Oodnadatta Track 3

Von William Creek nach Marre
Es waren zwei erholsame Tage in Coober Pedy. Ziemlich früh, noch vor 06.00 sind wir los gefahren.
Nach einem Tankstop in William Creek wollten wir die vielen angegebenen Erinnerungen und Sehenswürdigkeiten zwischen William Creek und Marree besichtigen. Eine eventuelle Übernachtung in Marree war vorgesehen. Diese 375 Kilometer schreckten mich nicht. Bald hatten wir die „künstliche Gebirgslandschaft“ um Coober Pedy hinter uns. Die Eintönigkeit des Outback begleitete uns wieder bis William Creek.
Der Roadhouse Owner in William Creek erwartete uns schon.
Denn er zeigte auf sein sauberes frisches Hemd.

Das Tanken war schnell erledigt. Mit ihm und einen Besucher hatten wir noch einen Kurzen Plausch über die Strecke und über das Wetter in Deutschland
Gleich am Ortausgang ein Vorwegweiser. Gut zu wissen, dass es nach München bloß noch 14.235 Km sind. Das weitere OTL Memorial haben wir am Ortsausgang gefunden. Hier wird natürlich an die OTL erinnert. Und daran, dass man 1896 die Station von Strangway zur neuen automatischen Station nach W.C. verlegte. Die Original Masten aus „Cypress Pine“ wurden schon vorher durch schmiedeeiserne Masten vom Typ Oppenheimer“ ersetzt. Sehr hat mich der nun kommende Lake William fasziniert. Ein Salzsee im scheinbar unendlich gleichtönigen Outback, dessen Gipskristalle in der Sonne fun-kelten. Die vielen kleinen stachligen Büsche demonstrierten uns ein Bild der „stachligen Unendlichkeit“. Sehr aufmerksam fand ich, dass man die Trasse in einem Bereich von Sandabsenkungen mit roten Fähnchen abgesteckt hatte. So war ein Abrutschen in ein Sandloch vermeidbar.
Bald kamen die roten Sandhügel von Irrapatana. Hier wurde die
Strasse 1980 erneuert, man benutzt nun nach Eindämmung des alten Ghan Gleisbettes, dieses als Strasse. Und ein „Stumpf“ eines Brückenrestes ist auch noch zu besichtigen. Adam und Lynnie Plate hatten nicht übertrieben. Die Sandhügel leuchteten wirklich im herrlichen Rot in der Morgensonne. Ein Bild von den Ruinen der alten Eisenbahngebäude? Nein! Wir hatten davon schon genügend.

Die Hügel begleiteten uns, ebenso wie der Rest des übrig gebliebenen Gleisbettes ein ziemliches Wegstück. Und an den Pfeilern der Brücken, die manchmal ziemlich kahl in der Gegend stehen, konnten wir erkennen, wie Wind und Wetter mit der Zeit den Damm „einebneten“. Hoffentlich bleibt das der neuen Ghan Route erspart. Beim ersten Bau hatte man, vertrauend auf die scheinbare Unmöglichkeit eines Hochwassers, Bahndamm und Brücken hier sehr niedrig angelegt. Schon ein Hochwasser von „nur“ zwei Metern legte den Zugverkehr lahm. Zwischen den roten Hügeln sind viele kleine Salzseen, deren weiße Oberfläche flimmert und glitzert, zu erkennen. In einigen steht sogar noch Wasser. Eine neue, andere Form des Outbacks. Die Sandhills sorgen durch Farbe und Bewuchs für Abwechslung in der Sicht.
Nun kommt schon das ehemalige und nun historische OVT Station Strangway.  Besser noch, die Ruinen. Und im Hintergrund die rote Front der Sandhills. Hier erteilte die Natur den Landwirten eine erste Lektion in Sachen Dürre. Zwischen 1864 bis 1866 kamen im Distrikt ungefähr 30 Tausend Tiere um. Und auf Strangway starben 2/3 des Rinderbestandes und 6000 Schafe. Wegen der Sicherheit der Wasserbereitstellung durch die Quelle wurde 1871 die erste Zwischenstation der OTL im Managerhaus der früheren landwirtschaftlichen Station eingerichtet. Die Homestead des Viehbetriebs zog endgültig 1876 nach Anna Creek um. Aber die Anna Creek Station reichte noch weiter südlich. Ebenfalls 1871 wurde von der OTL eine Station am Peak Creek errichtet. Aus technischen Gründen bedurfte es aller 200 Meilen einer solchen Zwischenstation. Beide Stationen wurden 1896 geschlossen, da inzwischen in William Creek und in Oodnadatta automatische Stationen eingerichtet waren.
Es wird hier ein wunderbarer ausgeschilderter Spaziergang von einigen 100 Metern Weg angepriesen. Würde man dem vorgezeigten weg folgen, wäre das eine Expedition zum Mittelpunkt der Erde. Also erlaubte ich mir, das Schild zu rich-ten.
Hoffentlich war das der rechte Weg. Zumal die alte Gleisanlage, die seit W.C. östlich des Tracks verlief, jetzt wieder westlich von und zu sehen war.
Es war eine der uns bewegenden Fragen, warum so viele landwirtschaftliche Betriebe in den Pioniertagen hier scheiterten. Das waren doch erfahrene Landwirte, die wohl auch ein Risiko richtig einschätzen konnten.

