Wirtschaftliche Entwicklung 3

Das durchschnittliche Monatseinkommen eines Vollzeitbeschäftigten wird für Mai 2005 mit 4112 AUS-Dollar angegeben (das entspricht 2550 Euro). Im Zeitraum Mai 2004 bis Mai 2005 stieg das Durchschnittseinkommen eines Vollzeitbeschäftigten um 5,8%. Australien ist neben den USA das einzige Industrieland, in dem Frauen (außer im öffentlichen Dienst) keinen generellen Anspruch auf bezahlten Mutterschutz haben. Der Arbeitsmarkt ist insgesamt arbeitgeberfreundlicher als in Deutschland.
Von Staatsverschuldung wird nicht mehr gesprochen. 

Allerdings gibt es eine hohe private Auslandsverschuldung und eine wirtschaftliche Unsicherheit des verarbeitenden Sektors. Man kennt das chronische Leistungsbilanzdefizit und hofft auf die Behebung durch ein gutes Investitionsklima. So sieht das auch die Deutsch- Australische Industrie- und Handelskammer in Sydney, die zwar die deutsche Industrie in Australien recht gut platziert sieht, jedoch eine verstärkte Nutzung des bestehenden Potentials durch kleinere und mittlere Firmen aus Deutschland für sehr wünschenswert hält, da Australien bei relativ niedrigem Lohnniveau über einen hohen Ausbildungsstand verfügt. Die politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen sind stabil. Deutsche Unternehmer, die sich von Australien aus im Asiengeschäft engagieren, finden in Australien relativ einfach Fachkräfte, die asiatische Sprachen beherrschen.
Australiens Wirtschaft wird vom Dienstleistungssektor dominiert (über 80% des BIP 2003/2004). Demgegenüber entfallen auf industrielle Produktion 10,6%, Bauwirtschaft 6,2%, Bergbau 4,2%, Landwirtschaft 3,2% sowie Strom-, Gas- und Wasserversorgung 2,2% des BIP.

Australien hat seine Wirtschaft zunehmend diversifiziert und den Schritt zur Informationsgesellschaft vollzogen: Es verfügt über eine der höchsten Pro-Kopf-Nutzerraten von PCs weltweit. Laut letzter Erhebung von 2003 hatten 66% der Haushalte einen PC und 53% Internetzugang. Die „New Economy“ mit den Branchen Informations- und Kommunikationstechnologie, E-Commerce, Bio-, Nano- und Medizintechnologie spielt eine immer wichtigere Rolle. Wirtschaftsdienstleistungen (darunter Beratungs-, Umwelt-, Rechts-, und Buchhaltungsdienstleistungen sowie Public Relations) gehören zu den am schnellsten wachsenden Branchen. Auch Forschung und Entwicklung haben einen recht hohen Stellenwert. So setzte such die positive Entwicklung 2004/05 mit einem BIP von 2,3% fort. Allerdings ging der private Wohnungsbau von 7,3% auf 2% zurück. Und auch der private Konsum verrinderte sich um 4 Prozentpunkte. Ob der zum Vorjahr um 3% höhere Lebensindex oder aber die drastische Verteuerung des Benzins dies mit beeinflusste? Es ist wahrscheinlich. Trotzdem rangiert Australien in der BIP/Kopf Analyse immer noch zu den 10 besten Ländern und rangiert deutlich vor Deutschland. Die Prognostiker rechnen mit einer weiteren Wachstumsperspektive des BIP in den nächsten Jahren. Dafür könnte auch die Zunahme der Auslandinvestitionen führen, die am 31.12. 2004 mit über 681 Milliarden Euro 97 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr betrug. Die Aufwertung des AUS- Dollars gegenüber dem US- Dollar führte zu einem Exportrückgang und einer Importverbilligung. Und zu einer Zunahme des Leistungsbilanzdefizits. Eigentlich ein Alarmsignal. Aber die gesunden Staatsbilanzen und der schier unerschöpfliche Reichtum des Landes an Rohstoffen hat das Vertrauen der ausländischen Investoren scheinbar noch gestärkt. Doch auch die australischen Investitionen ins Ausland lagen mit 383 Milliarden Euro Ende 2004 immerhin  65 Milliarden Euro über den Vorjahresinvestitionen.
Der Sparte Touristik wird weiterhin größte Aufmerksamkeit gewidmet. Kamen 2004 5,2 Millionen Touristen nach Down under, rechnet man nach Öffnung zum asiatischen Raum bis 2012 mit 8 Millionen Besucher. Der Anteil der deutschen Besucher mit 2,9% in 2003 und 2,7% in 2004 kennzeichnet die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Deutschen. Und die ständig steigenden Flugpreise nach Down under tun das ihrige. Backpacker sind für die Aussies eine äußerst interessante Zielgruppe. Sie bleiben in der Regel drei Mal so lange als der normale Tourist und geben doppelt so viel Geld aus.
So sieht die Zukunft für Australiens exportorientierte Wirtschaft nicht schlecht aus. Und das schlägt sich auch im Verhalten der Australier nieder. Die private Verschuldung hat einen für Down under nie gekannten Höchststand erreicht. Niedrige Hypothekenzinsen, steuerliche Anreize zum Hausbau und einfacher Zugang zu Krediten sorgten für eine zunehmende Verschuldung privater Haushalte. Betrug deren Verschuldung zu Beginn der 90er Jahre 56% des verfügbaren Einkommens, so ist sie inzwischen auf weit über 100% geklettert. Seit 2002 ist die Sparquote negativ, d.h. es wird mehr konsumiert als an Einkommen verfügbar ist. Eine Beruhigung zeichnet sich jedoch ab, vor allem weil der private Wohnungsbau deutlich zurückgeht und damit auch die private Kreditnachfrage.
Viel hängt in den nächsten Jahren davon ab, wie sich die Außenhandespartner im Ost und Südasien verhalten, die immerhin 53 % des australischen Absatzmarktes sind. Und da wird wohl Chinas rasant wachsende Wirtschaft bald diese Zahlen revidieren.
So ist es eine gewisse Logik, wenn die Wirtschaft in Übereinstimmung mit der Regierung jetzt wieder auf die Rohstoffnachfragen nach Kohle und  Eisenerz für die Zukunft setzten. 

