt Clarke heute.

An Ehrungen hat es in seinem Leben nicht gemangelt. 1965 wählte in die BBC zum Internationalen Sportler des Jahres, gleichzeitig wurde er Weltsportler des Jahres, Athlet des Jahres in den USA und im United Kingdom. 1966 wählte ihn die französische Spotakademie zum Weltsportler 1966. Natürlich wurde er auch mit dem Orden MBE ausgezeichnet.

Schon während seiner sportlichen Karriere begann auch sein erfolgreicher geschäftlicher Aufstieg. Er organisierte und beaufsichtigte die Verbreitung bekannter Sportmarkenartikel (Adidas, Niki, Le Coq Sportif) in Australien. Später zog die Familie nach England um. Nach einer 13 jährigen Tätigkeit im Health und Fitness Club London und im Cannon Country Club in Bath kam er mit seiner Frau Helen und den drei Kindern zurück nach Australia. Von 1995 bis 2000 leitete er Planung und den Bau des später 15 Mal ausgezeichneten Couran Cove Resort in South Stradbroke Island an der Goldküste.

Durch sein sportliches Vorleben, durch seine glückliche Ehe und durch seine beruflichen Erfolge hat sich Ron immer mehr zu einem Philanthropen entwickelt. Ein Teil seiner 12 Bücher behandeln dieses Thema. So wurde er folgerichtig 2001 in Melbourne Präsident des CEPA Trust (Council for the Encouragement of Philanthropy in Australia).
Dem folgte 2004 seine Wahl zum Bürgermeister von Gold Coast.

Der Mensch und Sportler Clarke war und ist bei dem Publikum und den Sportskameraden sehr beliebt. Jeder der damaligen Weltklasseläufer, die auf den fast 10 Jahre bestehenden 5.000 Meter Weltrekord von Wladimir Kuz (UdSSR) Jagd machten, bestätigte, dass Ron Clarke, der diesen Rekord am 16.Januar 1965 in Hobart unterbot, der würdigste und beste Nachfolger von Kuz wäre.
Clarke wurde auch der „Gentleman der Aschenbahn“ genannt. So trat er 1965, weil er aus Termingründen nicht am Endlauf teilnehmen konnte, bei einem Vorlauf zur Meisterschaft von Victoria, in Führung liegend, kurz vor dem Ziel von der Aschenbahn, um anderen Läufern nicht die Endlaufchance zu nehmen. Bei anderer Gelegenheit ging er nach einem Weltrekordlauf zum Mikrofon und bedankte sich bei den Zuschauern für die Anfeuerung.

Ron Clarke heuteZum Olympischen Fackellauf 1956 vertrat er immer die Meinung, dass seine Wahl zum Endläufer falsch war. Viel eher hätte das Majorie Jackson, Weltrekordlerin, Weltmeisterin und olympische Goldmedaillengewinnerin von 1952 Meter verdient. „Ich hatte damals eben Glück“ kommentierte er die Situation von 1956, nunmehr als Bürgermeister der Gemeinde Gold Coast (Queensland), im Jahr 2006. „Aber Majorie bekam ja noch die ihr zustehende Anerkennung, als sie eine der acht Olympiafahnenträger 2000 in Sydney wurde.
Im März 2006 war auch Ron Clarke einer der Schlussläufer des Fackellaufes bei der Eröffnungszeremonie der Commonwealthspiele in Melbourne. Diese Ernennung ist eine hohe Auszeichnung für australische Sportler.

Gefragt, ob das Entzünden der Olympischen Flamme 1956 in Melborne der größte Moment seines Lebens war, verneinte der 69 Jährige lachend.

“Die größten Glücksmomente in meinem Leben waren in dieser Reihenfolge die Hochzeit mit Helen, das Aufstellen neuer Weltrekorde und das Erleben, wie mein Bruder Jack 1965 Essendon zur Meisterschaft führte.“

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