Die Antwort ist relativ einfach. Die Vielzahl der vorhandenen Quellen täuschte die Rinderzüchter und die Farmer. Sie mussten scheitern, weil sie zwar das Wasser sahen, aber nicht die Untauglichkeit der Vegetation für Viehzucht richtig einschätzten. Das vorhandene grün war schnell aufgefressen, mit dem Nachwachsen haperte es. Sie beachteten nicht, dass viele Bohrlöcher mit der Zeit in das GAB versunken und durch oberflächliche Kanäle das Wasser erst an entfernten Stellen wieder zum Vorschein kam und Weideland „produzierte“. Dem trägt noch heute die freie Rindhaltung im Distrikt Rechnung.

Beresford Dam, eine alte, verfallene Bahnstation, ein schön umwachsener Wasserteich und die rostige ehemalige Wasserdestillationsanlage. Trotzdem eine grüne Oase in der roten Wildnis. Hier war sogar mal einen Radarstation. Noch heute dient das Wasser des Teiches dem Vieh der Anna Creek Station als Tränke. Die Viehzüchter haben aus den Niederlagen der frühen Jahre gelernt. Man ist ökonomischer und überlegter im Anlegen der Brunnen geworden. Solche Pleiten wie 1896, wo man nur 27 von 84 Brunnen für das Vieh nutzten konnte, dürfen sich nicht mehr ereignen. Das Wasser von Beresford Dam
diente nicht nur dem Vieh der Anna Creek Station, sondern auch den Dampf Lokomotiven.
Unser nächstes Ziel hieß Coward Springs.

Und wieder sahen wir, nicht zu weit von der Strasse Sandhügel. Diesmal aber mit viel dunklerer Färbung und mehr Grün als bei den Red Sandhills. Und das ehemalige Schienenbett ist mal wieder östlich von uns. In der Saison ist Coward Springs ein bekannter Camp Ground. Auch berühmt durch seine Vogelbeobachtungen und die Kamelsafaris im Dezember.
Das dichte grün um die Quelle darf nicht täuschen, wie öde, stachlig und verloren die Landschaft gleich 20 Meter weiter aussieht. Eigentlich hatte man damals eine Kette von Quellen gefunden, von denen heute noch 12 aktiv sind. Die Ureinwohner nannten diese Oase in der roten Einöde Pitha Kalti-Kalti, was crooked Box Trees (gebogener, immergrüner Buchsbaum) bedeutet. Das hier war ein Rastplatz für das Urumbula Volk, wenn es nach dem Norden wanderte, um mit den dortigen Stämmen Handel zu treiben.
1886/87 versank der Brunnen in der Tiefe und wurde erfolglos, wohl auch unsachgemäß, mit einem Deckel verschlossen. Die Folge ist ein künstliches 200 Hektar großes Feuchtland um den ursprünglichen Brunnen. Man machte das Beste draus und pflanzte 1898, wie in Oodnadatta, Marree und am Lake Harry (Birdsville Track), erfolgreich Dattel Palmen. Kaum zu glauben, dass hier zu Zeiten der Eisenbahn auch ein Hospital und ein Hotel standen.
Zu den erwähnten Quellen gehört auch Mound Springs, ein Quellgebiet, etwa vier Kilometer von der Strasse entfernt und durch Zäune geschützt. Die Gruppe der Quellen ist also leicht zu erreichen.

