Ausrottung der Ureinwohner

Beginn der Ausrottung der Ureinwohner Australiens

Als die ersten weißen Siedler 1788 in der Nähe des heutigen Sydney landeten lebten in dieser Region etwa 8.000 Aborigines. Nach 32 Jahren (1820) gab es dort nur noch 300! Vertrieben, getötet, durch Krankheiten dahin gerafft oder von selber gegangen. Die Ureinwohner kamen nicht klar mit dieser nun einsetzenden sozialen Umwälzung. Sie verstanden diese weißen Männer nicht. Keine ihrer Geschichten aus der Traumzeit berichtete von solchen seltsamen Lebewesen. Zunächst dachten sie, dass es sich bei den Weißen um die Geister von zurückgekehrten Toten handeln müsse. Und diese würden ja bald wieder gehen. Sie waren freundlich zu den Geistern, bewirteten sie mit Speis und Trank. Und diese Weißen?

Ein Siedler aus WA schrieb „Wir stehen im Krieg mit den Ureinwohnern. Wir haben sie niemals anders gesehen, nur als Feinde!“ So kam es zu einer schrecklichen Kriegsführung gegen die Aborigines. Die Siedler erklärten die Ureinwohner zu Geächteten, die man erschoss, aufhängte oder einsperrte. Viele der Gräueltaten wurden nie bekannt. Die Statistiken belegen, dass von den ursprünglich 300 Tausend Ureinwohnern bis 1888 nur 60 Tausend überlebten. In nur 100 Jahren wurden 50 Tausend umgebracht. Weitere 150 Tausend starben durch Krankheiten oder aber durch die veränderten Lebensumstände. Von den einst 300 differenzierten Sprachen existieren noch etwa 50. Eigentlich sind die Ureinwohner ausgesprochen sprachbegabt. Noch heute beherrschen die meisten drei verschieden Sprachen. Und zum Teil auch noch die Zeichensprache, mit der sich Angehörige verschiedener Stämme früher verständigten. Dazu verwendeten sie unter anderem gekerbte Nachrichtenstäbchen, die jeder verstand. Sie hatten durch Tabus und Stammesgepflogenheiten bereits Geburtenregelungen, die den Bedürfnissen der Anpassung an das karge Leben entsprach. Zu einer Zeit, als das für die Europäer noch ein Fremdwort war. Lebt so ein primitives Volk?

In WA wetteiferten die „Expeditionen“, wie man die Ausrottungskommandos nannte, untereinander. So verhöhnte zum Beispiel eine von Gouverneur Stirling geführte Mannschaft eine andere Gruppe von Kopfjägern wegen deren Misserfolg bei der „Schlacht von Perth“. Man hatte die Aborigines, die gegen den Landraub protestierten, in die Sümpfe getrieben, selbige durch Militär umstellt, um am nächsten Morgen eine „muntere Treibjagd“ zu veranstalten. Doch als sich in der Frühe des nächsten Tages die Nebel lösten war keiner der Ureinwohner mehr da. Spurlos verschwunden! Anders, erfolgreicher gestaltete sich der Hinterhalt bei der „Schlacht von Pinjarra“. 84 Kilometer südlich von Perth wurden über 150 Aborigines, Männer, Frauen und Kinder, durch Salven eines Maschinengewehrs getötet. 

Hinterher stilisierte man die Auseinandersetzung zur heldenhaften Schlacht, bei der „mutige Weiße“ die räuberischen Ureinwohner „zerstreuten“. Einige wenige freigelassene Gefangene sollten dem Stamm ausrichten, dass es immer wieder zu solchen Strafexpeditionen kommen würde, sollten sie weiter Schafe und Rinder töten. Der Gouverneur bezeichnete die Strafmaßnahme als Vergeltung für Diebstahl und verübte Morde. Keiner bemühte sich, die Lebensauffassung der Ureinwohner zu verstehen. Wenn sie hungrig waren nahmen sie einen Speer und erlegten früher ein Känguru oder einen Emu. Heute war es dann eben ein Schaf oder ein Rind. Die Weißen führten einen „Krieg der Vergeltung“, der aber nur Ausdruck des Hasses der Siedler auf die gesamte „Rasse“ der Ureinwohner war. Es gibt Hinweise, dass zum Zeitpunkt der Ersten Flotte nicht „bloß“ 300 Tausend, nein mehr als eine Million Ureinwohner in über 600 Stämmen auf dem Kontinent lebten.

Aber die Weißen hatten bessere Waffen, bessere Werkzeuge, bessere Gegenstände für den Alltag. Messer, Äxte, Speere, Hammer, Nägel. Das waren neue Dinge für die Ureinwohner. Diese Europäer achteten nicht mal ihre Feinde aus der eigenen Gemeinschaft. Bei den Aborigines gab es für schlimme Verfehlungen auch die Todesstrafe. Aber schnell und ohne Leiden. Und diese neuen „Herren“? Sie banden die Delinquenten an abgestorbene Bäume ohne Äste, peitschten sie mit langen biegsamen Ruten, die mehrere Schnüre hatten. Die so Verurteilten starben meist qualvoll an den Folgen der schlimmen Verletzungen. Und, wenn diese Weißen keine Achtung vor ihren eigenen Landsleuten hatten, warum sollten sie dann die Aborigines, die eigentlichen Besitzer des Landes, achten?

Schlimmes ist den Aborigines angetan worden. Sie sind zwar stolz auf Feststellungen wie „Wir wurden niemals besiegt!“ oder „Aber wir überlebten trotz alledem!“
Nur, was hat es ihnen gebracht?

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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