Die Legende der großen Flut

In der Traumzeit befiel eine schreckliche Dürre das Land. Die Blätter der Bäume verfärbten sich braun und fielen von den Zweigen. Die Blumen ließen die Köpfe hängen und starben. Auch das grüne Gras verwelkte,  nachdem es der Atem des Geistes vom unfruchtbaren Berg, der Atem des Feuers, getroffen hatte. Im heißen Wind klapperte das tote Schilf im Flussbett und der brennende Sand schimmerte wie eine  silberne Lagune.

Die einst plätschernden Nebenflüsse und die tiefen, ruhigen Wasserlöcher waren trocken. Am freien blauen Himmel strahlte die Sonne wie eine Masse flüssigen Goldes. Die Wolken wurden nicht mehr über die Hügel getrieben. Und die einzige Dunkelheit, die über das Land kam, war nur der Schatten der Nacht und des Todes.
Nachdem viele Tiere verdurstet waren, trafen sie sich alle, die auf dem Land lebten, um Rat zu halten, was die  Ursache der Dürre sein könnte. Sie reisten viele Meilen. Einige kamen vom Busch und Anderen von den entfernten Bergen.

Die Meervögel verließen ihre Häuser in die Klippen, in denen die weiße Brandung donnerte, und flogen viele Tage und Nächte ohne Pause. Als sie nun alle am gewählten Treffpunkt im zentralen Australien eintrafen entdeckten sie, dass ein Frosch von enormer Größe alles Wasser im Land geschluckt hatte, und so folglich die Dürre verursachte. Nach langen, ernsthaften Gesprächen wurde es entschieden, dass der einzige Weg, wieder das Wasser zu erhalten sei, den Frosch zum Lachen zu bringen. Die Frage war nur, welches Tier versuchen sollte, dieses Lachen zu erreichen. Man wählte nach hitziger Debatte den Kookaburra aus, es zu versuchen.
Die Tiere bildeten einen sehr großen Kreis mit dem Frosch in der Mitte. Da saßen sie nun alle zusammen. Die roten Kängurus, die graue Wallaroos, Felsen und Sumpf Wallabies, Kängururatten, Bandicoots, Koalas und die Ringbeutler. Sogar die Emus vergaßen ihren Streit. Der Glockenvogel hielt ein in seinem  Glockenspiele. Der so gefährliche Metzgervogel saß friedlich neben der Brown Snake. Sogar das Stachelschwein vergaß, seine Borsten zu sträuben. Es war Waffenstillstand  im Krieg des Busches.

Jetzt fing der Kookaburra, der auf einem Baumast saß und mit funkelnden Augen den großen, aufgeblähten Frosch betrachtete, sein braunes Federkleid aufzuplustern. Und dann startete er seine Lachtirade. Vom anfangs leisem tiefem Gurgeln, das tief in der Kehle entstand, steigerte er sein Lachen stufenweise lauter und immer lauter. Bis der Busch mit dem Ton seines Gelächter widerhallte. Die anderen Tiere schauten ihn mit sehr ernsten Gesichtern an. Aber der Frosch gab kein Zeichen. Er blinkte mal eben mit den Augen und schaut so dumm, wie nur ein Frosch schauen kann. Das Kookaburra fuhr fort in seinen erfolglosen Bemühungen, die ihn fast die Luft nahmen, bis er vom Baum fiel.  Als nächste Bewerber versuchte die Kragenechse ihr Glück. Sie verlängerte die Krause um ihre Kehle und ließ die Luft auf und ab hüpfen. Allerdings ohne eine Reaktion beim Frosch, der die Echse kaum beachtete. Da machte einer den Vorschlag, wenn alle Tiere tanzten, würde der Frosch vielleicht lachen. Aber sie mühten sich umsonst bis zur Erschöpfung. Der Frosch blieb desinteressiert. 

