Selbstverwaltung!?

Selbstverwaltung oder lieber doch nicht?


Die Regierung hat 2004 die nationalen Selbstverwaltungsgremien der Ureinwohner wegen Missmanagements aufgelöst. Diese Entscheidung war allerdings kein Meilenstein auf dem Schritt zur Aussöhnung.

Die weißen Australier taten sich schwer mit der Erteilung voller Bürgerrechte für die Ureinwohner.
Und sollte dieser 26. Mai 1998 ein Neubeginn im Dialog werden. Seitdem gibt es gibt es den Sorry- Day. Und dieses „We had no rights“ (Wir hatten dazu keine Rechte) wird besonders an diesem Tag, wohl mehr für die Weltöffentlichkeit, verkündet. Die Parlamentarier stellten nunmehr fest, dass man den Aborigines unrechtmäßig ihr Land genommen hatte, dass man nicht das Recht hatte, ihre Lebensgewohnheiten zu ändern, dass es kriminell war, sie wie Kaninchen zu jagen und zu töten. Den Völkerrechtsbruch der Vertreibung haben auch Gerichte bestätigt, als man den Aborigines bestimmte Teile des australischen Kontinents wieder zusprach.

Trotzdem war es erstaunlich und erfreulich, dass im Januar 2007 die Ureinwohner ihre Rechte auf die Regenwälder (60 Tausend Km²) an der australischen Ostküste zurück erhielten. Jetzt dürfen sie dort Fischen, Jagen und die National Parks verwalten. Die Ureinwohner sehen hier eine Chance ihr finanzielles, gesundheitliches und Bildungsdefizit zu verbessern. Mit dem „Native Title Service“ scheint eine starke Institution diese Ziel zu verfolgen. Warten wir ab. Auch auf die Reaktion der bisherigen alleinigen weißen Nutzer. Da neben Byron Bay weitere beliebte und lukrative Städte und Touristenstrände betroffen sind. 

Denn die allgemeine Stimmung bei den Weißen ist nicht so, wie wir es oft in positiven Berichten lesen. 1999 lehnte das Parlament ab, in die Präambel der Verfassung aufzunehmen, dass das Aboriginal People das erste Volk in Australien war. Das ist eben die Diskrepanz. Auch wenn 1967 fast 91% der weißen Bevölkerung für die australische Staatsbürgerschaft des Aboriginal People war, ist man doch auch aus wirtschaftlichen Gründen gegen eine derartige verfassungsmäßige Zementierung.
Dem folgten zwar ab 2000 mehrere Protestmärsche. Und auch die Wortmeldungen prominenter weißer Australier, Aber wer das Ohr an der Masse hat, weiß dass die Zustimmung zur vorbehaltlosen Gleichberechtigung noch ein weiter Weg sein wird.

Die Ureinwohner wiederum haben von den ehemaligen „weißen Herren“ gelernt. Sie wissen, dass sie nicht in der Lage wären (und auch nicht wollen) durch landwirtschaftliche Produktion bei Landrückgabe, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, weil dann ja die bisher gewährte Sozialbeihilfe wegfallen würde. Also wollen sie nach der „pro forma Rückgabe“ lediglich am Gewinn der weißen Nutzer, also der Siedler und der Bergbaubetreiber  partizipieren. 

Trotzdem hat Premier Howard in seiner, von häufigen Äußerungen des Missfallens durch Vertreter der Ureinwohner unterbrochenen Rede erneut eine Ausgabenerhöhung der Hilfsprogramme 3,5 Milliarden AUD in Aussicht gestellt. Das Ziel sei die Verbesserung der Lebensqualität der Ureinwohner, deren Lebenserwartung 20 Jahre unter der der anderen Australier liegt. Die Senkung der Diabeteshäufigkeit, der Herz- Kreislauferkrankungen und die Einschränkungen des Alkohol- und Drogenmissbrauches. 

Und es sei die Absicht der Regierung, den Aboriginal People zu helfen, sich aus der Isolation zu befreien und sich zu integrieren.
Zum Eklat kam es, als Howard die abermalige Forderungen der Vertreter der Ureinwohner, Sonderanteile am australischen Grund und Boden zu bekommen, um am Gewinn aus Landwirtschaft und Bergbau teilzuhaben. Schließlich habe das Land einst ihnen gehört, energisch zurück wies.
Auch hier kam es zu lebhaften Gegenrufen, die sogar nicht scheuten, PM Howard des Völkermordes an den Ureinwohnern zu bezichtigen.

Heute leben unter 20 Millionen Australier etwa 380 Tausend Aborigines. Der Tiefstand von einer Zahl um 200 Tausend Ureinwohner scheint überwunden. Wie aber leben sie? Die Regierung gibt immer mal Erklärungen zur Situation der Aborigines oder erlässt Maßnahmen oder würdigt Einzelbeispiele: Aborigines als Senator, als Ärzte, als Anwälte, als Sänger oder Künstler, als Siedler auf eigenem Grund und Boden, als Wimbledon- und Olympiasiegerin. Nur grundlegend geändert hat sich nichts. Die beiden Lebensformen passen nicht. Mark Twain warf der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika vor, die Indianer regelrecht massakriert zu haben. „Wozu Waffen benutzen, wenn man mit Wasser und Seife genau so weit kommt“ spottete der Satiriker mit Zynismus und Sarkasmus.

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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