Wir fahren in ein Gebiet von Salzseen. Das eigentlich salzhaltige Sediment der früheren Meer und der Mineralgehalt des Wasser aus dem GAB bedingen nach der Verdunstung diese Salzablagerungen. Und es ist erstaunlich, wie sich die Natur hier anpasst. Da liegt auf der einen Seite eine über 10 Zentimeter hohe Salzschicht und dazwischen wächst munter, als ob hier der beste Boden wäre weiches und saftiges Gras. Erstaunliches Australien!
Und wie aktiv die unterirdischen Quellen sind kann man an den Wasserringen und dem stetigen Abfluss vom kleinen Quellsee sehen. Es ist gut, dass man diese Gebiet nicht nur vor vierbeinigen, sonder vor allem vor zweibeinigen Frevlern schützt.
Brodelnd erreicht das Wasser bei The Bubbler und beim Blanche Cup Springs, aus der Tiefe kommend, die Oberfläche. Ein richtiger kleiner Wall hat sich ringförmig in Jahrhunderten um die Quelle aufgebaut. Ein salziger sandiger Hügelring.
Die Stuart Creek Rail Bridge mußte früher einen breiten Einschnitt im Gelände überbrücken. Bald kam Curdimurka. Wieder eine ehemalige Bahnstationsruine, natürlich ohne Dach. Auch hier gab es früher eine Wasserentsalzungsanlage. Heute besteht die Möglichkeit  zu Campen. Caravan Park nennt sich das dafür vorgesehen Gelände. Naja! Ziemlich trostlos. Aber, da mir viele Outback Freunde immer wieder sagen, dass nur der Sternenhimmel in der Nacht die eigentliche Faszination ausmache, ist es denen wohl egal, wo sie den Tag verbringen. Und bei Nacht sind auch in DU alle Katzen grau.
Genau an unsere Trasse liegt ein großer Parkplatz, der einen Blick auf den Lake Eyre South ermöglicht. Salz! Salz! Salz!