Die Situation wurde ernst. Die Tiere wussten keinen Rat. Und es setzte ein lautes und wirres Durcheinander von Palaver ein. Trotzdem war in dem lauten Gerufe ein bedrängter lauter Hilfeschrei zu hören. Eine Teppichschlange versuchte gerade ein Stachelschwein zu verschlucken. Das hatte seine gesträubten Borsten in deren Hals gebohrt. Und ein Kookaburra hatte die Schlange am Schwanz gepackt, um mit ihr wegzufliegen.
Schließlich kämpften auch noch zwei Bandicoots um eine süße Wurzel. Und die wurde während der Kampelei von einem Opossum stibitzt. Da vergaßen sie schnell den Streit und jagten gemeinsam die Beutelratte, die sich auf einen Baum rettete, wo sie sich mit dem Schwanz an einen Zweig klammerte und genüsslich die süße Wurzel verzehrte. Sehr zum Ärger der Bandicoots.

Nachdem Frieden und Ruhe wieder hergestellt worden waren, wurde die Frage der Dürre erneut erörtert. Ein großer Aal, der in einem tiefen Wasserloch am Fluss lebte, schlug vor, man möge ihm gestatten, den Frosch zum Lachen zu bringen. Darüber mussten nun wiederum viele Tiere lachen, aber in ihrer Verzweiflung stimmten sie zu. Der Aal begann damit, vor dem Frosch zu Wackeln, zu Zappeln und sich zu Winden. Zunächst langsam, dann schneller, schneller, immer schneller. Er tat dies solange bis sein Kopf und sein Schwanz sich trafen. Dann verlangsamte er seine Bewegungen und zappelte wie eine Schlange mit Schüttelfrost. Nach einigen Minuten veränderte er diese Position und fiel wie eine wohlschmeckende Made auf ein Ameisenbett. 

Der Frosch öffnete seine schläfrigen Augen, sein großer Körper bebte, sein Gesicht entspannte sich und schließlich barst er in ein Lachen aus, das wie rollender Donner klang. Das Wasser ergoss sich in riesiger Flut aus seinem Maul. Es füllte die tiefsten Flüsse und bedeckte das Land. Nur die höchsten Gebirgsspitzen waren, wie Inseln im Meer noch sichtbar. Viele Menschen und Tiere ertranken.

Der Pelikan, damals noch ein Freund der anderen Tiere, segelte mit seinem Kanu  von Insel zu Insel und rettete viele Kameraden aus der Not. Schließlich kam er zu einer Insel, auf der es viele Leute gab. In ihrer Mitte sah er eine schöne Frau und verliebte sich. Er rettete alle Männer auf dieser Insel. Die Frau blieb alleine zurück. Jedes Mal wenn er die nächste Gruppe Männer holte, fragte sie ihn, ob er sie nicht mit den Männern mitnehmen könne. Und er antwortete stets, dass zu viele Leute schon im Kanu wären. Aber er würde sie beim nächsten Mal mitnehmen. Dies wiederholte sich mehrmals. Bald merkte die Frau, dass der Pelikan sie mit in sein Lager nehmen wollte. Sie wollte dies aber nicht. Während er wieder eine Gruppe weg brachte wickelte sie einen Holzklotz in ihre Opossum Decke. Diesen setzte sie aufrecht neben ihre Hütte. Da die Flut inzwischen nachgelassen hatte, konnte sie sich im Busch verstecken. Als der Pelikan zurück kam rief er nach ihr, bekam aber keine Antwort. Er sah die Decke, ging hin und trat mit dem Fuß dagegen. Nicht rührte sich. Da und riss wütend die Decke weg. Doch statt der erwartenden Frau fand er den Holzklotz. Darüber war der Pelikan sehr verärgert und beschloss, sich zu rächen. Er bemalte sich mit weißem Lehm und machte sich auf, die restlichen  Gefährten zu suchen, um dies zu töten. Aber der erste Pelikan, den er traf, war so erschrocken durch sein merkwürdiges Aussehen, das ihn mit einer Keule schlug und tötete. Seitdem gibt es als Erinnerung an die große Flut schwarze und weiße Pelikane.

Das Hochwasser ging stufenweise zurück. Und nach und kleidete sich das Land wieder in den grünen Kleidern des Frühlings. Durch die hohen Grünschilfe flüsterte die Stimme des Nachtwinds eine zarte Musik zum Fluss. Und, der Morgen vom östlichen Himmel dämmerte sangen die Vögel ein Lied des Willkommens für die neue Flut. Die Flut des goldenen Tageslichtes.

@ 01.06.2010

OzBus Reporter

Isabelle Hiestand unterwegs mit dem OzBus von London nach Sydney. Sie berichtet täglich aus dem OzBus.

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