The Australian Capital Territory

Die politische Landkarte Australien sieht akkurat aus. Schnurgerade Grenzen zwischen den Bundesstaaten, rechteckige Muster. Korrekt nach britischer Art. Und da kommt im Südosten so ein ungleichmäßiger kleiner Fleck. Stört richtig. Folglich wurde er für viele Jahre auf den Karten einfach weggelassen. Der „Flecken“, mit 2366 Km² ungefähr so groß wie das Saarland, heißt Australian Capital Territory. Der kleinste Bundesstaat des Landes.

Auf dem Kings Hwy starten wir am nächsten Tag unsere Reise zur Sonne. Eine romantische hüglige Strasse mit vielen Kurven. Im berühmten und historischen Nellingen lohnte das Kriegerdenkmal nicht das Aussteigen. Zunächst nur ein Hafen für das Tafelland, kam es 1853 zur Stadtgründung. Interessant vielleicht, dass man bei rauer See die Passagiere zum Schiff ruderte und in einem Korb an Bord holte. Nun ging es hinauf nach Braidwood, einem Gipfelpunkt der Great Dividing Range. Fuhren wir in den Wolken? War das Nebel? Aller drei Kilometer machten Hinweisschilder an der kurvigen Strecke Mut, dass Braidwood bald kommen würde. Schon wieder eine „historische Stadt“. Kennst Du eine, kennst Du alle! Der Ort erinnert nicht zuletzt wegen der Höhenlage etwas an Dorrigo. Die Benzinpreise waren deshalb auch die höchsten im südlichen NSW. Ob die Bretterbude am Ortseingang das älteste Gebäude ist? Sicherlich! Oder? Weiter fuhren wir nun bergab. Eine flache, grüne Landschaft, die sehr an Mecklenburg erinnert, begleitet uns auf der Fahrt nach Westen. 40 Kilometer vor Queanbeyan schickte die Sonne einen warmen Willkommensgruß. Richtig angenehm wurde uns im Auto. Alles ist gleich viel freundlicher. Die Grünnuancen der Wiesen, Büsche und Bäume, der endlich wieder sichtbare Horizont. Die australische Aura war wieder da. 

Wie durch eine Spielzeuglandschaft führte der Hwy, bergauf und bergab flankiert von hohen Bergen, nach Queanbeyan, das schon am Rande des Hauptstadt Territoriums liegt. Eine sympathische Stadt, bei der alles aus dem Touristenführer exakt stimmte. Hier suchten wir ein Quartier, da die Hauptstadt nur 10 Kilometer entfernt war. Diese Idee haben viele. Davon zeugen 1 Motels, 2 Hotels und 2 Caravan Parks. Doch zuvor galt es Qu. zu erkunden. Der Name des Ortes bedeutet „Klares Wasser“. 35 Tausend Menschen leben hier. 1820 kamen die ersten Weißen. 1824 entstand eine „Rinderstation“, die den Durchreisenden Unterkunft und Verpflegung anbot. Vier Jahre später gründete sich eine kleine Ortschaft, die 1838 Stadtrechte erhielt. Vielleicht wegen der 50 Einwohner? Oder wegen des Post Office von 1836? Auf dem 1884 gebauten Friedhof haben wir das älteste Grab aus dem Jahr 1887 gefunden. Der „schönste Bahnhof von NSW“ wurde mit der heute noch stehenden Eisenbahnbrücke 1887 eingeweiht. Ein sehr entspannender Spazierweg führt neben der Eisenbahn am Rande der Stadt zum Bahnhof. Dort finden sich Hochwasseranzeiger von 2 Meter bis 12 Meter. Und das scheint berechtigt. Zerstörte doch das Hochwasser von 1925 die Brücke, die wieder aufgebaut wurde. Die Stadt verfügt über eine reizvolle und touristische erschlossene Umgebung. Sehr angenehm gegenüber vielen anderen Orten in Oz ist, dass hier übersichtliche Hinweise ein Verlaufen unmöglich machen.