Das ist er also, dieser geheimnisvolle Inlandsee, den Eyre 1840 entdeckte. Ein Salzsee, der 12 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Die landschaftlich tiefste Stelle des Kontinents. Und dieser über Hunderte von Kilometern vom Meer entfernte Inlandsee hat einen neunfach höheren Salzgehalt als der Ozean. Allerdings eben nur dann, wenn der See sich füllt. Ein Ereignis, das in den letzten 150 Jahren nur drei Mal eintrat. Die Beschreibungen über dieses Spektakel (die größte Show der Welt) erzählen, welch Eldorado für Tiere in dieser Zeit am Lake Eyre entsteht. Bis von Queensland kommen dann tausende Pelikane hierher. Auf der Tafel liest man, dass der See eine Fläche von 9.600 Km², das entspricht ungefähr der Größe von Holland einnimmt. Bei Trockenheit hat die Salzschicht eine Dicke von 460 mm. Es liegen schätzungsweise 400 Millionen Tonnen Salz vor uns. 1964 stellte der Brite Donald Campell hier den Geschwindigkeitsweltrekord mit 403,1 Meilen pro Stunde auf.
Schön und interessant ist es aber auch auf die andere Seite der Straße zu blicken. Sandhills sind in Jahrhunderten entstanden. Ganz anders als die Sandberge, die wir bisher gesehen haben. Und man sieht auch, dass das Salz ebenfalls an der Entstehung der Berge beteiligt ist.
Beide Seen und die Umgebung liegen im 1,228 Millionen Hektar großen Lake Eyre National Park. Wieder mal so eine Dimension in Australien, an die sich ein Europäer erst gewöhnen muß.
Die restliche Strecke bis Marree ist wieder Outback pur. Und dazu ein besonders lockerer, sandiger und steiniger Bodenbelag.
Da  geht bei Bopechie, wo ein altes Ghan Zeichen und eine Ruine stehen, der Weg nach Süden zu Roxby Downs, ab.
Bald wird die Umgebung grüner. Wir nähern uns Finniss Springs mit den Hermit Hill am Horizont. J
Finniss Springs war eine der ersten weißen Siedlungen am Oodnadatta Track. Und Dank des unvergesslichen Pächters Francis Dunbar Warren auch bald eine Aboriginal Siedlung, aus der 1930 die United Aborigines Mission entstand. Mit Schule, Kirche, Verwaltung für 200 Bewohner. Hierhin kommt aber nur mit Einverständnis des Arabana Volkes.
Marree ist der Anfangs- oder Endpunkt des Oodnadatta Tracks. Aber gleichzeitig auch der Startpunkt des ebenso legendären Birdsville Track, der von hier nach Norden, nach Queensland führt. Ein Ort, an dem die Geschichte des Outback geballt vorliegt. Hier trieben auch die Stockmen ihr Vieh zusammen, auf Aboriginal Land. Bevor sie weiter zogen. Ein Memorial gedenkt der Pioniertaten dieser Männer. Denn die Cameleers und die Viehtreiber machten beide Tracks erst zur Legende. Und natürlich auch die Postboten, über deren Schwierigkeiten ich bei Oodnadatta bereits berichtete habe. Zu den Pioniertaten gehört auch die Old Ghan Bahnstation und eine der Ghantowns, von wo Kameltreiber und Kamele den Transport der benötigten Materialien und Lebensmittel übernahmen. Das jährlich im Juli veranstaltete Kamelrennen (Marree Camel Cup) erinnert an diese Zeiten. Das tut die ausgediente Diesellok auch.
Das Gebiet, auf dem heute Marree, liegt wurde erstmals 1840 von Edward John Eyre, bei seiner Suche nach dem Inlandsee betreten und beschrieben. 1858 kam hier Stuart mit seinen Begleitern, vom Lake Torrens kommend, vorbei. Er nannte die erste der Quellen nach seinem deutschen Botaniker David. G. Herrgott. Doch mit den Jahren verlor die Quelle und später 1872 auch das Camp der OTL ein „r“ im Namen. Seitdem heißt es eben Hergott Springs. Der kleine Ort wurde bald von den Männern des Outbacks „Little Asia“ genannt. Hier wuchsen schon Dattelpalmen. 300 Palmen waren es bei der Jahrhundertwende. Einige von ihnen sollen fast 100 Pfund Früchte getragen haben. Und der Schatten spendend Effekt wurde später auch in anderen Städten von SA genutzt. In Bar-mera, im Riverland, haben wir die Ururenkel der Hergott Springs Palmen besucht.
1883 wurde das Camp zur Stadt ernannt. Das so entstandene Zentrum in der Mitte Australiens nannte man Marree. Ein Wort, das in der Sprache der Ureinwohner „ Platz der Possums“ bedeutet. An dieser Darstellung gibt es aber Zweifel. Erstens gab es kaum Possums in der Gegend, und zweitens heißt Pos-sum in
der Aboriginal Sprache eigentlich „Bilda“.
Die Stadt wurde nämlich bis 1918 eigentlich immer weiter Hergott Springs genannt. Dann kam diese Anti- Deutsch Kampagne in SA, wo alle deutschen Namen weg rationalisiert wurden. So „taufte“ man die Poststation, das Railway Stationszeichen in Marree um. Seitdem blieb der neue Name.
Dazu passt auch das noch heute immer wieder gelesene Poem „Marree“, das so begann:

Oh the corrugated-iron town
In the corrugated-iron air
Where the shimmering heat-waves glare
To the red-hot iron plain
And the steel mirage beyondOodnadatta TrackBirdsville Track





















Also eins muß man allen Bewohnern entlang des Oodnadatta Track unbedingt bescheinigen. Eine ausgesprochen, vom Herzen kommende Freundlichkeit. Und da machte die Tankwartin in Marree keine Ausnahme.
Ich finde, dass der Oodnadatta Tracknicht ganz so trostlos aussieht wie der Birdsville Track.Oder? 
Dieter Tischendorf

@ 01.06.2010

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