Australischer Babyboom

Stellen Sie sich bitte vor, dass der deutsche Finanzminister an die deutschen Familien appellieren würde, in Zukunft drei Kinder in die Welt zu setzen. „Eins für Mama, eins für Papa und eins für das Land!“ Er würde wohl nur schweigende Nichtbeachtung, Hohn oder den Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit ernten.
Ein solches Ereignis gab es aber 2004 in Australien. Der Schatzkanzler der Howard Regierung, der dreifache Vater Peter Costello, löste mit den Worten „Have one for mum, one for dad and one for the country“ einen einzigartigen australischen Babyboom aus.

Allerdings glauben viele australischen Kenner der Szene, dass es nicht das Vorbild des Peter Costello war, auch nicht seine flammenden Worte, sondern ganz einfach der von ihm initiierte steuerfreie Babybonus von zunächst 3000 AUD pro Kind. Ein Bonus der inzwischen auf 4000 AUD erhöht wurde.

In meinem Internetbuch über Tasmanien (www.the-apple-island.de) versuchte ich in einem viel gelesenen Artikel die Besonderheiten der Demographie Australiens zu erläutern. Der Beitrag endete mit der Feststellung, dass der dramatische Rückgang der Geburten pro Frau in Australien gestoppt scheint. Mit der Rate von statistisch 1,81 Kindern pro Frau geht es seit 2005 wieder aufwärts. Bei den Ureinwohnern ist die Geburtenrate noch günstiger. 5 % der 2005 geborenen Kinder wurde von Aboriginal Frauen geboren. Deren Geburtenrate liegt mittlerweile bei 2,3. Statistiker haben ausgerechnet, dass Australien eine Geburtenrate von 2,1 benötigt, damit die Einwohnerzahl nicht schrumpft. In Deutschland liegt dieser Quotient bei 1,33 mit fallender Tendenz.

Und bis Ende 2007 hatte die Einwohnerzahl von Australien durch die Geburten um weitere 1,4 % zugenommen. Mit dem Einwanderungsprogramm, das jährlich rund 100.000 Menschen, darunter viele hochqualifizierte junge Facharbeiter, aus anderen Nationen ins Land bringt, gibt es einen weiteren Faktor für die ständige Zunahme der Bevölkerung. Darunter sind auch rund 12.000 Flüchtlinge pro Jahr, die Australien in einem geordneten Verfahren in Zusammenarbeit mit dem UNHCR (Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen) aufnimmt.

Inzwischen werden in Down under auf statistisch 1000 Einwohner 12,2 Kinder geboren. Dem steht eine Sterberate von 7,56 Personen pro 1.000 Einwohner gegenüber. Diese absolut positive Erhaltung der einfachen Reproduktion der Bevölkerung (es werden mehr Bürger geboren als versterben) scheint der Garant zu sein, nach dem die Analytiker für Australien bis 2050 einen Anstieg der Bevölkerung auf 24 Millionen Menschen voraussagen.

Im Vergleich dazu wird in Deutschland mit einem Rückgang der Bevölkerung bis 2050 auf 60 bis 80 Millionen gerechnet.
Die niedrige Sterberate besteht in Australien trotz zunehmender Alterung der Bevölkerung. Aber die Kostensteigerungen, auch die Reformen im Gesundheitswesen und in der Altersversorgung verlaufen in Down under unspektakulärer als in Deutschland Vielleicht liegt es daran, weil es nur eine Krankenkasse gibt, vielleicht, dass die Aussies, auch durch die Sonne anspruchloser sind, vielleicht auch, weil die Politiker mehr Kontakt zur Basis halten. Eigentlich haben wir in Oz kaum ältere Menschen getroffen, die in Sorge um ihr Altenteil leben oder klagen. Und das trotz der Diskussionen über zunehmende Selbstbeteiligungen.

Und die Geburtenrate stieg von 1,77 auf 1,81 Kinder pro Frau. So wurde 2006 mit 265.922 Neugeborenen erstmals die bis dahin bestehende letzte Höchstmarke von 1971 überschritten. Doch die Geburtszahlen der 60er Jahre, als die Australierinnen im Schnitt 3 bis 4 Kinder bekamen, werden wohl nie wieder erreicht werden. Trotzdem wächst die australische Bevölkerung zurzeit in Relationen gesehen doppelt so stark wie die Chinas (!) und dreimal so stark wie die Europas. Ein für hochentwickelte Industrieländer einmaliger Vorgang! Zu dessen Verständnis der Vergleich zum Wachstum von Deutschland dienen möge, der 2007 Minus 0,033 % betrug und sich wohl noch weiter ins Negative entwickeln wird. Es nicht sicher, ob das eingeführte Elterngeld in Deutschland einen ähnlichen Effekt auslösen kann. Die zur Erhaltung der einfachen Reproduktion der Bevölkerung benötigte Geburtenrate sind 2,1 Kinder / Frau. Sie beträgt aber seit Jahren nicht mehr als nur 1,4 Kinder pro Frau.

Neben dem Baby Bonus ist natürlich die wirtschaftliche Sicherheit der Australier bei einer wachsenden Industrie und niedriger Arbeitslosenquote (4,2%) ein weiteres wichtiges Standbein für eine junge Familie, sich Kinder anzuschaffen.
Und es gibt noch diesen grundlegenden Unterschied zwischen Australiern und Deutschen. Die Australier lieben ihre Nation, ohne nationalistisch zu sein. Und sie registrierten sehr wohl die Botschaft des Staates an seine Bürger. Und das Vertrauen und die Wertschätzung, die man ihnen entgegen bringt und der die „no worries“ Haltung der optimistischen Australier unterstützt.

Die Auseinandersetzung über die Bedeutung der Demographie in den Industrieländern wird durch die Globalisierung, durch eine totale Änderung des Profils der Arbeitsmärkte, durch die veränderte altermässige und ethnische Zusammensetzung der Gesellschaft stark einem Wandel unterzogen werden. Aber Australien hat bei diesem Strukturwandel wieder einmal gute Voraussetzungen für einen Erhalt. Und diesmal ist es nicht der Inselcharakter des Kontinents, der einst die einzigartige Flora und Fauna bedingte.

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