Unser erstes Ziel war der Googong Dam. Gebaut in einer Talverengung und dort malerisch liegend. Die drei angebotenen Wanderwege zwischen 1,6 bis 7,3 Kilometer sind gut ausgeschildert. Die phantastische Landschaft erinnert sehr an Gundagai. Doch in der Nähe löst sich das Grün auf. Ein Raubbau an den Bäumen zerstörte die natürliche Flora. Die Folge ist sandiger trockener Boden. Nur vereinzelt Gräser. Das biologische Gleichgewicht scheint gestört. Auf unserem Rundgang begleiteten uns eine Unmasse Grashüpfer. Dazu gab es Fliegen und Ameisen zuhauf. Auch einige Kängurus trafen wir. An den Hangstellen hat man, auch als Wasserschutz, Steinaufschüttungen für den gut ausgeschilderten Fußweg vorgenommen. Vom Lookout führte der Wallaby Track, den die lieben „Tierchen“ total eingekotet hatten, in den Busch. Weiter auf einen Sandweg vorbei an dem Damm, dessen Staumauer und Überlaufschutz fast ein Zwilling des Stirling Damms bei Heyden ist, kletterten wir zu den „spektakulären“ Kaskaden, über die der Fluss hinter dem Damm weiter fließt. Nur nicht heute am 17. Februar. Alles war trocken. Wir fühlten uns bei 27°C und der Windstille pudelwohl. Aus der TV wussten wir, dass es in Deutschland sehr kalt geworden war, dass der Regen immer wieder in Schnee übergeht. Ein gut gewählter Zeitpunkt für diese Reise.

„London Bridge“, eine vom Wasser geformte Steinformation, hieß unser nächstes Ziel. Am Parkplatz stand unter 200 Jahre alten mächtigen Eukalyptusbäumen ein Flachbau. Eine Schurstation für Schafe. Woolshed, Wollhütte, nennen die Aussies das auf Holzbohlen stehende Gebäude. 2500 bis 4000 Schafe wurden hier jährlich geschoren. Zum Komplex gehörten seit 1931 Quartiere für die Scherer. Die Toiletten (1961) und der Waschraum (1986) folgten erst später. Wie sinnig! Für den Transport der Wolle arbeitete man mit einer Koerstz Presse, eine patentierte Presse für Wollballen. Durch vier Türen gelangten die Schafe in den großen Raum, durch zwei warf man sie nach der Schur wieder hinaus. Über einen steinigen Hang, wo vor den scharfen Klippen gewarnt wurde, kamen wir zur Bridge. Ein 40 Meter langes Loch im Felsen. Auch wegen des ausgetrockneten Flussbetts erschien mir diese Brücke faszinierender als die sonstigen. Welche Kräfte der Natur mussten hier im Hinterland den Sandstein ausgewaschen haben. Oberhalb sogar noch ein zweites Loch. Wie mag das vor 1000 Jahren hier ausgesehen haben? Schon so? Sicherlich! Zeit ist in Australien relativ. Auf der Rückfahrt haben wir noch eine Tagebaumine besichtig. Das abgebaute Gestein wurde in einer Mühle zu Split gemahlen. Unglaublich viele Splitthalden warteten auf Abfuhr. Die beiden kommenden Tage haben wir für den Besuch der Hauptstadt Canberra vorgesehen.

21 Tausend Jahre lebten die Aborigines hier friedlich und ungestört. Kanberra (Treffpunkt) nannten sie die Gegend. 1820 berichteten die Forscher Vaugham, Throsby und Wild überschwänglich von dem schönen und fruchtbaren Land. So siedelte 1824 J.Moore hier und nannte den Ort Canberry. 1833 kam dann Robert Campell mit 700 Schafen. Schon bei Gründung der Federation 1901 entstand der Streit um die Hauptstadt. Melbourne hieß damals die größte Stadt. Sydney betrachtet sich als Mutter der Kolonien. Der Kompromiss hieß Canberra. Ausgesucht unter sieben Varianten. Alle mussten mindesten 100 Meilen von Sydney entfernt liegen. Und seitdem gibt es von diesen beiden Metropolen immer wieder Spitzen gegen die Hauptstadt, die doch eigentlich keine wäre. Es werden sogar Vergleiche mit Brasilia gezogen, und Canberra zum Fremdkörper in der australischen Landschaft stilisiert. Die heute 320 Tausend Einwohner zählende Hauptstadt ist eine moderne Stadt. Eine Beamtenstadt, eine industriefreie Gartenstadt. Nach der Einigung auf Canberra begann man, ab 1908 die Hauptstadt zu bauen. Chefarchitekt war der Amerikaner Walter Burley Griffin. Noch 1927, dem Jahr der Parlamentseröffnung wurde an der Gartenstadt gebaut. Und eigentlich ist die Stadt erst ab 1950, als die letzten Ministerien von Melbourne endgültig umzogen und Canberra Universitätsstadt wurde, die richtige Hauptstadt. Viele werfen Griffin vor, eine Stadt geschaffen zu haben, die Washington sehr ähnlich sei. 