Deutschland ist mit 65 Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen und insgesamt ca. 850 Betriebsstätten in Australien stark vertreten. Bei deutschen Unternehmen sind 45.000 Personen beschäftigt. Hinzu kommen rund 35.000 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern, so dass die deutsche Wirtschaft etwa 80.000 Arbeitsplätze in Australien stellt. Der Umsatz deutscher Firmen in Australien liegt bei etwa 15 Mrd. EUR jährlich. Die Dresdner Bank hat ihr Commodity Business in Sydney zentralisiert und die Deutsche Bank feiert dieses Jahr ihr dreißigjähriges Bestehen in Australien. Die Firma Bilfinger-Berger führte über ihre australische Tochter Baulderstone Hornibrook den „Cross City Tunnel“ in Sydney als BOT-Projekt aus. Er wurde Ende August 2005 eröffnet. Für das „Epping to Chatswood Rail Line Project“ in Sydney werden Werkzeuge, Maschinen und Bauteile zum Großteil über das Logistikunternehmen Schenker geliefert. Siemens hat 2004 drei Aufträge im Gesamtwert von 590 Mio. EUR für den Bau von drei Kraftwerken in Kemerton, Kogan Creek und Laverton North erhalten. Die Firma Hochtief ist über ihre Beteiligungen an Leigthon Holdings Ltd. und Thiess Pty. Ltd an mehreren wichtigen Infrastrukturprojekten in Australien beteiligt. Über 1 Mio. EU-Bürger reisen jährlich nach Australien, während 600.000 Australier EU-Staaten besuchen.

Auf alle Fälle bleibt die Entwicklung der australischen Wirtschaft ein hochinteressantes Problemfeld in den Zeiten der zunehmenden Globalisierung. So wie niemand erwartet hatte, dass sich Australien aus dem Tief der 90ziger Jahr zur wirtschaftlichen Weltmacht empor schwang, so rechnen jetzt nur wenige Australier, dass es wieder schlimmer werden könnten. Eine Denkweise, die uns Deutschen gut bekannt sein dürfte. Und eine gefährliche Gratwanderung!
Außerdem bewirkt die ständige Sonne bei den Aussies sowieso eine positive Denkhaltung. Immer wieder hören wir, diese Reden über den Siebenjahresrhythmus im australischen Leben. Und man müsste eben nur die schlechten sieben Jahre überstehen, dann wird alles wieder besser.
Glücklicherweise wird diese „No worries“ Haltung nicht von den Politikern um Howard geteilt.
Die Analysten rechneten schon ab 2005 mit einer beginnenden Abschwächung des Wirtschaftwachstums und einer steigenden Inflationsrate. Warten wir ab, da es 2006 noch nicht eintrat, ob der AUD im Verhältnis zum Euro in 2007 schwächer wird. Ob ein Wechselkurs von 1 Euro zu 1,70 AUD wieder eintritt.
Die OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) ist eine internationale Organisation, in der Länder gemeinsame Entscheidungen treffen, selbst aber dabei absolut souverän bleiben. In Deutschland wird als "Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung" bezeichnet.
Der OECD Indikator für Australien zeigt, dass die Wirtschaft den zyklischen Höhepunkt bereits überschritten hat. Mit der Folge, das sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen müsste, was aber 2006 noch nicht eintrat.

Und in dieser Situation kommt schon wieder ein Glücksfall. Nämlich der 2006 geschlossene Liefervertrag für Natur- Uran an China. Wenn er 2010 in Kraft tritt, könnte gerade wieder ein Engpass beim BIP so kompensiert werden. Dafür riskiert man sogar eine latente Trübung der australisch- amerikanischen Freundschaft. Mit den Umweltschützern wird die Regierung allemal fertig. Uran gibt es genug. Die drei internationalen Konzerne, denen die Uranbergwerke gehören, würden sofort einer Abbausteigerung zustimmen. Aber mittlerweile stellt die Labour Party in alle Bundesländer Australiens die Regierung. Und am Uran könnte die erneute Wiederwahl von Howard scheitern.
Mögen die Aussies noch so schlecht über ihn reden- mir imponiert der Mann. Ein Realpolitiker, der im Gegensatz zu den deutschen Regierungsmitgliedern mit Taten glänzt.

Dieter Tischendorf

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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