Einen „konzentrisch bürokratischen Alptraum!“ So oder so. Canberra ist eine gelungene grüne Symbiose zwischen Regierungsbereich, touristische Attraktionen und Wohnstätten. Es steht der Stadt, dass die mächtigen Prachtbauten der viktorianischen Epoche fehlen. Sehr ansehnlich trennt der 11 Km² große Stausee des Molonglo Rivers, der Lake Burley Griffin, das Regierungsviertel von der übrigen Stadt. Aber doch so, dass wiederum alles zusammen gehörig erscheint. Der Blick vom Mt. Anslie (846 Meter) hat einen 180° Radius. Das ist die beste Aussicht. Deutlich ist Symmetrie der Strassen und der Gebäude zu erkennen. 1929 baute man auf dem Berg eine Luftfahrt Navigations- Hilfe, die 1955 modernisiert wurde. Sichtbar zieht die rote Anzac Parade vom Australian War Memorial zum See. Gleich dahinter das Alte Parlamentshaus, und weiter zu den Bergen das Neue Parlament. 

Die anderen Aussichtpunkte sind Red Hill auf der gegenüber liegenden Seite. Der Hügel ist schlecht ausgeschildert und schwer zu finden. Von dort sieht man auf das südliche Ende des Stadtzentrums, die Commonwealth Avenue Bridge, die über den See mit dem Captain Cook Memorial Water Jet führt. Dieser Springbrunnen hat  täglich ab 10.00 Uhr „Dienstbeginn“. Das umgebende Buschland scheint ganz nah. Leichter ist es den 195,2 Meter hohen Telstra Lookout zu finden. Der steht auf dem Black Mountain (812 Meter) und ist das Ziel vieler Radfahrer. Es gibt auch Fußwege zum Turm. Ein Teil des dortigen Naturschutzgebietes ist der National Botanic Garden. Der Ausblick vom dominierenden Element in der Skyline der Hauptstadt ist sehr informativ. Bliebe als letzter Aussichtspunkt noch der Mt. Pleasant. Dort, wo das Grab von General Bridges ist, der im 1. Weltkrieg bei Gallipoli fiel. An seinem Fuß liegt die Militärakademie. Die bereiteten gerade eine Parade vor, als wir zum Berg wollten. Wir störten nicht. Nur in Nähe des unmittelbaren Aufmarschgebietes standen Posten, die uns baten einen Umweg zu fahren. Mach das mal in Deutschland!

ParlamentBesuchermagneten sind die beiden Parlamentshäuser. Das im typisch britischen Stil erbaute Alte Parlamentshaus diente von 1927 bis 1988. Ein sehr beeindruckendes Gebäude mit viel Wärme und Charme. Ringsum gepflegte Anlagen, die man betreten darf. Zwei Dollar Eintritt kostet eine Besichtigung. Und es gibt auch deutsche Informationen. Ob Königssaal, Senatskammer Repräsentantenhaus usw.- alles hat Atmosphäre und zeigt wichtige Meilensteine der australischen Geschichte auf dem Weg zur Souveränität. Viel zu große Bedeutung gibt man der Spionage Affäre um den Russen Petrov. Alles ziemlich überzogen. Als „Sensation“ ist der Schuh von Frau Petrowa ausgestellt. Den hatte sie in Sydney auf dem Flugplatz, als sie KGB Leute ins Flugzeug zerrten, verloren. Die Darstellung bestätigt mir aber, dass damals unfähige britische Beamte aus dem MI5 in Australien immer noch leitende Positionen einnehmen konnten. Und ich vermisste die australische Selbstironie. Nirgendwo der Hinweis, dass die vielen Kanonen doch nicht vor den Russen schützen konnten.

Regelrecht peinlich die Bilderausstellung in der National Portrait Gallery „Australier im Alltag“. So haben wir die Aussies nicht kennen gelernt. Nur happy People? Nur Essen oder besser Fressen? Zum Teil peinliche und obszöne Bilder. Peinlich in der Selbstdarstellung. Komischer Humor. Nichts von den Anstrengungen bei der Eroberung des roten Kontinents. Wo sind die Bilder über die Freude am Erfolg, über die Schwierigkeiten, über die Enttäuschung der Niederlage? So ist das wahre Australien nicht.
Oberhalb des Old Parliament House, etwa 500 Meter Fußweg, kommt das Australische Parlament. Ein beeindruckendes Ensemble. Eine riesige unterirdische Parkhalle, freier Eintritt für Besucher, mehrsprachige Informationsblätter. Vom Parkplatz bis zum begehbaren Dach alles bleibt unvergesslich. Eine Nation hat verschiedene Möglichkeiten seine Größe zu demonstrieren. Das ist eine! Keine Überheblichkeit, kein Prunk im falschen Sinne. Hier passt alles. Der Bau, der Marmor, die Holztäfelungen mit den Pflanzenornamenten, die wertvollen Bilder und auch die Holländische Standuhr von 1792, die 1986 als Geschenk der Niederlande ins Parlament kam, es ergänzt sich zum harmonischen Gesamtbild. Das ist ein gastfreundliches Haus mit aufmerksamen und überaus hilfsbereiten Personal. 

Ich verließ stark beeindruckt das Parlament. Das Gelände der Regierung ist so weitläufig, dass Polizei und Sicherheitsdienst mit Fahrrädern patrouillieren. In den zwei Tagen haben wir den Regierungssitz, die Stadt, die Umgebung und das Umfeld erkundet. Dazu gehörte auch ein Besuch des National Museum of Australia. Ein fast 10 Meter breiter und 15 Meter hoher farbiger girlandenförmiger Kunststoffbaldachin in den Aborigines Farben Rot, Braun und Gelb führte zum Museumsgebäude. Der wohl futuristisch gedachte Bau hat viele kubistische Elemente. Die gewählten Farbenkontraste, Blau- Rot und Gelb, sind sehr gewöhnungsbedürftig. Der Eingang scheint einem Raumschiff nachempfunden zu sein. Das Museum selbst ist atemberaubend. Nicht nur von der Architektur. Diese großen und hohen Räume vermitteln die Weite und Unendlichkeit des Kontinents. Sympathische rote und weiße Elemente in der Eingangshalle, hohe Fenster mit Blick auf den See, angenehm gestaltet Logen. Erwartungsvoll betreten wir die Ausstellung. Man bekommt in den Abteilungen noch einmal einen zusammenfassenden Überblick über das Australien der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Jede Sphäre des australischen Lebens wird dargestellt. Das Museum bezeichnet sich als dynamisch. Und ich finde diese Definition als sehr zutreffend. Etwas Bemerkenswertes habe ich dort noch erfahren Der Streit, ob das Schnabeltier Eier legt, wurde erst 1887 entschieden. Der schottische Biologe Caldwell hatte 150 Ureinwohner bezahlt, um 1000 Schnabeltiere zur Untersuchung zu bekommen. 

Mit seinem berühmten Telegramm: „Monotremes // Oviparus // Ovum // Meroplastic“ (Schnabeltiere und Ameisenigel legen Eier und säugen die Jungen gesondert) widerlegte er 1884 ziemlich markant, eben schottisch, den berühmten Engländer G. Benett, der 1832 in Australien forschte. Auf der Heimfahrt besichtigten wir noch den schönen kleinen und modernen Inlandflughafen. Im Wald hinter dem Flughafen ist das Air Memorial Cairn, das an den Tod von 10 Menschen am 13. August 1940 erinnert. Kurz vor der Landung stürzte eine Maschine in den hügligen Wald. 

Etwa 500 Meter dahinter, am Jerrabomberra Lookout, fanden wir das Trainingsgelände der Paintball Anhänger. Der Chef war sehr nett, erklärte uns alles. Aber es gelang ihm nicht, uns zu überreden, dort im Wald mitzuballern. Am Abend haben wir noch die Molonglo Gorge, das ist der „Stadtwald“ von Queanbeyan, besucht. Durch das Fortspülen des Sandsteins ist eine 400 Millionen Jahre alte Schlucht entstanden. Der Fluss fließt dort „erst“ seit 35 Millionen Jahre. Vor der Schlucht viel Barbecue Plätze. Der angebotene Fußweg ist 6,4 Kilometer lang und durch Steine, Wurzeln und Hügeln sehr schwierig. Wir sind bald wieder umgekehrt. Das Wetter sollte schlechter werden. Für morgen war Regen angesagt. Also weiter ins Inland. Über die Snowy Mountains nach Westen.

Leseprobe aus „Und immer weiter zur Sonne“
Dieter Tischendorf

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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